







































Eine andere WordPress-Site.








































Ich danke allen denen unendlich, die mich in diesem Projekt, auf meiner Reise nach Afrika auf vielen Wegen unterstützt haben. Ein riesen Dankeschön für das Interesse, die Nachfragen, die Anteilnahme an den Erfahrungen, Erlebnissen, Eindrücken und meinem Leben hier in Zomba.
Ich danke 🙏 dir!
Dankesehr den Spendern, die mich für dieses großartige Projekt im Krankenhaus unterstützt haben. Das war sehr großherzig!
Danke meiner Familie, die immer versuchte aus der Ferne ein Auge auf mich zu haben und mich immer in Sicherheit wünschte!
Danke an Klaus, der mir meine Berichte online stellte, weil meine mobile Internetverbindung dafür meist gar nicht ausreichte, damit ich euch regelmäßig auf dem laufenden halten konnte.
Danke, dass ich das erleben durfte! 🥰






























Abflug
Heute geht der Flieger nach Deutschland. Noch eine letzte Fahrt durch Afrika, an den ganzen armen und eindrücklichen Orten vorbei.
Es stinkt und schockiert immer noch.
Ich bin etwas froh, hier einfach rausgehen zu können. Hier nicht für immer zu sein. Ich bin mir sehr bewusst, wie privilegiert das ist. Und bin dankbar dafür. Wirklich!
Am Schluss brachte uns Patrick mit einem Umweg nochmal bei seinem Cousin vorbei, wo er noch schnell Geld holen wollte. Er meinte wir sollen uns noch was Süßes aussuchen. 😇 er fand es aber nicht schlimm, als wir ablehnten. Am letzen Tag brauche ich nichts mehr vom Markt. Kein langes Andenken an diese Reise.
Die anderen zwei Deutschen, die mit uns von Anfang an da waren, sind seit zwei Wochen zurück. Sind direkt vom Flughafen in die Klinik. Einer von beiden hatte mehrere Darmerreger nachweisbar und einen netten Parasiten importiert.
Hmmmmmmmmmmmmm. Not so nice! Er wurde direkt mit allen Waffen der medizinischen westlichen Welt versorgt. Schont gut, in Europa. 😊 👍
Die Kontrolle in Afrika war afrikanisch. Das Gepäck wurde zwar gescannt, aber ich weiß nicht mal, ob das Gerät an war.
4 Liter Flüssigkeiten im Rucksack waren kein Problem, auch 4 Handgepäckstaschen nicht.
In manche Taschen schauten sie oberflächig rein. Als ich sagte was drin ist, schaute sie nicht mal mehr rein. Haha.
Einer der Polizisten fragte Johanna noch, ob sie ihn mitnehmen wolle. 😜
Der Flughafen hat drei Gates. Sind drei Türen nebeneinander, die alle eh nicht mehr zu gehen 😅😇.
Achso, und ich vergaß ein Taschenmesser und ein großes Sägemesser im Handgepäck 🤣😎🫣🫣🫣🫣🫣 uuuuuuuund es bemerkte niemand. 🫣🫢








Heute machten wir nochmal die letzten Besorgungen auf dem Markt.
Ich verschenkte noch meine Klinikkasacks und Schuhe. Es war so süß, wie sich alle freuten, und sie präsentierten gleich ihre neue Errungenschaft. Gaaaaanz stolz.
Auf dem Markt wollte ich unbedingt noch einmal ausprobieren Bananen auf dem Kopf zu tragen, erst blickten sie nicht was ich möchte, wenn ich sie nicht kaufen wolle. Dann hatten sie die größte Freude daran, lachten und holen alle heran, das Spektakel zu beobachten, was die Weißen da probieren. Es kamen so viele Leute ran und umgarnten uns. Alle wollten Selfies machen.
Es war so super schwer, den riesen Teller zu balancieren, ohne ihn festzuhalten.
Wirklich beeindruckend, wie sie damit einfach durch die Gegend laufen.
Als wir dann weiter wollten, wollten sie dafür Geld. Das fand ich bisschen Schade, aber wunderte eigentlich nicht 🤨🤣
Ich lies mir auf dem Markt nochmal die Haare flechten und wir verbrachten noch mit den anderen der WG den Abend. Die letzten Tage kamen nochmal 5 neue, es war auch einfach mittlerweile sehr chaotisch.
Als Abschiedsgeschenk, machten wir noch einmal die Bude sauber. Es freuten sich echt alle tierisch, hielt aber auch nur einen Tag an. Gut, dass wir fuhren 🤣.





Heute ist mein wirklich letzter Tag im Krankenhaus.
Zur großen Frühbesprechung war die Palliativstation mit einem Vortrag dran.
Sie erzählten, dass es schon gewünscht ist, den Patienten ehrlich ihre Prognose mitzuteilen. Es sei eigentlich nicht allzu üblich und deswegen appellierte sie in die Runde, dass man das schon machen könne. Oha!!
Danach bin ich nochmal zur Chefin der Pädiatrie gegangen und wollte mich verabschieden. Wir waren verabredet. Sie kam einfach eine Dreiviertelstunde zu spät. Ich erreichte sie auch nicht. Als sie kam, schlurfte sie so gemütlich durch die Gegend, als langweilte sie sich während sie durch die Klinik schlappte. Das ist immer noch ein lustiges Bild, wie hier einfach nie Stress oder Tempo aufkommt 😆
Meinen letzen Tag verbrachte ich nochmal im OP. Es gab einen Darmverschluss, bei dem schon 60cm schwarz, also tot waren, der entfernt werden musste.
Der nächste hatte seine 3. OP am Bauch. Die vorherige Klinik solle gepfuscht haben, jetzt war der Darm ins Skrotum gefallen und er hatte ein Skrotum in der Grösse zweier Wassermelonen. 🫣
Eine andere Studentin stand bei einer Gyn OP 3m entfernt und musste sich waschen, weil so viel Blut spritze, dass sie von Kopf bis Hüfte vollgespritzt war. Ich spühte sie überall mit Desinfektion ein. Anderswo steht trotz so vielen Spenden immer noch keins herum.
Aber als ich neulich 5 Flaschen mitbrachte, schütteten sie sich auch gefühlt alles direkt über, als sei es ein Geschenk sich einmal darin komplett zu tränken.
Mittlerweile lache ich und schüttle nur noch den Kopf. Ist halt hier so und daran ändert sich so schnell nix.





Heute waren Johanna und ich nochmal auf dem Markt unterwegs. Wir verabschiedeten uns schon mal von meinen Lieblingsgemüsehändler.
Er wollte mir direkt zum Abschied zwei Papayas schenken und Telefonnummern austauschen und Fotos machen. 🥳
Er hat uns immer so faire Preise gemacht, dass ich ihn also doch gerne bezahlen wollte. Er freute sich total. Das war so süß, wie glücklich er war, wie er sich gefreut hat.
Johanna hat unweit unserer Unterkunft ihre alten Wanderschuhe abgegeben. Sie haben schon die Generation ihrer Mama durchgemacht und sind leider direkt bei der Ankunft in Afrika kaputt gegangen. Sie wollte sie zur neu Besohlung dem Schuster schenken, dass er diese danach weiterverkauft. Er strahlte überglücklich und der Angehörige nebenan übersetzte ihm, was wir ihm zu sagen versuchten. Sie strahlten und er meinte, Gott schütze uns!
Heute kamen wieder neue Deutsche an. Eine Ärztin und zwei Studenten.
Die Bude Platz jetzt komplett, es sind nicht mal genug Schlafmöglichkeiten vorhanden. Zeit, dass wir mal langsam wieder ausziehen und Platz schaffen 😜.
In der Klinik bin ich immer noch erstaunt, was manchmal passiert.
Ich habe ein Kind visitiert und eine Ärztin gegenchecken lassen. Das Kind wurde nachts mit Husten und Fieber stationär aufgenommen. Es sollten Antibiotika verabreicht werden.
Es hatte jedoch weder Husten, noch Fieber; viel mehr brauchte man eine Taschenlampe, weil es da so finster war…(ich wundere mich immer, wie die da irgendwas sehen wollen), um einen exorbitant massiver Ausschlag über dem ganzen Körper darzustellen. Ich hätte das Kind in die Dermatologie geschickt und nicht stationär aufgenommen. Die Ärztin segnete meine Entlassung von der Station ab. Ich war schon verwundert, dass sonst ein Husten und Fieber therapiert worden wäre und der Ausschlag nicht einmal festgestellt wurde. So konnte es jetzt weitergehend ambulant versorgt werden.
Ebenso entließ ich einen Jungen, der schon mit Lolli rumtobte. Er war wegen Malaria da. Auch ihn hatte niemand angeschaut und das Medikament abgesetzt. Normalerweise bekommen Kinder in dem Alter 3 Tage lang ein spezifisches Antimalariamittel und werden hier symptomatisch behandelt und bei kritischem Verlauf stationär überwacht. Sehr kritisch sah es mit seinem Lolli, nicht aus.
Die vielen vielen Kinder die das Bett brauchen, freuten sich nun über mehr Platz auf Station. Ansonsten werden Betten halt auch manchmal zweigeteilt, wenn nicht mehr Platz ist. Die Mütter und die Angehörigen, die dabei sein müssen, um die Versorgung und Verpflegung vor Ort zu gewähren, sind sehr froh, wenn sie ambulant weiterbehandeln werden können, denn ihr Überleben hängt maßgeblich von der Arbeit ab, die sie vollrichten können, oder eben auch nicht, wenn sie im Krankenhaus sind.
Heute machten wir uns nochmal auf von Mangochi nach Zomba. Es klappte wirklich gut, wir waren so froh, an so nette Leute zu geraten. Unser Fahrer half uns bei den Verhandlungen und ließ uns erst dann raus, als ein bezahlbares Angebot entstanden ist. Trotzdem ist die Fahrt im öffentlichen Bus, gestapelt bei brennender Hitze, rasend, vollbremsend, Leute aufeinander gestapelt, an den glühend, schwitzenden Nebenmann gequetscht, jetzt semi schön. Ehrlich gesagt wünscht man sich Wasser, eine Toilette und eine ewig lange Dusche, nimmt aber auch eine kurze kalte an. 😅
Abends hatten wir echt Hunger.
Wir wollten einen neuen Ort mit essen testen. Es sollte hier super preiswert sei, also grob unter 5€ für ein Hauptgericht.
Wir studierten die Karte, da kam schon einer und erzählte was es gibt. Wir fragten, dass aus der Karte ja aber schon auch oder? Er meinte nein, das sei aus. Wir so, alles? Er so, ja! Heftig, also aßen wir das einzige was es gab.
Zu trinken, etwas alkoholfreies bitte. Nein, gibt es heute nicht 😎 TIA — this is africa.
Na gut, nehmen wir so hin 😝 Hauptsache irgendwas essen !



Heute machten wir uns auf zu einem Tagesausflug nach Mangochi. Johanna und ich dachten, es sei nicht ganz so weit. Also zeitlich gut machbar und so könnten wir nochmal einen Blick auf die Spitze des Malawisees erhaschen.
Die Fahrt mit dem Minibus dorthin war allerdings wirklich furchtbar.
Wir zahlten wie gewohnt zu Beginn die komplette Strecke, auch wenn man nicht alles im selben Minibus fährt. Doch der Fahrer war wohl nicht so zufrieden mit dem Betrag, den er uns abgeknöpft hat. Deshalb hat er dem nächsten Busfahrer wohl erzählt, wir wollen nur die halbe Strecke fahren. Dieser warf uns dann raus und meinte aber für Eintausend können wir bis Mangochi kommen. Nochmal zahlen ist eigentlich ungewöhnlich. Ja zu recht. Natürlich wollten sie keine 1000, sondern 5000 und diskutierten hart mit uns und das bei brennenden Temperaturen. Um uns herum bildete sich eine riesen Menschentraube. Alle schrien und donnerten auf uns ein. Sie schrien sich auch gegenseitig an. Jeder meinte, uns den besten Rat zu geben mit welchem Bus wir fahren sollten. Sie wollten vermitteln, sie zerrten an uns, meine Ohren fielen fast ab so schrien sie 10 cm vor mir rum. Wir wurden von Bus zu Bus geschupst, wussten nicht mehr wem man zuhören soll, wem folgen. Und zahlten absolute Wucherpreise, um endlich wegzukommen. Der eine entschuldigte sich sogar dafür, was mit uns bei der Fahrt passiert sei und dass wir abgezogen wurden. Bisher waren wir auch echt überrascht gewesen, wie gut das immer geklappt hat, mit dem Weiterreisen in verschiedenen Bussen. Aber das heute war wirklich heftig. Emotional und körperlich war ich am Ende. Stunden gequetscht, den Kopf nicht gerade halten könnend, ein Bein auf einem Sack, drei Taschen und Säcke auf mir drauf, neben mir die nächste Person, hinter mir Hände im Kreuz, vor mir eine harte Stange im Knie, und bei jedem Bremsen flog man nach vorne.
Haha, ein Kind hatte eine geschlossene Plastiktüte dabei, die aber Töne von sich gab. An der Spitze war ein Loch und ein Hühnerschnabel schnatterte durch.
Bei jedem Halt klopfen Kinder mit Waren an die Fenster und wollen Bananen, Samosas oder Mais verkaufen… der Bus wird immer umschart, innen platzt er schier, außen so viele Menschen. Es ist echt immer krasse Aufruhr.
Ich war so unfassbar geschafft, als wir ankamen, dass ich fix und alle mit brummendem Schädel im Sitzen einschlief.
Aber der Blick auf den See war gigantisch.
Es fühlt sich trotzdem falsch an, das gemießen zu dürfen. Wieder unfassbar viele arme Menschen, die einen anschauen, betteln und man sich dabei schlecht fühlt. Auch hier viele Leute, die was verkaufen wollen und möchten, dass du dir ihre Sachen anschaust. Richtig ruhig ist es nie. Mal einen Moment komplette Stille, Besinnlichkeit, Nachdenken, Runterkommen, Ankommen, Sicher sein. Illusion.
Die Armut im Dorf ist hier nochmal heftiger. Die Hütten unvorstellbar provisorisch.
Heute ist es so unfassbar heiß, man kann sogar im Schatten einen Sonnenstich zu bekommen. Und trotzdem wird es abends bitterkalt.
Jetzt ist es 18.00 Uhr und ich sehe nur noch mit Taschenlampe 🔦
Ich habe mir angewöhnt früh ins Bett zugehen, so dass ich ab 19/20 Uhr echt bettreif bin. Manchmal wache ich sogar vom Malerone Wecker auf, der mich an die tägliche Antibiotikaeinnahme erinnern soll.









Heute war Kuchenfreitag und die Interns haben alle zusammen einen Kuchen dafür kaufen wollen. Gebracht haben sie eine Torte. Sah heftig cool aus.
Ich steuerte schwäbische Brezelkräcker und Gummibärchen bei. Sie waren so wild drauf und steckten sich alles in ihre Taschen, wie kleine Kinder.
Eine riss mir sogar die Packung aus der Hand, damit sie da mehr einpacken konnte.
Aber alles in allem ein super netter Haufen – Team Kinderklinik.
Auf Station verteilte ich noch ein paar Kinderspielsachen, Bälle, Bären und was ich halt noch so hatte. Die Kinderaugen waren so groß, die Eltern super dankbar. Die weinenden Kindern konnte man damit trösten oder ein Kleinkind bei der Untersuchung gut ablenken. Das war super schön.
Ich verschenkte noch ein paar Desinfektionsflaschen und die Schwestern waren super dankbar und happy. Wir machten noch ein Abschlussfoto, so zum offiziellen Ende, auch wenn ich in der nächsten Woche nochmal in die Klinik will.
Eigentlich hatten wir die letzten Tage noch etwas Puffer eingeplant, für Erledigungen oder kleine Ausflüge.
Irgendwie fühlt es sich aber auch falsch an hier auf Tourismustour zu gehen. Deswegen hängen wir lieber noch ein paar Tage im Krankenhaus dran und ich werde nochmal im OP arbeiten gehen.
Die Eindrücke hören nicht auf heftig zu sein. Momente die Überfordern, Besprechungen bei denen die Totem aufgezählt werden sind für mich immer noch makaber. Die Zahlen hier unvorstellbar hoch. Die Einflüsse sind erschlagend und meine Kraft langsam aufgebraucht.
Ich bin dankbar für die Zeit hier. Ich bin stolz es zu tun, ich bin trotzdem müde und verbraucht. Es ist sehr sehr anstrengend.
Am Nachmittag schaute ich mir noch die Prison Ward an. Wir durften da einfach reinspazieren und er hat uns die abgeriegelte Station mit den Gefangenen gezeigt. Sah schon irre aus da drin, total verrückt. Aber es gab bisher noch nichts, was uns nicht offen gezeigt wurde. Egal welcher Bereich. Der Officer hatte hinten im Bund der Hose eine Knarre stecken. Das sah auf dem Krankenhausgelände echt komisch aus.
Ich ging noch in die Krankenhausapotheke, nachdem gestern die Apotheken in der Stadt keine Tabletten gegen Billharziose mehr hatten. Ich wollte ich hier mal mein Glück versuchen. Im OP sah ich eine Patientin, die dadurch Blasenkrebs bekommen hatte. Der kann hier leider nie resiziert werden. Sie wird bedauerlicherweise nur Palliativ behandelt. Das ist so traurig, dass ich motiviert war zügig die Tabletten dagegen zu besorgen. Und ich hatte Glück! Ich brachte Johanna direkt auch gleich eine Dosis mit. Somit konnten wir eine Sorge eindämmen – müssen aber noch ein paar Wochen mit der Einnahme warten. Die Würmchen müssen ja erstmal schlüpfen, bevor sie sich im Körper ausbreiten können und man sie aktiv bekämpfen kann.
Am Abend spazierten wir nochmal über den Markt. Plötzlich sah ich einen Menschen auf die Ladefläche eines Trucks fliegen. Vier oder fünf Officer der Armee sprangen hinterher mit Gewehren ausgestattet und knieten ihn nieder. Es sprangen noch ein paar mehr Leute in Zivil dazu und der Wagen fuhr weg. Eine riesen Aufruhr, unglaubliche Menschenmengen, die das Ganze beobachteten. Wir, zufällig mitten dabei, blieben ganz geschockt stehen. Wir schüttelten den Kopf über das Unglaubliche, was wir eben sahen.
Auf dem Weg an der Kirche vorbei traf ich mich mit einer Schülerin, die ich schon eine Woche zuvor dort getroffen hatte. Ihre Freundin flechtet Haare und sucht immer Leite dafür. Sie machte mir lange rote Zöpfe und erzählte mir dabei wie ihre Abschlussprüfungen heute verlaufen sind. Sie möchte unbedingt Medizin studieren, wie wir. Das war so süß. War eine so süße Maus, die sich riesig freute mir die Haare dafür machen zu können. Sie war ganz stolz und winkte allen, die vorbei liefen und machte freudig Fotos mit meine roten Haaren.
Ich sah aber etwas wild danach aus. Gut, dass sie doch Medizin machen möchte und nicht Friseur.













Heute bin ich wieder im OP gewesen. Ich habe den Arzt von gestern wiedergetroffen. Immerhin her er mich erkannt, ich ihn nicht sofort. Viel zu viele neue Gesichter weiterhin. Mit Maske oder ohne, in OP Outfit oder in Privatkleidung und dann alle nicht europäisch aussehend, da kann man schon mal durcheinander kommen.
Ich habe heute nicht ganz so aktiv gearbeitet, wie ich wollte, aber deutlich mehr als zu wenig.
In einem OP war dann weder ein Anästhesist noch eine OP Schwester. Diese kam dann auf mich zu und meinte, kannst du die Anästhesie abschließen, wenn die OP fertig ist, geht das? Ich hab gelacht und es gerne gemacht. Fand auch keiner komisch.
Bei der nächsten habe ich dann wieder die Spinale gelegt, als Anästhesie vor einer Sectio, einem Kaiserschnitt.
Als ich beim nächsten Patienten schon mit Nadel steril dastand und gerade loslegen wollte, hies es, gib das ab und mach dich fertig als 1.Assistenz bei der Sectio zu operieren. Wow, welche Ehre, was für eine besondere Möglichkeit und super Chance. Den spinalem Block hätte ich auch echt gerne gelegt, deswegen gönnte ich mir ein kurzes Zögern und sagte dann natürlich zu.
Erstmal musste ich mich durchfragen, woher ich so meine Ausstattung holte. Ich besorgte mir meinen Metzgerkittel, der bei mir am Boden streifte und wusch meine Hände mit Wasser und Seife. Dann werden diese abgetrocknet und man kann sich die sterilen Sachen nehmen, nur dass man halt dann nicht wirklich steril ist, aber gut.
Dann zieht man zwei paar Handschuhe an, diese gibt es aber nur in einer Größe, also zu groß. So ein paar lommelt schon heftig rum.
Über den Metzgerkittel kommt noch ein autoklavierter Kittel mit mehr oder weniger Verschlussmöglichkeiten.
Die Patientin wird abgewaschen und abgedeckt.
Als ich versuchte die spezielle Falttechnik des Operateurs zu duplizieren, faltete ich wohl das Tuch falsch. Auf jeden Fall war er super genervt und meinte, hättest du mal aktiver zugeschaut, wie das geht. Schande und du hilfst mir jetzt, danke auch. Haha, super, typisch Chirurgen, schön gleich mal stänkern und einem gar keine Chance geben. Naja ich gab mein Bestes. Jeder fängt mal an und immerhin hab ich das Kind nicht runtergeworfen! Ich hab die Atemwege adäquat versorgt und abgeklemmt, er hätte es sicher noch viel besser gemacht aber das hatte ich so sicher drauf, dass er es mir nicht abnehmen konnte 😅
Naja den Rest der OP betonte er, wie toll das ist, dass die OP Schwester jeden Schritt hervorsehen kann. Danke auch nochmal für die Anspielung, sie macht das bestimmt auch zum ersten Mal in Malawi.
Naja ab dann war ich so genervt, dass ich gesagt habe, was ich weiß wie man in Deutschland die OP weiterführt und daraufhin meckerte er immerhin nicht mehr rum. Eigentlich wollte ich mich nicht rechtfertigen, ist ja klar dass man erstmal reinkommen muss.
Die OP verlief ja nicht schlecht und das trotz Komplikationen von vorzeitiger Plazentalösung und riesigen Uterusmyomen.
Trotzdem fand ich es nicht so befriedigend, wie es menschlich ablief.
Aber interessant, dass wohl überall die Chirurgen ein besonderes Klientel sind, das nicht so super motivierend rüberkommt.
Als ich dann runterschaute war ich komplett mit Blut überströmt. War froh, dass der Kittel bis über meine Schuhe ging, sonst wären meine Socken getränkt gewesen. Kein Wunder, dass die Gummistiefel anhaben. Da stand ich mit meinen OP Clocks etwas direkter in den Flüssigkeiten. Ich musste erstmal alles vorsichtig von mir los werden. Eine süße OP Schwester holte mir ein Fussbad und wusch mir die Schuhe ab. Richtig lustig.
Am Nachmittag versuchten wir noch in der Apotheke Praziquantel gegen Billharziose aufzutreiben, wir haben vier Apotheken abgeklappert, keiner hatte es da. Morgen versuchen wir es mal in der Klinikapotheke.
Auch Cholera ist gerade ein riesiges Problem. Morgen gibt es eine außerordentliche Versammlung und Besprechung mit Breefing zur Früherkennung, Diagnostik und Behandlung, weil sich immer mehr Fälle vorstellen und es zu einer Endemie in Zomba oder sogar in ganz Malawi gekommen ist. Immer mehr Fälle, in super kurzer Zeit. Das kann noch was werden.
Ah und kleiner Schwenk zu dem Desinfektionsmittel, das ich ja manchmal wirklich Stationsgenau abgebe. Heute habe ich erfahren, dass es genug im Krankenhaus gibt. Es gibt ein Lager, aus dem man dieses bestellen kann. Das macht nur niemand. Es wird einfach gesagt, es ist aus, nicht verfügbar und dann wird der Zustand einfach hingenommen. Man müsste nur einen Zettel, eine Art Formular ausfüllen, in dem es zur Station bestellt wird. Ja genau, müsste. Ich glaube es echt nicht. Wie irre.
Auch im OP gab es nur noch Spiritus zur Desinfektion in alten Seifenspendern. Das sieht alles so irre aus.

