9. Tag

Am Sonntagmorgen bin ich sehr froh, dass alles gut gegangen ist. Ich leuchte alles aus, springe mutig auf und ziehe mich an. Hoffentlich hat der Nebel aus Mückenspray geholfen und die Mücken nicht gestochen. 

Ja – ich schätze, hier gibt es schon eine noch größere Gefahr Malariamücken und vielen anderen zu begegnen, aber darauf bin ich ja gut vorbereitet. 

Es ist nun kurz nach 5 Uhr und noch etwas duster. 

Erstaunlich, wie es tagsüber so unfassbar heiß sein kann und man in der Nacht komplett durchfriert. Gestern yay gab es aber zum Luxus eine Decke und ein Kissen. Das war ein so unfassbarer Komfort, wirklich bezaubernd! 

Die Decken werden zwar vermutlich, so wie sie aussehen und stauben, nie gewaschen, aber diesen Ekel habe ich jetzt mittlerweile überwunden. Wie gesagt, manchmal einfach so hinnehmen. Es ist hier, wie es ist. 

Noch ein Luxus am Morgen, es gibt frisch gebrühten Kaffee, der erste überhaupt. Ein Genuss. 

Als ich sehe, wie sie das kochende Wasser direkt von der Flamme in den Platikbehälter für die Depots eingießen weiß ich, warum das Wasser so furchtbar seltsam schmeckt. Ich verdrehe mal wieder innerlich die Augen. Immerhin habe ich noch 2 Liter Notwasser. Das ist wenigstens nicht pures Gift ☠️

Jetzt um 6 Uhr geht es los mit dem Jeep in den Park. Mein großer Traum ist, mal einem Elefanten zu begegnen. Die anderen afrikanischen Tiere kenne ich zwar auch nicht live, aber ein Löwe wäre schon etwas Besonderes. 

Wir sehen viele Antilopen, Affen und Schweine und nach mehrfachen Hinweisen der Guides und angestrengtem Starren durch Ferngläser Löwen in der Ferne schlafen. Etwas weiter kommen wir – so unendlich unfassbar – an eine Stelle, wo eine Löwin direkt neben einer erlegenen Antilope schläft. Wow! Erst bin ich mir nicht sicher, ob sie lebt, aber sie atmet!

Wir fahren so nah heran. Ich denke, die sind von allen guten Geistern verlassen. Jetzt macht sie die Augen auf und hebt den Kopf. Mir bleibt mein Herz stehen. Das Adrenalin rauscht nur so durch meine Adern. Wir fahren langsam weiter – durchatmen.

Faszinierend, ich war einfach 3 Meter von einem freilebenden Löwen weg gewesen. 

Es ist wohl nicht von Nachteil, dass die Löwin gerade erst gefressen hatte, auch wenn die Guides behaupten, die tun Menschen nichts wenn sie sich nicht falsch verhalten.

Was kann jetzt noch Besonderes passieren? Und ich habe tatsächlich noch das Privileg meinen Elefanten zu sehen. Vor dem See, einigermaßen nah und Nina üüüüüberglücklich.

Als ob es nicht besser hätte werden können, sind wir dann nochmal mit lauter anderen Leuten, die wir alle an diesem Tag zum ersten Mal getroffen hatten ins wahrhaftige Paradies gefahren. 

Ein Fluss, der vom Malawisee abgeht, Natur und Idylle pur. Hippos, Krokodile, und die absolute Krönung nochmal ein Elefant, der verletzt mit vom Krokodil abgefressenem Rüssel, getrennt von seiner Herde, im Schilf frisst 

Der Sonnenuntergang krönt die ganzen besonderen Bilder, die schnaubenden Hippos im Wasser. Der unglaublich liebe Malawi, der uns alles zu den Tieren erklärt und uns lauter Malawi Insider erzählt, erklärt geduldig worauf man hier aufpassen muss. Wir fühlen uns sehr willkommen. Das ist schön! 

Zurück zum Camp. Wir kommen an vielen Einheimischen vorbei und werden sehr skeptisch beäugt. Die Malawis leben hier unfassbar arm. Dagegen ist Zomba noch echt teilweise eine Art Luxuszone, wenn man dieses Wort hier überhaupt nutzen darf.

Egal wie sehr man auf dem Land ist, wie verfallen die Buden sind, an denen man vorbeikommt, überall sieht man Kinder auf der Straße die rennen oder schreien und wie wild winken. Das ist echt super süß. Aber vor allem die super kleinen Knirpse, die gerade so laufen können, sind ein Bild für Götter. 

Manchmal tragen sogar Vierjährige ihre kleinen Säuglingsgeschwister, schon auf den Rücken gebunden, durch die Gegend.

Mein erster Elefant in freier Natur