8.Tag

Erst waren wir 4 Studenten bisher alle aus Deutschland, jetzt sind wir 7, nächste Woche werden wir 10 sein. Ich bin gespannt, wie es wird mit einem Wasserzugang , einer Ablagefläche, keinem Tisch und 4 Platikstühlen für draußen 🤪.

Gestern Abend kamen noch drei neue Studenten, die mitten in die Nachtruhe, also nach 19 Uhr – da geht man in Malawi ja langsam ins Bett, weil es einfach nach 17 Uhr schon duster wird – eintrudelten und noch nicht wussten, wie unfassbar hellhörig das Haus ist. Man hört jedes Geräusch, echt alles, als ob es in deinem Zimmer ist. Hier ist nichts abgedichtet. Die Neuen sind – ebenso wie wir vor einer Woche – total überfordert von den neuen Eindrücken. Auch sie sind mit Stromausfall und bei Dunkelheit einzogen. 

Der Wecker klingelt heute schon um 6 Uhr.

Zum Frühstück gibt es mal wieder trockenes weißes Toastbrot mit Honig. Die Malawies nebenan haben schon laute afrikanische Musik an und beschallen damit jede Ecke. Sie machen damit super Laune und waschen vor dem Haus ihre Wäsche. 

Im Krankenhaus ist heute Samstag tote Hose, fast alle Ärzte haben frei, ich weiß gar nicht wer da ist. Es gibt nix zu tun – schließlich ist ja Wochenende und die Woche endet am Freitag.

Also folgten wir dem Tipp der Einheimischen im Nationalpark vorbeizuschauen und planten das für dieses Wochenende ein. Wenn wir einmal hier sind, möchten Johanna, die andere Dresdner Studentin und ich auch gerne die Natur, Kultur und Besonderheiten des Landes kennenlernen und erkunden.

Ich erfahre hier jeden Moment, jeden Tag so viel Neues, so viel Unerwartetes, so viel Verrücktes. 

Wir laufen mit gepacktem Rucksack, viel Wasser(!) und etwas Essen wie Kartoffeln und Bananen vor zur Straße. 

Wir halten nach einem Minibus Ausschau – das Fortbewegungsmittel hier in Zomba. Der erste Fahrer ist richtig nett und nimmt uns ein paar hundert Meter mit zur anscheinend richtigen Wartestelle und zeigt mir sogar die richtige Seite. 

Als dann der richtige Minibus ankommt, streckt einer sein Kopf aus dem Fenster und hält Ausschau nach Fahrgästen. Er springt schon aus der Seitentür bevor der Bus richtig hält. Leider versuchen sie hier immer mal wieder uns total abziehen. Wir diskutieren etwas rum und er nimmt uns dann mit. 

Ja der Minibus sieht aus wie ein kleiner VW Bus. Nur in super alt. Ungefähr drei Reihen plus Fahrer vorne, also insgesamt ca. zehn Plätze. 

Die Seitentür ist so marode, dass sie nicht richtig zugeht, die Frontscheibe hat viele Sprünge. Sicher ist schon mal ein riesiger Gegenstand draufgeknallt. Also steigen wir ein – nein wir klettern eher hinein.Die Füße auf einen Reissack, die Beine wegklappen, damit die Tür noch zugeht. Und immer weitere Mitfahrer kommen hinzu. Statt zehn waren am Ende etwa 23 Leute in diesem kleinen Bus. 

Eine Mama mit drei gestapelten Kindern wird komplett an die Scheibe gedrückt, alle sitzen schräg. Sowas wie eine feste Sitzzahl mit Gurten, gibt es natürlich nicht 😂

Kurz vor einer der vielen Polizeikontrollpunkte der Strecke wird eine Frau gebeten schon mal vorzulaufen, diese pickt der Bus dann nach der Kontrolle wieder auf. Dabei verstehe ich nicht so richtig, was bei einem komplett überfüllten Bus diese eine Person für einen Unterschied macht.

Wann immer der Bus hält, strecken Verkäufer Bananen oder Mais durch die Fenster, um sie zu verkaufen. Der Afrikaner vor mir toucht alle einmal an und nimmt dann eins 😜.

Die Strecke nach Lilongwe dauert so ungefähr 1,5 Stunden und hat viiiiele Schlaglöcher. Als wir zwischendrin ein Selfie von uns machen schnauzt mich eine Afrikanerin böse an, weil sie im Hintergrund minimal mit drauf sein könnte. Ich stecke mein Handy resigniert zurück. Als später andere hinter uns sitzen, wollten sie direkt unsere Handynummer haben und fragen uns aus. 

Alles in allem eine ziemlich verrückte Reise. Ich schätze mal, diese Erfahrungen sind es echt wert sich so fortzubewegen, wie die Einheimischen. Man hat Reissäcke unter den Füßen, sieht Hühner bei anderen auf dem Schoß und dazwischen liegen noch die ganzen Taschen und Beutel aller Fahrgäste.

Als wir ankommen wartet schon der bestellte Guide des Parks, der uns aufpickt.

Trotzdem werden wir umgarnt von Afrikanern die uns per Motorrad, Fahrrad oder Auto irgendwo hinbringen wollen oder uns etwas zu essen andrehen wollen. 

Angekommen im Camp beziehen wir eine Schlafmöglichkeit in einem, sagen wir mal Gruppenraum, flicken zuerst das löchrige Mückennetz und genießen dann die Aussicht auf der Plattform. 

Als die Dämmerung einsetzt, kommen nochmal mehr Leute an und man glaubt es kaum, wen ich mitten im Nationalpark in Malawie treffe, einen Schwaben mit Jeep und Reutlinger Kennzeichen 😍. Später lauschen wir seinen Reiseerfahrungen.

Am Abend werden überall Kerzen aufgestellt. Strom gibts wieder nicht, lediglich einige Lichter funktionieren mit Solarstrom. Gekocht wird mit Feuer. Die Räume sind alle offen. 

Wenn man irgendwohin gehen möchte kommen immer Guides und begleiten einen mit der Taschenlampe, denn ….

Wenn man irgendwo hin wollte auf eine Platform kamen immer ein paar Guides und begleiteten dich mit Taschenlampe, denn……

….netterweise erzählen sie uns, man sollte doch immer erstmal den Weg ausleuchten, wo man hin möchte, um rechtzeitig den Elefanten oder Löwen zu sehen, der da gerade frisst. 

Erst dachte ich, es ist ein Witz, dass die Tiere bis mitten ins Camp kommen, soll aber erst letzte Nacht passiert sein. 

Also werde ich doch etwas nervös. Doch wieder eine Grenzerfahrung. Lebensmittel dürfen hier nicht gelagert werden, weil sonst die Affen sich hereinquetschen und alles auseinandernehmen. Zähneputzen und dann vorsichtig um die Ecke schauen. Lieber auch im Bett nicht wissen, was für Tiere da alles rumkrabbelen. Ich bin ja jetzt hier schon ein paar ungebetene Gäste gewohnt, aber so sehr in der Natur wie hier, war ich noch nie. 

Es ist alles offen, wunderschön, mit dem Sternenhimmel bei so milden Tempersturen, aber auch sehr sehr gruselig. 

Ich schüttle die Schuhe ab und springe schnell unters Netz. Ich höre die Mosquitos summen und hoffe alle Löcher sind geflickt. Aber auch viele andere Tiere melden sich. 

Ich hoffe auf die Erfahrung der Guys, ich hoffe auf die Sicherheit des Camps, ich versuche keinen Gedanken durchzuspinnen. 

Wo schon kann man nachts von Tieren aufgespürt werden, liegt quasi unter freiem Himmel nur getrennt durch ein Mosquitonetz mitten in Afrika. 

Ich finde es soooo super gruselig, so super aufregend, so super spannend und bin glücklich das mal zu erleben.