Am liebsten hätte ich heute nichts geschrieben. Der Tag war zwar mal wieder super ereignisreich, aber absolut gar nicht im positiven Sinne.
Gestartet hat es mit einem schönen Moment. Ich wollte nach einem Ring schauen und der Händler an der Straße hatte keine, meinte aber er mache mir einen. Ich lehnte erst ab, weil ich in 20 min los musste. Er meinte na gut,
ok, er beeile sich. Also stimmte ich doch zu. Das schöne daran war, ich wusste nicht was mich erwarten würde, aber alleine dafür zu sehen, wie er arbeite war die Sache schon wert. Er war so beeindruckend zu sehen, wie gekonnt er das machte,. Mit seinem Fuß hielt er das Holz, mit der Klinge nur Millimeter entfernt, sodass ich erstaunt war, dass er wirklich noch beide Beine hatte.
Dadurch dass ich direkt daneben saß, konnte er ihm direkt an meinem Finger schneidern. Es war total cool. Er wollte 1500 kwatscha dafür haben. Ich habe ihm dann 2000, was 2€ entspricht🤫 gegeben, weil er das so toll gemacht hat, sich so Mühe gegeben hat und jeden meiner Wünsche umgesetzt hat. Er strahlte über beide Ohren, als er das Geld von mir bekam und hörte nicht mehr auf sich zu bedanken.
Dann kam noch eine Gruppe Kinder vorbei, die so wild waren, Fotos mit uns zu machen, sie umzingelten uns, machten Highfive und ließen uns gar nicht mehr ziehen.
Mike unserer schon bekannter Fahrer kam und der Struggle begann.
Ich hatte extra alles für den Rücktransport schon vorher über WhatsApp geklärt, dann plötzlich klappte aber nichts wie besprochen. Es sollte teuer sein, da die Tankstellen kein Benzin haben und sie es vom Schwarzmarkt holen müssen. Unserer zweiter Fahrer tauchte nicht auf. Auch der zweite Transfer mit dem Sammelauto lief einfach unrund. Das Auto hatte glaube ich einfach keine Stossdämpfer mehr. Jeden Huckel auf der Straße spürte man wie einen Schlag durch den ganzen Körper. Ich war die einzige, die einen Gurt hatte. Das war aber Zufall. Erstens quetschen sie da so viele rein, bis es nicht mehr geht. Meist versuchen sie da wo wir sitzen keine Leute oben drauf zu stapeln, als Privileg. Yay.
Dann der Umstieg in den Bus. Wir dachten jetzt gehst weiter – aber nein. Wir standen bei 40 grad in der Sonne, gequetscht im Auto, lauter frisch duftende Menschen um einen herum. Eine mit toten Fischen in der Hand und wir fuhren und fuhren nicht los. Das hatten wir noch nie so. Wir hatten echt das Gefühl falsch zu sein, wurden aber extra zu diesem Bus begleitet. Wir wollten auch nicht mehr aussteigen und in den Schatten gehen. Ich wollte ja schließlich los, aber er fuhr nicht. Ständig stiegen Leute ein, aus, brachten Koffer, Hühner und Co, schleppten sie wieder weg, legten Umschläge rein, redeten auf Chechewa und wir verstanden nichts. Es war brechend heiß. Wir tranken nicht so viel weil dann 6 Stunden lang keine Toilette kommt und dachten wir kollabieren bald. Nach 2 Stunden fuhren wir dann endlich los. Ich total erschöpft nach 4 Stunden Gequetsche und noch 4 Stunden vor sich zu haben. Ja Scherz, wir fuhren 100 Meter – drehten um und hielten an der selben Stelle in anderer Richtung wieder an. Und standen. Und standen und standen, mir fielen sogar die Augen zu vor Erschöpfung. Ich hatte nicht mal Platz meine Beine auf den Boden zu stellen.
Nach über einer Stunde ging es weiter, ich war schon so fertig, dass ich mich kaum freuen konnte. Das Essen war schon weg und ich durch.
Wir planten gehen Mittag zurück zu sein. Jetzt war es schon Nachmittag und es lag noch alles vor uns.
Bei Dunkelheit wollten wir auf keinen Fall unterwegs sein und es bewahrheitete sich auch als guten Grund.
Ab dem Moment als es dämmerte und hier wird es ja so extrem schnell dunkel, wurde es saumässig gefährlich. Wir bretterten schier in einen Unfall rein. Zwei Autos und ein Motorrad auf der Straße. Abgesperrt wird da nichts und beleuchtet ist auch nichts. Das eine Auto stand rechts im Baum, das andere links auf der Straße, die Motorrhaube war nicht mehr vorhanden, das Hinterrad des Motorrads steckte in der Frontscheibe. Ich war schockiert.
Dann Überholmanöver von anderen Autos, sodass neben uns ein LKW fuhr und das Auto uns direkt entgegenfuhr. Ausweichen ging wegen dem LKW nicht mehr. Der Fahrer knallte wieder in die Eisen und mit viel Gehupe klappte auch das.
Das war mir aber echt zu viel. Ich fand es einfach zu krass.
Nicht nur das man hier in Malawi keine Gurte hat. Wenn was passiert könnte dir hier auch echt zeitnah niemand helfen.
Ich fühlte mich nicht mehr sicher und hatte Angst.
Dann, man sah nicht viel, die Scheinwerfer waren für die Dunkelheit zu schwach, erahnte man einen Gegenstand auf der Straße. Der Fahrer wollte ausweichen und alle sahen gleichzeitig, was da vor uns war. Ich schrie auf, weil ich dachte wir würden es nicht mehr rechtzeitig schaffen zu bremsen und würden den auf der Straße liegenden Menschen überfahren. Es war ein Fahrradfahrer, der vermutlich einen Unfall gehabt hatte. Seine Lasten waren auf der Straße verteilt, und er lag mitten drauf da. Der Bus hielt nur cm entfernt an. Ich hatte einen Puls von unmessbar. Und erwartete jedem Moment, dass einer hinten in uns reinkrachte.
Am liebsten wär ich raus, aber das wäre noch gefährlicher. Die Leute laufen einfach auf der Straße, fahren dort mit Rädern und sind komplett unbeleuchtet. Auf der einzigen Verkehrsroute, die es da eben gibt. Sogar Autos sind teilweise unbegleitet. Es ist so irre, einfach totaler Wahnsinn.
Ich hielt mich fest, klammerte mich an Johanna und wir beteten heil anzukommen. Das war die schrecklichste Erfahrung, die wir jeh gemacht haben. Ich hatte noch nie so sehr Angst.
Wir waren tierisch froh, als wir endlich Zuhause waren. Wir brauchten lange, um klar zu kommen, was wir erlebt haben und mit ansehen mussten.
Der Tag lief so anders als geplant, so unvorhersehbar, einfach scheußlich.
Erst am Abend zuvor trafen wir einen Deutschen der meinte Afrika spielt euch eh einen Streich, wenn ihr versucht etwas zu planen und er behielt Recht.
Das war keine schöne Erkenntnis.





