24.Tag

Heute hab ich ein kleines Klinikhopping gemacht.
Zuerst ging es in die Labour, die Geburtenstation. Ich untersuchte eine Frau vaginal, die kurz vor der Geburt stand. Da es zur Hirnschwellung des Babys kam und ich auf Nachfrage erfuhr, dass dieser Geburtszustand seit über 3 Stunden anhält, wurden meine Augen riesig. Der zuständige Pfleger meldete die Frau im OP an. Wir wollten ihr noch einen Zugang legen, schließlich war das eine super komplizierte Geburt, in der meines Erachtens echt jeder Moment zählt, für Baby und Mama.
Sie kippten da so ne Art Spiritus drauf zum Desinfizieren. Er meinte, er hätte kein anderes Mittel mehr, deswegen muss es so gehen. Die Frauen sind aber leider meist sehr dreckig und nicht gewaschen. Ich bedarf es für extrem relevant die Injektionsstelle zu reinigen. Ich schritt ein und holte noch was von dem was ich mitgebracht hatte, sodass wenigstens diese Frau eine Iatrogene, also durch Klinikpersonal herbeigeführte Infektion erspart blieb.

Dann war ich noch kurz in der Notaufnahme. Ich hörte, der neu errichtete erste Schockraum sei eingeräumt, war super gespannt und wollte es unbedingt sehen. Joa, hehe, für hier ist es schon echt ne gute Sache. Der Standard ein anderer aber es entwickelt sich langsam.
Auch die Notaufnahme ist anders als man sie kennt, logisch, wen wundert das. Es wird sogar trainiert, im COVID Zelt, welches als solches schon ewig nicht mehr genutzt wird. Schließlich hilft da ja Ingwer auch, da braucht es kein Krankenhaus meinte neulich ein Arzt zu mir… in dem einen Raum der Notaufnahme werden auch nur rote Patienten, also die mit höchster Priorität versorgt. Es gibt etwa 5 gängige Medikamente. Bei einem Schlaganfall gibt es einen Blutverdünner und Physiotherapie im Krankenhaus verschrieben Bei jedem, unabhängig von Verschluss oder Blutung, was bei manchen eine fatale und falsche Behandlung bedeutet. Aber sie haben keine Wahl, Bildgebung wie CT gibt es nicht.
Verlegt werden die Patienten durch Angehörige oder eine uralte ausgemusterte alte RTW Trage zu sein, die hierfür noch bereit steht oder super süß gebaute Rollstühle. Meist werden sie aber von Angehörigen auf Station gebracht.
Und anscheinend kommen die Patienten leider sehr oder zu spät. Die Wege ins KH sind für viele sehr weit, sodass sie den Weg lange herauszögern. Meist wegen der geringen Mittel – mit gravierenden Folgen.

Die deutsche Medizinstudentin aus unserer WG, die da gerade arbeitet ist wegen Personalmangel alleine und soll bei Gelb nicht zuschauen. Sie meinten, sie müssten noch was wegarbeiten und wollen nicht, dass sie als angehende Medizinerin das mitansehen muss. Wie grausig ist bitte das?

Dann noch einen Abstecher auf die under 5, die Ambulanz oder quasi Notaufnahme der Kinder. Hier ist eine in Ausbildung heute zum 1.Mal und komplett auf sich alleine gestellt. Sie schickt super viele Patienten einfach weg – ohne Behandlung. Als ich sie fragte, warum sie Patienten wieder weg schickt, meinte sie, sie wisse nicht, was er hat. Sie sollen also zurück zu dem Health Center und dort nach dem Grund fragen. Ich bin so erschüttert, denn das bedeutet für die Familie eine Tortur. Die Sprachbarriere auf Chichewa lässt mich an den Gespächen eben nun mal gar nicht folgen. Englisch können eben, wie schon oft erwähnt, nur sehr sehr wenige.

Am Nachmittag schlenderten wir nochmal über den Markt, kauften ein und sammelten wieder viele irre Eindrücke.
Aber diesen Geruch von Abgasen, Müll und Staub, ich bin es echt über, das ist unerträglich. Meist kann man nur mit Brille rumlaufen, um nicht zu Tränen, hustet ständig und läuft durch tiefschwarze Wolken die nach Cyanid stinken. Gestern hat es sogar Plastikfetzen geschneit. Wahnsinn!

Auf dem Markt