28.Tag

Heute war Kuchenfreitag und die Interns haben alle zusammen einen Kuchen dafür kaufen wollen. Gebracht haben sie eine Torte. Sah heftig cool aus.
Ich steuerte schwäbische Brezelkräcker und Gummibärchen bei. Sie waren so wild drauf und steckten sich alles in ihre Taschen, wie kleine Kinder.
Eine riss mir sogar die Packung aus der Hand, damit sie da mehr einpacken konnte.
Aber alles in allem ein super netter Haufen – Team Kinderklinik.
Auf Station verteilte ich noch ein paar Kinderspielsachen, Bälle, Bären und was ich halt noch so hatte. Die Kinderaugen waren so groß, die Eltern super dankbar. Die weinenden Kindern konnte man damit trösten oder ein Kleinkind bei der Untersuchung gut ablenken. Das war super schön.
Ich verschenkte noch ein paar Desinfektionsflaschen und die Schwestern waren super dankbar und happy. Wir machten noch ein Abschlussfoto, so zum offiziellen Ende, auch wenn ich in der nächsten Woche nochmal in die Klinik will.
Eigentlich hatten wir die letzten Tage noch etwas Puffer eingeplant, für Erledigungen oder kleine Ausflüge.
Irgendwie fühlt es sich aber auch falsch an hier auf Tourismustour zu gehen. Deswegen hängen wir lieber noch ein paar Tage im Krankenhaus dran und ich werde nochmal im OP arbeiten gehen.

Die Eindrücke hören nicht auf heftig zu sein. Momente die Überfordern, Besprechungen bei denen die Totem aufgezählt werden sind für mich immer noch makaber. Die Zahlen hier unvorstellbar hoch. Die Einflüsse sind erschlagend und meine Kraft langsam aufgebraucht.
Ich bin dankbar für die Zeit hier. Ich bin stolz es zu tun, ich bin trotzdem müde und verbraucht. Es ist sehr sehr anstrengend.

Am Nachmittag schaute ich mir noch die Prison Ward an. Wir durften da einfach reinspazieren und er hat uns die abgeriegelte Station mit den Gefangenen gezeigt. Sah schon irre aus da drin, total verrückt. Aber es gab bisher noch nichts, was uns nicht offen gezeigt wurde. Egal welcher Bereich. Der Officer hatte hinten im Bund der Hose eine Knarre stecken. Das sah auf dem Krankenhausgelände echt komisch aus.

Ich ging noch in die Krankenhausapotheke, nachdem gestern die Apotheken in der Stadt keine Tabletten gegen Billharziose mehr hatten. Ich wollte ich hier mal mein Glück versuchen. Im OP sah ich eine Patientin, die dadurch Blasenkrebs bekommen hatte. Der kann hier leider nie resiziert werden. Sie wird bedauerlicherweise nur Palliativ behandelt. Das ist so traurig, dass ich motiviert war zügig die Tabletten dagegen zu besorgen. Und ich hatte Glück! Ich brachte Johanna direkt auch gleich eine Dosis mit. Somit konnten wir eine Sorge eindämmen – müssen aber noch ein paar Wochen mit der Einnahme warten. Die Würmchen müssen ja erstmal schlüpfen, bevor sie sich im Körper ausbreiten können und man sie aktiv bekämpfen kann.

Am Abend spazierten wir nochmal über den Markt. Plötzlich sah ich einen Menschen auf die Ladefläche eines Trucks fliegen. Vier oder fünf Officer der Armee sprangen hinterher mit Gewehren ausgestattet und knieten ihn nieder. Es sprangen noch ein paar mehr Leute in Zivil dazu und der Wagen fuhr weg. Eine riesen Aufruhr, unglaubliche Menschenmengen, die das Ganze beobachteten. Wir, zufällig mitten dabei, blieben ganz geschockt stehen. Wir schüttelten den Kopf über das Unglaubliche, was wir eben sahen.

Auf dem Weg an der Kirche vorbei traf ich mich mit einer Schülerin, die ich schon eine Woche zuvor dort getroffen hatte. Ihre Freundin flechtet Haare und sucht immer Leite dafür. Sie machte mir lange rote Zöpfe und erzählte mir dabei wie ihre Abschlussprüfungen heute verlaufen sind. Sie möchte unbedingt Medizin studieren, wie wir. Das war so süß. War eine so süße Maus, die sich riesig freute mir die Haare dafür machen zu können. Sie war ganz stolz und winkte allen, die vorbei liefen und machte freudig Fotos mit meine roten Haaren.
Ich sah aber etwas wild danach aus. Gut, dass sie doch Medizin machen möchte und nicht Friseur.