29.Tag

Heute machten wir uns auf zu einem Tagesausflug nach Mangochi. Johanna und ich dachten, es sei nicht ganz so weit. Also zeitlich gut machbar und so könnten wir nochmal einen Blick auf die Spitze des Malawisees erhaschen.
Die Fahrt mit dem Minibus dorthin war allerdings wirklich furchtbar.
Wir zahlten wie gewohnt zu Beginn die komplette Strecke, auch wenn man nicht alles im selben Minibus fährt. Doch der Fahrer war wohl nicht so zufrieden mit dem Betrag, den er uns abgeknöpft hat. Deshalb hat er dem nächsten Busfahrer wohl erzählt, wir wollen nur die halbe Strecke fahren. Dieser warf uns dann raus und meinte aber für Eintausend können wir bis Mangochi kommen. Nochmal zahlen ist eigentlich ungewöhnlich. Ja zu recht. Natürlich wollten sie keine 1000, sondern 5000 und diskutierten hart mit uns und das bei brennenden Temperaturen. Um uns herum bildete sich eine riesen Menschentraube. Alle schrien und donnerten auf uns ein. Sie schrien sich auch gegenseitig an. Jeder meinte, uns den besten Rat zu geben mit welchem Bus wir fahren sollten. Sie wollten vermitteln, sie zerrten an uns, meine Ohren fielen fast ab so schrien sie 10 cm vor mir rum. Wir wurden von Bus zu Bus geschupst, wussten nicht mehr wem man zuhören soll, wem folgen. Und zahlten absolute Wucherpreise, um endlich wegzukommen. Der eine entschuldigte sich sogar dafür, was mit uns bei der Fahrt passiert sei und dass wir abgezogen wurden. Bisher waren wir auch echt überrascht gewesen, wie gut das immer geklappt hat, mit dem Weiterreisen in verschiedenen Bussen. Aber das heute war wirklich heftig. Emotional und körperlich war ich am Ende. Stunden gequetscht, den Kopf nicht gerade halten könnend, ein Bein auf einem Sack, drei Taschen und Säcke auf mir drauf, neben mir die nächste Person, hinter mir Hände im Kreuz, vor mir eine harte Stange im Knie, und bei jedem Bremsen flog man nach vorne.
Haha, ein Kind hatte eine geschlossene Plastiktüte dabei, die aber Töne von sich gab. An der Spitze war ein Loch und ein Hühnerschnabel schnatterte durch.
Bei jedem Halt klopfen Kinder mit Waren an die Fenster und wollen Bananen, Samosas oder Mais verkaufen… der Bus wird immer umschart, innen platzt er schier, außen so viele Menschen. Es ist echt immer krasse Aufruhr.
Ich war so unfassbar geschafft, als wir ankamen, dass ich fix und alle mit brummendem Schädel im Sitzen einschlief.

Aber der Blick auf den See war gigantisch.
Es fühlt sich trotzdem falsch an, das gemießen zu dürfen. Wieder unfassbar viele arme Menschen, die einen anschauen, betteln und man sich dabei schlecht fühlt. Auch hier viele Leute, die was verkaufen wollen und möchten, dass du dir ihre Sachen anschaust. Richtig ruhig ist es nie. Mal einen Moment komplette Stille, Besinnlichkeit, Nachdenken, Runterkommen, Ankommen, Sicher sein. Illusion.
Die Armut im Dorf ist hier nochmal heftiger. Die Hütten unvorstellbar provisorisch.

Heute ist es so unfassbar heiß, man kann sogar im Schatten einen Sonnenstich zu bekommen. Und trotzdem wird es abends bitterkalt.
Jetzt ist es 18.00 Uhr und ich sehe nur noch mit Taschenlampe 🔦
Ich habe mir angewöhnt früh ins Bett zugehen, so dass ich ab 19/20 Uhr echt bettreif bin. Manchmal wache ich sogar vom Malerone Wecker auf, der mich an die tägliche Antibiotikaeinnahme erinnern soll.