16.Tag

Heute Nacht war eine Luxusnacht. Das Mückennetz war über unsere zwei Betten gespannt, wodurch man richtig Platz hatte und es nicht so schlimm war, dass die Betten in Afrika so kurz sind. Eigentlich makaber, dass das daran liegt, dass die Menschen hier nicht richtig gedeihen wegen dem wenigen Essen. In Deutschland sind die Ärzte eigentlich immer größer und ich brauche einen Podest im Op. Hier stellen sie einem den OP Tisch extra höher ein, damit ich meine bequeme Arbeitshöhe erreiche, unglaublich.
Auf jeden Fall konnte ich mich heute schräg im Bett ausbreiten und das war Luxus.
Zum Frühstück gab es heißen Tee, auch eine Rarität und absolut geschätzt.
Dann ging es los zu einer Insel, Teil des Nationalparks vom Malawisee.
Das Wasser hier ist so super klar, wie ich es noch nie irgendwo gesehen habe,hier schwimmen tiefblaue wunderschöne Fische, an flacheren Stellen kann man bis zum Grund sehen und es glitzert Gold. Unfassbar schön. Die Hüter des Nationalparks, die dann noch vorbei kamen um Eintritt zu verlangen, waren richtig nette Leute. Sie gaben uns noch Tipps für einen guten Weg und für den Umgang mit den Fahrern. Sie erklärten mir auch auf Nachfrage, dass das Goldige im Meer daher kam, dass der Nordwind den Boden aufwühlt und dies zum Vorschein bringt. So eine Schönheit hab ich noch nie gesehen.
Anscheinend ist der See so groß wie die Schweiz. Das kann man sich gar nicht vorstellen.
Ein paar Inseln kann man sehen, es ist bezaubernd.
Gekocht wurde auf der Insel mit Feuer. Ich probierte den absolut bekannten, hier gefischten Fisch. Es war etwas ganz Besonderes und tat so gut richtig satt zu werden, warm und gut zu essen. Und nicht nur Nsima und Bohnen….

Zurück liefen wir noch die lokale Straße, naja der einzige Weg zwischen den zwei Hüttenreihen, ab und schauten uns die lokalen Stände an. Es gab oft dasselbe oder ähnliches. Manche sprachen uns wirklich zu aufdringlich an und bedrängten uns sehr.
Sie sind hier schon sehr in Not.
Mit einem wollte ich dann um einen sehr fairen Preis handeln. Er meinte doch tatsächlich, gib mir einfach was du kannst. Ich nehme egal was du zahlst, Hauptsache ich bekomme Geld, ich brauche es so sehr. Das zerbrach mir mein Herz. Das ist richtig heftig und schwer zu ertragen. Hier sind alle so arm, hier ist es normal. Durch Corona kamen hier, als den Touristen Hotspot, wohl sehr lange keine mehr her und die Locals sind hier schon sehr drauf angewiesen.
Zu sehen, wie sie drum kämpfen, Sachen zu verkaufen ist hart und ich kann ja schlecht hier alle Menschen unterstützen.
Trotzdem kaufte ich ein paar Kleinigkeiten, ein Junge betete aus Dankbarkeit, dass ich für umgerechnet einen Euro bei ihm gekauft hatte. Wir können uns glaube ich nicht vorstellen, was bei denen hier abgeht.
Am Ende des Tages konnten wir doch bestimmt ein paar Leute sehr glücklich machen. Wir besuchten die einheimische neue Bar, also einen Tresen mit Getränken. Wir machten Fotos mit Kindern, die so wild darauf waren, diese danach auf dem Handy anschauen zu können. Mit drei Kindern saßen wir so lange da. Sie waren unfassbar süß und total goldig. Ich holte drei Werters Original raus und fragte sie ob sie was Süßes haben wollten. Sie stürzten sich darauf, als sei es Gold. Ich sagte Moment, es ist für jeden eins. Sie sprangen vor Freude im Kreis und durch die Luft und wedelten ganz stolz damit, es war wirklich göttlich, sie so zum Strahlen gebracht zu haben.
Später am Abend schlichen aber auch Kinder hinter Steinen hervor und bettelten ganz unangenehm nach Geld. Auch das haben wir oft ansehen müssen.
Am Wasser waren viele Einheimischen, sie wuschen Geschirr, Essen und sich selbst am Wasser. Es sah total krass aus, unglaublich, nichts mit Sanitäranlagen oder Küchen.
Der Sonnenuntergang geht hier so so schnell. Es geht etwa um 17.45 Uhr los. Ich habe hier echt kein Zeitgefühl mehr, aber man sieht den roten Feuerball komplett, dann kann man echt bis 5 zählen und ist er weg.
Die Stimmung am Wasser ist da echt klasse und einmalig!