27.Tag

Heute bin ich wieder im OP gewesen. Ich habe den Arzt von gestern wiedergetroffen. Immerhin her er mich erkannt, ich ihn nicht sofort. Viel zu viele neue Gesichter weiterhin. Mit Maske oder ohne, in OP Outfit oder in Privatkleidung und dann alle nicht europäisch aussehend, da kann man schon mal durcheinander kommen.
Ich habe heute nicht ganz so aktiv gearbeitet, wie ich wollte, aber deutlich mehr als zu wenig.
In einem OP war dann weder ein Anästhesist noch eine OP Schwester. Diese kam dann auf mich zu und meinte, kannst du die Anästhesie abschließen, wenn die OP fertig ist, geht das? Ich hab gelacht und es gerne gemacht. Fand auch keiner komisch.
Bei der nächsten habe ich dann wieder die Spinale gelegt, als Anästhesie vor einer Sectio, einem Kaiserschnitt.
Als ich beim nächsten Patienten schon mit Nadel steril dastand und gerade loslegen wollte, hies es, gib das ab und mach dich fertig als 1.Assistenz bei der Sectio zu operieren. Wow, welche Ehre, was für eine besondere Möglichkeit und super Chance. Den spinalem Block hätte ich auch echt gerne gelegt, deswegen gönnte ich mir ein kurzes Zögern und sagte dann natürlich zu.
Erstmal musste ich mich durchfragen, woher ich so meine Ausstattung holte. Ich besorgte mir meinen Metzgerkittel, der bei mir am Boden streifte und wusch meine Hände mit Wasser und Seife. Dann werden diese abgetrocknet und man kann sich die sterilen Sachen nehmen, nur dass man halt dann nicht wirklich steril ist, aber gut.
Dann zieht man zwei paar Handschuhe an, diese gibt es aber nur in einer Größe, also zu groß. So ein paar lommelt schon heftig rum.
Über den Metzgerkittel kommt noch ein autoklavierter Kittel mit mehr oder weniger Verschlussmöglichkeiten.
Die Patientin wird abgewaschen und abgedeckt.
Als ich versuchte die spezielle Falttechnik des Operateurs zu duplizieren, faltete ich wohl das Tuch falsch. Auf jeden Fall war er super genervt und meinte, hättest du mal aktiver zugeschaut, wie das geht. Schande und du hilfst mir jetzt, danke auch. Haha, super, typisch Chirurgen, schön gleich mal stänkern und einem gar keine Chance geben. Naja ich gab mein Bestes. Jeder fängt mal an und immerhin hab ich das Kind nicht runtergeworfen! Ich hab die Atemwege adäquat versorgt und abgeklemmt, er hätte es sicher noch viel besser gemacht aber das hatte ich so sicher drauf, dass er es mir nicht abnehmen konnte 😅
Naja den Rest der OP betonte er, wie toll das ist, dass die OP Schwester jeden Schritt hervorsehen kann. Danke auch nochmal für die Anspielung, sie macht das bestimmt auch zum ersten Mal in Malawi.
Naja ab dann war ich so genervt, dass ich gesagt habe, was ich weiß wie man in Deutschland die OP weiterführt und daraufhin meckerte er immerhin nicht mehr rum. Eigentlich wollte ich mich nicht rechtfertigen, ist ja klar dass man erstmal reinkommen muss.
Die OP verlief ja nicht schlecht und das trotz Komplikationen von vorzeitiger Plazentalösung und riesigen Uterusmyomen.
Trotzdem fand ich es nicht so befriedigend, wie es menschlich ablief.
Aber interessant, dass wohl überall die Chirurgen ein besonderes Klientel sind, das nicht so super motivierend rüberkommt.
Als ich dann runterschaute war ich komplett mit Blut überströmt. War froh, dass der Kittel bis über meine Schuhe ging, sonst wären meine Socken getränkt gewesen. Kein Wunder, dass die Gummistiefel anhaben. Da stand ich mit meinen OP Clocks etwas direkter in den Flüssigkeiten. Ich musste erstmal alles vorsichtig von mir los werden. Eine süße OP Schwester holte mir ein Fussbad und wusch mir die Schuhe ab. Richtig lustig.

Am Nachmittag versuchten wir noch in der Apotheke Praziquantel gegen Billharziose aufzutreiben, wir haben vier Apotheken abgeklappert, keiner hatte es da. Morgen versuchen wir es mal in der Klinikapotheke.
Auch Cholera ist gerade ein riesiges Problem. Morgen gibt es eine außerordentliche Versammlung und Besprechung mit Breefing zur Früherkennung, Diagnostik und Behandlung, weil sich immer mehr Fälle vorstellen und es zu einer Endemie in Zomba oder sogar in ganz Malawi gekommen ist. Immer mehr Fälle, in super kurzer Zeit. Das kann noch was werden.

Ah und kleiner Schwenk zu dem Desinfektionsmittel, das ich ja manchmal wirklich Stationsgenau abgebe. Heute habe ich erfahren, dass es genug im Krankenhaus gibt. Es gibt ein Lager, aus dem man dieses bestellen kann. Das macht nur niemand. Es wird einfach gesagt, es ist aus, nicht verfügbar und dann wird der Zustand einfach hingenommen. Man müsste nur einen Zettel, eine Art Formular ausfüllen, in dem es zur Station bestellt wird. Ja genau, müsste. Ich glaube es echt nicht. Wie irre.
Auch im OP gab es nur noch Spiritus zur Desinfektion in alten Seifenspendern. Das sieht alles so irre aus.