4.Tag

Da die Ärzte auf der Kinderstation am Nachmittag meinten, nicht mehr viel Arbeit zu haben, bin ich mit auf die Innere der Erwachsenen gegangen. 

Ich hatte Glück, dass mein Patient englisch konnte, so konnte man einfach fragen was für die Anamnese wichtig war und Untersuchungen ankündigen und besprechen. Trotz alledem ist es gar nicht so einfach zu wissen, wie die ganzen Untersuchungen auf Englisch bezeichnet werden, viele Begriffe sind neu, Schwerpunkte anders und die Möglichkeiten begrenzt. 

Grundsätzlich habe ich den Eindruck, ist die Medizin um einiges eingeschränkter ist, als in Deutschland, ebenso die fachliche Betreuung und Beurteilung. 

Auch in den Besprechungen läuft es meist oberflächlich ab, was man soweit verstehen kann, da viele Untersuchungen, Diagnostik und Therapien hier einfach nicht zur Verfügung stehen.

Sich so einfach zu halten ist ungewohnt. Und ich befürchte, dass durch eingeschränkteres Wissen und Therapien auch schneller auf wenige Krankheitsbilder eingeschränkt wird. 

Absoluter Standart ist ein Malariatest bei jedem Patienten. Es ist hier so unglaublich verbreitet und ein gutes Mittel, noch vor schweren Verläufen einzuschreiten.

Wie ich schon sagte, genügt die Hygiene nach meinem Empfinden nicht. Ich bin die einzige, die sich nach Patientenkontakt die Hände desinfiziert. Materialien werden grundsätzlich ohne Reinigung am nächsten Patienten wieder angewendet. 

Auch im Krankenhaus ist der Geruch sehr speziell. Auf den Betten und an den Wänden laufen Käfer. Müll muss nicht in Klinikmüll und Restmüll getrennt werden, denn hier wird eh alles verbrannt. 

Wenn man nach Hause kommt, ob kurz über Mittag oder nach Dienstende, ist es ein großes Glück Strom zu haben, fast immer ist er aber weg. 

D.h. kein Kochen möglich, kein Licht, keine Endgeräte ladbar. 

Das mit dem Essen ist gar nicht so einfach, denn da generell ohne Kühlschrank, kann nichts gelagert werden, Milchprodukte sind sowieso unüblich und haltbare kalte Nahrungsmittel für ein ausgewogenes Essen haben wir noch nicht richtig gefunden. 

Meist gibt es ungetostetes Toastbrot mit Honig oder 🥑 Guacamole. Aufstriche gibt es keine, von Rohkost die man nicht schälen kann, müssen wir die Finger von lassen. 

Also duscht man ohne Strom im Dunkeln mit Taschenlampe, braucht meist eh nicht lange weil es so unfassbar kalt ist. Hier wäscht man in einem Eimer, der für alles da ist, dann auch die Klamotten. Das ist echt unglaublich anstrengend und dauert länger als man denkt. Waschen sollte man früh, so dass es Tags über trocknet, denn die Aufhängungsmöglichkeiten sind beschränkt. Wir leben aus dem Koffer. 

Weil es ab etwa 17.30 Uhr kuhnacht ist, beschränkt man sich auf das Wichtigste und geht meist früh schlafen, außer man setzt sich noch bei Kerzenschein vors Haus. 

Heute Abend wurden wir von Einheimischen an unserer Unterkunft zum Essen anlässlich eines Geburtstages eingeladen. Wir sollten etwas typisch deutsches mitbringen, der angekünigte Kartoffelsalat wurde nur leider nichts, da nach dem Ansetzen der Strom ausfiel und wir bis zum Abend keinen mehr hatten. Also wurde Guacamole improvisiert und wir wurden mit Reis, Nsima und Hühnchen sowie Würstchen empfangen. 

Vor dem Essen geht der Sohn mit einem Bottich herum und lässt dich die Hände waschen. 

Als Vegetarier hat sich mein Essen auf Reis und das erstmalige Kosten von Nsima mit Avocado beschränkt. 

Nsima schmeckt wirklich sehr speziell, und zwar nach absolut nichts in Puddingform. 

Danach hat sich mein Magen leider gedreht und ich hatte eine leidende Nacht. 

Innere Station, Schwestern sehen hier super schick aus 🙂