Erster Tag im Krankenhaus.
Die Arbeitsklamotten werden für gewöhnlich schon Zuhause angezogen. Beim Frühstück vor der Tür laufen die Nurses schon los, sie sehen unheimlich adrett aus. Da sehen wir Studenten in unseren Kasacks aus wie noch im Schlafanzug.
Der Weg zur Klinik geht über einen Fluss, seit heute ist die kleine Brücke fertig, bis dato lagen nur zwei Baumstämme zur Überquerung da.
Das Klinikgelände ist schwer zu erkennen. Nicht charakteristisch, sondern sehr ähnlich wie die typischen anderen Gebäude hier auch. Viele einzelstehende Gebäude, alles recht offen gebaut. Zuvor muss man ein Schulgelände und einen angrenzenden Wohnheimsbereich mit kochenden und waschenden Menschen und Wäscheleinen durchqueren.
Die Klinik ist größer als gedacht und es ist gar nicht so einfach bei den gleich aussehenden Eingängen (eigentlich alles offen, ohne Fenster) sich nicht ständig zu verlaufen.
Auf der Kinderstation angekommen zeigt mir die Studentin vor Ort schon mal die drei Abteilungen. Wir schauen uns die ganz lütten Babys an. Uns bemerkt keiner und es sagt auch niemand was, dass man da einfach reinspaziert. Schließlich kannte mich bis dato noch niemand.
Dann haben wir uns bei der Morgenbesprechung eingefunden.
Die zuständigen Ärzte, hier sind es eher Arzthelfer, berichten über die Fälle. Sie nuscheln so leise und reden so schlechtes Englisch vermischt mit Chechewa, dass ich fast nichts verstehe. Ich stelle mich vor, verstehe wieder nichts und schließe mich einfach einer Gruppe an, die zur Station geht. Auch hier wird wieder viel zu mir gesagt, als ich mich vorstelle. Es ist so unheimlich schwer ihre Wörter zu verstehen oder die Aussprache zu deuten, da sie auch noch leise reden.
Wir machten Visite bei den kleinen Mädchen. Diese liegen etwas erhöht mit ihrer Mama auf einem Holzplatea. Jede muss ihre Unterlage und Decken selbst mitbringen, sie warten dann darauf, dass sich jemand kümmert. Sie sind unheimlich geduldig und können fast alle kein Englisch. D.h. Visite ist nur zusammen mit Einheimischen möglich. Vitalparameter können leider fast nicht erhoben werden, da das einzige Gerät entweder nicht geht oder die Batterie leer ist. Manuelle Blutdruck Manschetten gibt es nicht. Körperliche Untersuchungen werden meist eingespart, es wird auf die Anamnese der Eltern gehört. Wenn etwas nicht geht, wird es belassen, meist sucht man nicht nach Lösungen, sondern nimmt es einfach so hin.
Oft haben die Patienten Sepsis, Pneumonie oder Malaria. Jedes Kind bekommt dann grundsätzlich Antibiotika und auch bei Weichteildiagnostik ein Röntgen.
Bis eine Anordnung geschrieben wird (alles händisch, was das Entziffern sehr schwer macht) dauert es schon manchmal zwei Tage. Angemeldet wird zu Fuß, d.h. man läuft in die Radiologie und meldet den Patient selbst an, Telefone werden nicht benutzt.
Die effektive Arbeitszeit ist für mein Empfinden extrem kurz, und sie arbeiten seeeeeeehr gemütlich. Dass sie sich auch mal ne halbe Stunde auf eine Bank setzen ist schon normal. Mittagspause ist heilig, da werden die Untersuchungen halt auch mal auf den nächsten Tag verschoben.
Grundsätzlich kommen die Angehörigen der Kinder nie alleine, sie reisen teilweise von weit an, kommen aus anderen Landesabschnitten, um hier eine medizinische Versorgung zu bekommen. Sie bringen nicht nur alles mit, sondern müssen sich vor Ort auch komplett selbst versorgen. Wenn man morgens ankommt, sitzen sie auf dem Boden vor dem Kindergebäude, mittags kochen sie auf der Wiese hinter dem Gebäude und bringen dann das Essen rein, sodass Mutter und Angehörige versorgt werden. Es liegt dann auch mal ein Kohl auf dem Patientenbett oder man stolpert über Wasserkanister und Töpfe der Angehörigen.
Patienten und Angehörige tragen häufig lange Röcke und wickeln ihre Kinder mit Tüchern um sich rum. Sie tragen dazu meist Ballerinas oder gehen Barfuß. Gegessen wird immer mit den Händen. Absolut traditionell ist Nsima = Reisbrei, häufig wird auch Reis gegessen.





