26.Tag

Zur Morgenbesprechung war heute ein neuer Arzt da, er sprach noch undeutlicher, als viele andere. Der Slang, wie sie oft englische Wörter betonen ist – sagen wir – schwierig. Selbst einfachste Wörter wie Typhus kann man einfach nicht verstehen.
Plötzlich ging dann es um mich. Ich bekam es sofort mit und wurde hellhörig. Sie sprachen über die Weiße, die ewig ein Kind manuell beamtetet hat, obwohl alle sagten, es reiche, sie könne es lassen. Ich dachte, jetzt gibt es vielleicht einen auf den Löffel, Es hätte mich nicht gewundert. Aber ich musste für meine Überzeugung einstehen, denn ich mir konnte mir in dem Fall keinen medizinischen Grund vorstellen, der gegen meine Weiterversorgung des Babys sprach. Warum sollte man einem Kind einen so einen einfachen Support, wie eine Atemunterstützung, verweigern, wenn es dadurch sterben könnte?
Ich hab es nicht ganz mitbekommen, ob sie jetzt ironisch sprachen oder nicht. Nach dem Meeting sprach ich die Ärztin diesbezüglich nochmal an. Ich war wirklich überrascht, als sie mir erklärte, dass der Fall hätte die Runde gemacht hätte, wobei eine Deutsche gegen das gängige Verfahren handelte. Jedoch das Kind lebe, sei vital und agil und heute entlassen worden. Ich war voller Emotionen – freudig und traurig!
Auf mein Bauchgefühl gehört zu haben, war wirklich das absolut Richtige gewesen. Ich war unendlich froh, erleichtert und stolz. Klingt es jetzt arg abgehoben, wenn ich mir sage, bämmmmmmm du hast diesem Baby wirklich tatsächlich sein Leben gerettet!?!
Ich nehme da viel draus mit, aber auch, dass man hier echt aufpassen muss. Schließlich ist das hier Afrika und nicht Deutschland. Man kann einfach nicht alles tun, was man Zuhause kann. Aber ich nehme auch mit, dass man nicht in den Sumpf von Medizin einsinken darf, nur weil die Mittel begrenzt sind. Es sind schließlich Leben für die man verantwortlich ist. Da sollten nicht einfach Ausreden gefunden werden, um nichts zu tun.
Ich hoffe, dass auch die anderen, die beim Report heute dabei waren, etwas für sich mitnehmen. Eine Entwicklung wäre wirklich schön!

Heute war ich dann in der Ultraschallsprechstunde mit pränatal gefährdeten Babys. Das Retro Ultraschallgerät kam zum Einsatz – solange eben Strom da war.
Ein Arzt machte sich über mich lustig, ob wir überhaupt als Deutsche ein Fetoskop kennen würden. Wir würden ja nur so Hightech Zeug wie Dopplersonografie nutzen, um den fetalen Herzschlag zu beurteilen, anstatt einfach nur unser Ohr an den Bauch der Patientin zu halten. Aber so gut kannte er Deutschland wohl doch nicht 😜
Heute wurden die Kinder nach Größe beurteilt. Die meisten Frauen kannten den Zeitpunkt ihrer letzten Periode nicht, so dass zur Berechnung des Geburtstermins erstmal beurteilt werden musste, wie weit die Frauen waren und ob eventuell eine fetale Entwicklungsverzögerung vorlag.

Eine Frau war erst 17. Eine 23 mit 2.Kind und schon zum zweiten Mal verheiratet.
Ein Clinition kam rein und fragte wie alt ich sei. Er war dann wirklich überrascht, als ich ihm sagte, das sehr viele Frauen in Deutschland erst deutlich später gebären.

Als ich noch kurz über die Kreissäle schlenderte – also der Raum mit den vier trageähnlichen Gebilden, die von einer Plastikfolie bedeckt sind, auf der die Frauen nackt liegen und gebären, durch nichts getrennt und frei sichtbar, vom Rest der Station nur durch einen Vorhand getrennt, bekam ich mit, wie eine Frau zum Kaiserschnitt verlegt werden sollte. Und das nur, weil es gerade keine Hebamme gab, die sie für den Fall einer kindlichen oder mütterlichen Gefährdung kontinuierlich überwachen konnte. Aktuell waren beide stabil und sie befand sich auch in einem kontinuierlichen, progredienten Geburtsprozess. Außer Personalmangel sah ich keine Risikofaktoren. Trotzdem entschied sich der zuständige Arzt, die Verantwortung nicht zu übernehmen und schickte sie lieber ohne Indikation in den OP. Das finde ich schon echt traurig. 😔

In der WG sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Leute richtig krank. Heute waren gleich drei komplett zu Hause geblieben. Eine hat eine Infektion, vier haben sich gestern beim Essen wohl eine Lebensmittelvergiftung zugezogen. Da bin ich mit ab und zu ein bisschen Kopf- und Bauchschmerzen wirklich richtig froh.

Jetzt rückt die Zeit schneller voran und ich denke immer mehr an das Ende der Zeit hier in Afrika. Was man erlebt hat, was man noch unbedingt erleben will, wo man noch hin möchte.
Ich habe mir schon paar Bereiche in der Klinik überlegt, die mitgebrachte medizinische Güter am dringendsten benötigen. Diese möchte ich die Tage noch alle verteilen.
Heute hab ich der Geburtenstation Handschuhe mitgebracht. Als ob ich geahnt hätte, dass gerade die heute leer waren. Kommt wohl schon vor, dass die Vorräte hier einfach ausgehen und die nächste Lieferung noch etwas dauert. Ist scheinbar auch nicht sonderlich schlimm. Ich finde schon!
Aber auf anderen Stationen ist oft noch was vorhanden, aber die reden nicht untereinander. Wir Studenten schaffen oft etwas von A nach B und alle sind tierisch überrascht, wie wir da jetzt rankamen.

Oft werden hier Materialien an Orten gelagert, wo sie keiner braucht. Und umgekehrt fehlen sie dann.

25.Tag

Die große Frühbesprechung aller Ärzte fiel heute aus, weil…aufgepasst, der Vortrag nicht fertig war…ahhhhja. Naja dann konnte ich ja direkt auf Station gehen. Dort angekommen assistierte ich erst bei einer Geburt und machte dann mit einem Entbindungpfleger eine gemeinsam. Er wollte, dass ich sie mache und stand mir dabei unterstützend zur Seite. Es war ultimativ toll, so viel Hands on zu machen, und nicht nur zuzuschauen, wie sie es machen. Ich hoffe zurück in Deutschland schütteln nicht alle die Köpfe, wie ich dann arbeite, denn hier kritisiert eigentlich niemand etwas. In Deutschland ist es ja schon relevant, wie du da stehst und wo du deine Hände beim Warten hast. Hier kommt es eher darauf an, dass du deine Skills beherrscht und das Ergebnis grob passt. Ein wie interessiert hier niemand.
Am ersten Tag bei der Einführung habe ich noch gesehen, wie die Frauen vor der Untersuchung desinfiziert wurden, um Infektionen zu vermeiden. Jetzt machte das niemand mehr, ich bin verwirrt. Es hieß, es gibt gerade kein Desi mehr. Heftig. Ich brachte nochmal ein paar Flaschen mit, das Personal stürmte drauf, alle wollten sich endlich mal die Hände desinfizieren – einfach so, als wäre es ein wahnsinns Gewinn das einmalig zu tun. Nicht dass die Patienten davon einen Vorteil hätten aber immerhin hatten die Hebammen einmalig saubere Hände.
Mit denen sie nämlich sonst auch im selben Zimmer essen und untersuchen. Waschen tun sie sie zwar, aber mein Empfinden ist da echt anders.
Als nächstes sollte ich noch eine Frau aufnehmen. Es ist so schwer sie zu untersuchen, ohne ihr sagen zu können bitte flach hinlegen. Oder sie kann mir nicht sagen, ich bekomme eine Wehe, sondern ich merke es erst, wenn ich ihr Gesicht anschaue. Die Frauen hier sind, oder müssen, super taff sein, das ist wirklich Wahnsinn. Richtig krass, wie still sie vor sich hinleiden und alles mitmachen was passiert. Ok, ich würde die Kritik auch nicht verstehen, aber ich sehe ja, wie es hier läuft und bin wirklich erstaunt, wie kraftvoll sie hier sind,
Nach der Geburt hat Max die Plastikfolie unter ihnen weggezogen. Aber sauber machen und anziehen machen die Frauen sofort selbst und stehen direkt auf. Von den Hebammen gibt es nicht mal eine Hand. Wenn ein Bein falsch liegt, wird es einfach manipuliert bis es so ist, wie sie es haben wollen. Das ist mir schon zu wenig patientenorientiert und wenig emphatisch. Hier kräht der Hahn anders.
Naja Nina und ihre Untersuchung 😂. So oft habe ich das auch noch nicht gemacht. Genau einmal und zwar gestern.
Ich sollte einschätzen, ob die Frau natürlich gebären kann und wie weit sie ist.
Ich holte mit ein Backup, der meine Ersteinschätzung überprüfen sollte und mich weiter anleiten konnte.
Haha ja, was ich im ersten Moment als Kopf einschätze war dann doch die Fruchtblase. Fail. Aber das werde ich mir echt merken.Es ist auch eine besondere Erfahrung alles nur mit 2 Fingern anhand Konsistenz, Verschieblichkeit und Form einzuschätzen. Das lernt man in keinem Lehrbuch, sondern man muss üben üben üben und das kann man hier wirklich, bzw. muss es. Und das ist eine gigantische Lernchance. Ich wiederhole mich, wenn ich sage, zu Hause an den Klinken darf man viel zu lange nicht selbst Hand anlegen. Man müsste da viel mehr machen.
Ich merke ja schon, wie unfassbar ich mich innerhalb eines Tages entwickle.
Mein Geburtshelfer war gerade mit einer Totgeburt in Steißlage beschäftigt und meinte, ich solle mal rüber kommen. Er glaube, ich sei soweit und soll schauen, dass ich für eine andere anstehende Geburt vorbereitet bin. Er komme dann wieder oder schicke jemand, wenn ich Hilfe bräuchte.
Haha ja, ich schmiss mir schnell mein Material zurecht und bat eine Schwester mir noch schnell Tücher zu holen. Alles klappte problemlos. Ich versorgte das Baby, stimulierte es zum Atmen, und legte es der Mutter auf dem Bauch, die Plazenta machte etwas Ärger. Ich holte jemand zur Sicherheit her, aber er bestärkte mich nur, dass es so passt. Joa, das war meine erste ganz eigene Geburt, hehe, Hammer krasses Gefühl. Dann suchte ich nach Geburtsverletzungen und lies mir Nähzeug geben. Ich habe noch nie vaginal genäht. Nur zugeschaut. Das war eine Herausforderung, Licht gab es keins. Sterile Verhältnisse auch nicht und die Handschuhe der Station waren fünf Nummern zu groß. Ich brachte zwar immer wieder welche mit, aber das Krankenhaus ist doch größer als mein Koffer.
Ich tat wirklich mein Allerbestes. In der Notaufnahme in Dresden hatte ich schon andere Wunden genäht, deswegen beherrschte ich allgemeine Skills, aber intravaginal ist ne andere Hausnummer, ich kam wirklich ins Schwitzen,
Auf meinen eindringlichen Wunsch schaute nochmal einer mit drüber und ich konnte meine Fragen noch klären. Er zeigte mir auch nochmal paar Handgriffe in ausgefeilter Weise. Das war super cool. Ich erlebte so so so viel. Bestimmt war es nicht annähernd perfekt, aber absolut gut und ausreichend und ich schätze ich entwickle mich so echt schnell.
Ich bin wissbegierig und aktiv und möchte so gerne anpacken, helfen, mich einbringen. Ich bin froh wenn wir manchmal durch Handschuhe oder Desinfektion wenigstens einen Schwung an Patienten etwas besser versorgen können.
Ich war stolz so mutig gewesen zu sein und stand im Geburtenbuch zum ersten Mal in meinem Leben als Verantwortliche.
Haha die Oma des Kindes kam ganz stolz, dass ihre Tochter durch eine Weise gebären konnte. Sie strahlte über beide Ohren, ich war total perplex. Hatte ja lang nicht die Expertise und Erfahrung, Nur Uniwissen und medizinische und hygienische Standarts, die die Patienten bestimmt nicht einschätzen können. Trotzdem beeindruckend.

Mittag war ziemlich provisorisch heute. Als ich zurück kam hörte ich wunderschöne Musik. Ich hielt kurz inne und dachte, ob vielleicht jemand gestoben sei und das eine Art Mahnmal war? Haha nein, ich machte den Vorhang, der eine Art Zimmer, naja, Saalunterteilung darstellte, weg und sah, dass lediglich das Personal trällerte. Aber wie schön – einfach so, weil sie Spaß dran hatten. Ungelogen ich habe noch nie in meinem Leben jemand so unfassbar schön singen hören. Ich war so so impressed, dass ich sprachlos war. Es war berauschend. Und das im Krankenhaus. Mitten zwischen gebärenden Leuten, Aufnahmen, Papierstapeln und Müll.

Wenn mal Material, das verwendet wurde, auf dem Boden gelandet ist, wird es einfach in einem Eimer mit Chlor geworfen, getrocknet, an die dreckige Wand gehangen und wiederverwendet.
Bin ja schon erstaunt, dass es doch Einmalprodukte gibt – selten – aber es gibt sie.

Auf dem Weg zur Neugeborenenstation saßen mitten auf dem Gang Leute in Arbeitskleidung, mein erster Gedanke, ein Notfall, eine Reanimation vielleicht? Ja wieder haha, die schweißten im laufendem Betrieb – mitten zwischen Patienten – etwas am Boden. Nix Notfall. Das hätte man sich echt denken können, aber manchmal fällt man halt doch noch in alte Muster.


Neulich sagte ich zu Anna auf der Pädiatrie, du schau mal ob die Wage noch geht. Zur Verteidigung – Anna ist erst seit einer Woche da. Sie so, hä warum sollten die denn hier eine kaputte Wage haben? In dem Moment, als sie es sagte, mussten wir beide schallend loslachen. Eigentlich eine heftige Ironie. Man ist hier besser dran, wenn man überrascht ist, das etwas geht. Es ist absolut nicht übertrieben, absolut kein Witz. Das muss man erst Mal erleben!

Zum Abendessen gab es Müsli. Das war heute kulinarisch ein trauriger Tag. Müsli zum Morgen und zum Abend, mittags zwei weiße Brötchen und immerhin eine Papaya. Wenn dann kein Strom da ist und somit kochen wegen der Elektroplatte ausfällt, man auch keinen kalten Reis mit Bohnen will, man um fünf Uhr abends im Dunkeln nicht nochmal in die Stadt laufen will, dann wird es kulinarisch unkreativ.
Lasagne wo bist du?????
Ich freue mich so auf leckeres und abwechslungsreichem Essen, so sehr!

24.Tag

Heute hab ich ein kleines Klinikhopping gemacht.
Zuerst ging es in die Labour, die Geburtenstation. Ich untersuchte eine Frau vaginal, die kurz vor der Geburt stand. Da es zur Hirnschwellung des Babys kam und ich auf Nachfrage erfuhr, dass dieser Geburtszustand seit über 3 Stunden anhält, wurden meine Augen riesig. Der zuständige Pfleger meldete die Frau im OP an. Wir wollten ihr noch einen Zugang legen, schließlich war das eine super komplizierte Geburt, in der meines Erachtens echt jeder Moment zählt, für Baby und Mama.
Sie kippten da so ne Art Spiritus drauf zum Desinfizieren. Er meinte, er hätte kein anderes Mittel mehr, deswegen muss es so gehen. Die Frauen sind aber leider meist sehr dreckig und nicht gewaschen. Ich bedarf es für extrem relevant die Injektionsstelle zu reinigen. Ich schritt ein und holte noch was von dem was ich mitgebracht hatte, sodass wenigstens diese Frau eine Iatrogene, also durch Klinikpersonal herbeigeführte Infektion erspart blieb.

Dann war ich noch kurz in der Notaufnahme. Ich hörte, der neu errichtete erste Schockraum sei eingeräumt, war super gespannt und wollte es unbedingt sehen. Joa, hehe, für hier ist es schon echt ne gute Sache. Der Standard ein anderer aber es entwickelt sich langsam.
Auch die Notaufnahme ist anders als man sie kennt, logisch, wen wundert das. Es wird sogar trainiert, im COVID Zelt, welches als solches schon ewig nicht mehr genutzt wird. Schließlich hilft da ja Ingwer auch, da braucht es kein Krankenhaus meinte neulich ein Arzt zu mir… in dem einen Raum der Notaufnahme werden auch nur rote Patienten, also die mit höchster Priorität versorgt. Es gibt etwa 5 gängige Medikamente. Bei einem Schlaganfall gibt es einen Blutverdünner und Physiotherapie im Krankenhaus verschrieben Bei jedem, unabhängig von Verschluss oder Blutung, was bei manchen eine fatale und falsche Behandlung bedeutet. Aber sie haben keine Wahl, Bildgebung wie CT gibt es nicht.
Verlegt werden die Patienten durch Angehörige oder eine uralte ausgemusterte alte RTW Trage zu sein, die hierfür noch bereit steht oder super süß gebaute Rollstühle. Meist werden sie aber von Angehörigen auf Station gebracht.
Und anscheinend kommen die Patienten leider sehr oder zu spät. Die Wege ins KH sind für viele sehr weit, sodass sie den Weg lange herauszögern. Meist wegen der geringen Mittel – mit gravierenden Folgen.

Die deutsche Medizinstudentin aus unserer WG, die da gerade arbeitet ist wegen Personalmangel alleine und soll bei Gelb nicht zuschauen. Sie meinten, sie müssten noch was wegarbeiten und wollen nicht, dass sie als angehende Medizinerin das mitansehen muss. Wie grausig ist bitte das?

Dann noch einen Abstecher auf die under 5, die Ambulanz oder quasi Notaufnahme der Kinder. Hier ist eine in Ausbildung heute zum 1.Mal und komplett auf sich alleine gestellt. Sie schickt super viele Patienten einfach weg – ohne Behandlung. Als ich sie fragte, warum sie Patienten wieder weg schickt, meinte sie, sie wisse nicht, was er hat. Sie sollen also zurück zu dem Health Center und dort nach dem Grund fragen. Ich bin so erschüttert, denn das bedeutet für die Familie eine Tortur. Die Sprachbarriere auf Chichewa lässt mich an den Gespächen eben nun mal gar nicht folgen. Englisch können eben, wie schon oft erwähnt, nur sehr sehr wenige.

Am Nachmittag schlenderten wir nochmal über den Markt, kauften ein und sammelten wieder viele irre Eindrücke.
Aber diesen Geruch von Abgasen, Müll und Staub, ich bin es echt über, das ist unerträglich. Meist kann man nur mit Brille rumlaufen, um nicht zu Tränen, hustet ständig und läuft durch tiefschwarze Wolken die nach Cyanid stinken. Gestern hat es sogar Plastikfetzen geschneit. Wahnsinn!

Auf dem Markt

23.Tag

Heute wollten Anna, Johanna und ich uns Zomba von oben anschauen.
Rauf aufs Zomba Plateau.
Wir liefen zuerst den Potatoe Weg. Der war so unfassbar steil und eigentlich echt nicht die Bezwingung wert.
Es war Sanddreck wie immer und so steil, dass ich mehrfach wieder rückwärts bin. Aber unfreiwillig.
Nach 3,5 Stunden sind wir komplett nass oben am See angekommen und legten um 10 Uhr morgens die erste Pause ein.
Wir liefen dann noch zum Wasserfall und umrundeten den See. Überall trafen wir Malawi, die Holz auf Rädern, Motorrrädern und manchmal sogar Lastern nach unten fuhren. Malawi die Holz packten, Holz schlugen und Holz durch die Gegend trugen. Fast alle nur mit Muskelkraft. Aber wenn sie so fleißig weiter machen, dann ist in wenigen Jahren echt viel verschwunden.
Auch die Kinder schleppten ohne Ende riesige Baumstämme durch die Gegend.
Bei dem ganzen auf und ab und zwar sooooo steil, waren wir ja auch ohne Bäume komplett an unserer Leistungsgrenze angekommen, und die…. Richtig krass…..
Auf dem Weg runter waren wir echt fix und alle. Als wir am Nachmittag wieder eintrudelten waren unsere Beine Gummi und unsere Schuhe bis auf die Socken komplett braun verdreckt.

Aber Zomba mal von oben gesehen zu haben. Zu sehen, woher die vielen Fahrräder voll Holz kommen und mal etwas mehr Natur und noch kleine wunderschöne Flecken zu sehen, war echt toll. Gerade mal bisschen Natur war wirklich wunderschön! Ich habe mich direkt ganz heimisch gefühlt.

22.Tag

Heute war der Tag der Hochzeit.
Unglaublich war, dass zum Transfer ein Pickup alle Hochzeitsgäste zum Botanischen Garten bringen sollte.
Hehe, wir liefen dann halt die halbe Stunde hin, war ja leider schon voll 😂

Angekommen – war diese Hochzeit sooooo anders als erwartet.
Die Location war wunderschön. Der Garten himmlisch, das Anwesen prächtig geschmückt. Wir wurden auch super süß empfangen, standen aber irgendwie die ganze Zeit unter den Blicken der Gäste. Wir Deutschen versuchten alle uns den Bräuchen anzupassen, manche hatten sich sogar aus den heimischen Stoffen Kleider schneidern lassen…
Üblich war hier, tanzend zu einem Korb zu laufen und viele kleine Geldscheine mit viel Show reinzuwerfen. Wir schauten uns das an und machten einfach mit.
Es gab einen Kommentator, der das alles moderierte. Wir waren uns nicht sicher, was sonst so passierte, weil fast nur auf Chichewa geredet wurde. Aber ab und zu wurden bestimmte Geldscheine gesucht, die reingeworfen werden sollten.
Als sich das Spiel dann aber unendliche Male wiederholte und man manchmal expliziert aufgefordert wurde, floss unser Geld langsam dahin. Und irgendwie erwarteten sie auch, dass wir auch oft hingingen.
Dann wurden einmal nur wir angerufen, die Weiße Crew. Das Geschenk zu präsentieren. Wir hatten extra schnell noch umgerechnet 5 € in klein gewechselt, damit man wie gewünscht viel reinwerfen kann. Aber als das Geld aus war tanzten wir um den Korb und versuchten nicht negativ vor der gesamten Sippe aufzufallen. Der Brautvater, unser Vermieter kam uns noch unterstützen und warf auch noch was rein.
Aber das hörte nicht auf, Gruppen sprangen auf, Tanzen vor, warfen Geld. Vier Stunden am Stück. Essen gab es nur ein Mini Lunchpaket ganz am Schluss mit einem Maffin und einer Samosa und einem Mini Hähnchenschlegel. Zu trinken gab es eine Limo zu dritt, für mehr hat es in unserer Reihe dann nicht mehr gereicht 😂
Danach sind wir erstmal in einem Packpackerloft schnell was essen gegangen und haben uns Decken ausgeliehen. Ich war total durchgefroren.
Ich war enttäuscht. Auf dem offiziellen Teil, dem wir eben gesehen haben, ist echt fast nix passiert, außer das Geldwerfen. Wir haben mega Singen und unendliches Tanzen erwartet, aber hier musste man für seinen Mini Tanzmove direkt bezahlen. Man wurde ja nicht viel los. Ein 50er Schein sind ja gerade mal 5ct. Und mehr als 2000 hat eigentlich keiner geworfen, außer einmal als explizite 5000 gesammelt wurden.
Anders als erwartet.
Aber anscheinend haben sie den Tag über und am Morgen nach der Trauung in der Kirche schon getanzt. Da war die Stimmung immer heiter.

Zomba Plateau

21.Tag

Heute Vormittag bin ich wieder in den OP marschiert.
Leider war heute wenig bzw. nur kleine Punkte auf dem Plan, wobei der Operateur keine Hilfe brauchte und ich nur Kleinarbeiten wie Anreichen von OP Stuff hatte.
Naja weil ich eher der aktive Mensch bin, hab ich einfach den Anästhesiten gefragt, ob ich den Spinalen Block in den Rücken setzen darf… er stimmte sofort zu. Ich war glücklich. Und bämmmmm, direkt auf den ersten Versuch klappte alles und die OP konnte starten.
Als dann aber nichts mehr los war, entschied ich mich in den Mittag zu gehen.

In der Mittagspause wollte uns die Tochter des Hausherren für morgen Essen schenken. Wir sollen Reis kochen und ein Hühnchen essen.
Das haben sie auch direkt mitgebracht. Als uns dezent die Gesichter entglitten, meinte sie, oh ihr wisst nicht, wie man es umbringt?
Und wir erklärten ihr schwerenherzens und vermutlich absolut undankbar das Geschenk ablehnend, dass wir alle bis auf zwei Vegetarier sind.
Sie resignierte, meinte dann aber wir können das Huhn ja einfach in unser Zimmer nehmen, wenn die zwei es wollen. Haha oh Mann war das ne Nummer 😂.

Nachmittag ging es in die Labour, also zu den Geburten und tatsächlich, bin ich direkt in eine komplizierte Geburt geschlittert. Eine Vakuum Extraktion, bei der ich mit Hand das Vakuum erzeugte. Das Teil sah echt abenteuerlich aus. Krass war, dass ein Arzt sich über den Bauch der Patientin stellte und mit ganzer Kraft drückte, seine Umhängetasche fiel somit über ihn auf die Patientin und es war wirklich nichts Gutes. Soweit ich das noch weiß, ist das in D absolut selten und bedarf immer erst ein Einverständnis. Hier war mein Eindruck, dass die Frau keine Wahl hatte.
Es brauchte noch einen Dammschnitt und das Kind konnte geboren werden.
Leider atmete es nicht.
Aber, nach ein paar Minuten Beatmung wurde alles besser.
Er fragte mich ob ich zunähen kann. Hehe – ich wollte gerne, aber schaute mir das erstmal nochmal an und wollte es dann beim nächsten mal machen.
Also assistierte ich ihm.

Leider bin ich immer noch etwas krank. Nachdem mir der Pfleger erzählte, man solle nichts mehr auf dem Markt kaufen, es gehe gerade Cholera rum, war ich schon kurz hypochondrisch. Zuhause aß ich gleich die deutschen Salzkräcker, um schön der Dehydration entgegenzuwirken.

20.Tag

Am Abend wurden wir eingeladen auf dem Gelände, den Töchtern und den Familien des Hausherren zuzuschauen, wie sie das Essen für die Hochzeit am Wochenende vorbereiteten. Sie backten auf dem Boden Muffins, rührten süße Speisen in einem überdimensional großen Topf für ein spezielles einheimisches Bier an.
Fürs Wochenende sollen über 300 Gäste kommen.
Total gespannt was das wird..

19.Tag

Zur Morgenbesprechung auf der Pädiatrie wurde ein Vortrag zu Verbrennungen gehalten. Grundsätzlich war er echt gut, aber absolutes Basis Wissen. So oberflächliche Infos ist man aus unserem Studium echt nicht gewohnt. Ich stellte eine Frage und musste grinsen als er mich nicht verstand. Er versteht mein europäisches Englisch genauso schlecht wie ich sein Malawisches. Aber, er konnte die Frage doch noch beantworten. Ich habe dann seine Antwort nur kaum verstanden. Auch wenn man sich nach und nach echt besser rein hört und man doch mit den meisten ganz gut kommunizieren kann.
Haha kleiner Schwank, wir wollten gestern an der Straße Samosas kaufen und fragten extra, ob diese ohne Fleisch sind, aber die Einheimisches sprechen ja seltenst Englisch. Sie sagte nur jaja und wir waren dumm und kauften sie. Daraufhin haben wir heute erstmal auf Station alle chichewischen Wörter fürs Fleisch, Huhn, Rind, usw., gelernt und tatsächlich vegetarische bekommen. 😂
Nach der Besprechung sollten wir zwei deutschen Studenten Anna und ich, schon mal raus gehen. Mir war nicht klar warum. Später erzählte mir Rabecca die medical Intern, sie wurden alle mal zu besserer Arbeitsmoral aufgefordert. Sie habe Nachtdienst gehabt, es sind immer nur 2 Ärzte für 3 Stationen, und sie sei nicht gegangen, denn sie habe sich doch müde gefühlt. Es gab auch keinen Ersatz für sie. Das fand ich ja so krass…….
Als sie mir das erzählte, fragte sie mich auch um Geld.
Sie sei auf das Geld ihres Mannes angewiesen, sie ist auch erst 21 und dieser gehe selbst zur Schule. Ich würde doch Geld haben und solle ihr doch bitte aushelfen. Das ist hier schon krass, wie fordernd sie auch manchmal werden. Eine Schwester heute meinte, ich solle ihr meine blauen Ohrstecker geben, der einzige Schmuck den ich hier überhaupt trage. Denn sie habe nur unfarbige Ohrstecker, diese bräuchte sie noch. Ich finde das ganz schön dreist.
Zum Mittag aßen wir in der Krankenhaus Kantine wieder Nsima und ein,al Chipsies mit Bohnen. Zum aufwerten kauften wir uns an der Straße noch je 2 Samosas. Eine meinte wir müssen da jetzt was abgeben, sie wolle auch welche und möchte nicht selber welche holen, wir hätten ja jetzt schon welche und sollen ihr die abgeben.
Das ist meist sehr aggressives Fordern, kein liebes, darf ich bitte was abhaben oder mal probieren, sondern, ein gib es mir! Essen hatte sie ja selbst, sie wollte nur meines haben. Ich kann damit nicht so gut umgehen. Ich finde man muss auch echt mal auf den Putz hauen und klar machen, dass wir Weißen nicht alles haben und verschenken können. Die haben alle irrsinnige Vorstellungen und können sich einfach absolut nicht vorstellen, wie unterschiedlich wir leben und wie teuer unser Leben im Vergleich zu ihrem ist. Sie verdienen zwar auch weniger, aber in Deutschland bekommt man auch kein vollwertiges Mittagessen für 80 Cent am Krankenhaus.

Heute war ich auf der Labour Ward. Der Geburtenstation im Krankenhaus. Das was aussah wie ein Abstellraum mit ausrangierten Betten war der Raum für die kreisenden Frauen. Gebährt wird auf einer Plastikfolie, die die Frauen selbst ausbreiten und mit ihrer eigenen Decke bedecken. Generell wird hier schon ein anderer Ton angeschlagen. Die Frauen ertragen hier viel und klagen überhaupt nicht. Sie leiden super still vor sich her. Hier gibt es null Komma gar keine Medis für die Geburt und sie machen die ganze Zeit kaum einen Mucks.
Teilweise winden sie sich beim Warten auf die Untersuchung auf dem Boden. Keiner bietet ihnen eine Liege an, die liegen auf dem kalten, dreckigen Boden und sie werden eher ignoriert. Heftig.
Meine erste Untersuchung lief super, die Frau musste aber noch zum Ultraschall, worauf sie Stunden warten musste, wegen Komplikationen war dies dringend erforderlich.
In Deutschland war ich auch schon in Tübingen vier Wochen in der Frauenklinik. Ich hatte alleine heute so viel Hands on wie in Tübingen in der ganzen Zeit. Dort hieß es oh nur Student lieber erstmal zuschauen. Hier heißt es, noch nie gemacht?, macht doch nichts, Probier es ruhig. Als ich meinte, können wir die Patientin fragen, ob es ok ist wenn ich das mache, sagte sie klar. Sie hat sie aber gar nicht gefragt😂 Sie merkte aber, dass ich ja nicht blöd war und fragte dann die Frau dann doch etwas. Leider verstand ich ja nicht was. Dann meinte sie nur, es sei ja normal, dass viele Leute an der Behandlung beteiligt sind und dass es natürlich klar gehe. Ich glaube wirklich, dass die Patienten hier nicht viel mitzureden zu haben, sie sind aber auch super ruhig, zufrieden und nehmen es einfach hin. Es ist auch etwas sehr Positives, wenn sie geduldig warten bis sie dran sind und kein extremes Anspruchsdenken herrscht. Das ist auch ein Riesen Unterschied aber interessant, wie das hier so läuft.

Also Fazit, auch hier die Hygiene unterirdisch, ein Auszubildender hat nochmals eine vaginale Untersuchung gemacht, dabei die Fruchtblase durchstochen, also gab es eine Riesen Sauerei. Die Frau musste, weil ihr einziges Tuch, das sie bedeckte jetzt nass war, nackt darauf warten, dass eine Angehörige ihr ein neues brachte. Als ich fragte, ob sie nicht so lange etwas haben kann, um sich wenigstens abzutrocknen, schauten alle extrem irritiert und meinten, nein, die Angehörige bringt doch ein neues Tuch. Somit wickelte sie sich nackt und total nass in ein neues Tuch ein und verlies den Raum. Die Nächste kam rein, die Liege, der Boden, worüber sie ja meist barfuß gehen weiterhin eingesaut, niemand machte es sauber 😆 .
Heute gebahr leider niemand mehr, schien ein Flautentag zu sein, mal sehen wie es morgen wird.

18.Tag

Üblicher Wahnsinn heute auf Station. Die zuständige Ärztin der Nursery erschien heute gar nicht erst und die der Kinderstation wollte eine Lumbalpunktion machen. Als jedoch das Kind anfing zu krampfen, meinte sie ach dann lassen wir es. Hätte ich auch gemacht, bis das Kind aufhört und es dann machen, denn das ist das einzige, was dem Kind effektiv geholfen hätte. Sie meinte aber, wir machen es morgen. Als ich total geschockt reagierte meinte sie, sie gibt es ab, so dass es heute Nachmittag doch noch gemacht wird. Das fand ich zwar suboptimal aber besser wie morgen. Dann kam raus, dass die Vertretung jedoch am Nachmittag wohl nicht mehr kommen sollte. Unglaublich.

Johanna, Anna und ich, alles Medizinstudenten aus D, hatten noch Lust in die Stadt zu gehen. Wir wollten nach Stoffen schauen, außerdem wollten wir Gemüse kaufen, um in der WG zu zehnt zu kochen. Als ich meinen Händler erkannte sind wir beide freudig aufeinander zu gegangen. Er meinte, ich sei lange nicht mehr da gewesen. Das stimmt. Mit dem Trubel zu Hause und dem wenigen Strom und meinen wenigen Kapazitäten macht es auch echt weder Sinn noch Spaß. Auch wenn man auch für 80 Cent an der Klinik essen kann.
Als er erfahren hat, dass wir unsere letzte Papaya wegschmeißen mussten, weil sie nicht essbar war, nahm er eine und schenkte sie uns. Das war so unfassbar lieb und super nett, da haben wir uns echt total drüber gefreut.
Am Abend yay, gab es kein Strom zum Kochen, aber unsere Nachbarn hatten Mitleid und borgten uns ihren Kohlegrill aus, sodass wir mal was richtiges ausgewogenes, gesundes mit viel Gemüse kochen konnten.
Es war super lecker.

Leider werde ich etwas krank, ich hoffe nicht, dass ich deswegen nicht in die Klinik kann, deswegen versuche ich jetzt über die Nacht viel Kraft zu tanken, hoffentlich 😇

17.Tag

Am liebsten hätte ich heute nichts geschrieben. Der Tag war zwar mal wieder super ereignisreich, aber absolut gar nicht im positiven Sinne.

Gestartet hat es mit einem schönen Moment. Ich wollte nach einem Ring schauen und der Händler an der Straße hatte keine, meinte aber er mache mir einen. Ich lehnte erst ab, weil ich in 20 min los musste. Er meinte na gut,
ok, er beeile sich. Also stimmte ich doch zu. Das schöne daran war, ich wusste nicht was mich erwarten würde, aber alleine dafür zu sehen, wie er arbeite war die Sache schon wert. Er war so beeindruckend zu sehen, wie gekonnt er das machte,. Mit seinem Fuß hielt er das Holz, mit der Klinge nur Millimeter entfernt, sodass ich erstaunt war, dass er wirklich noch beide Beine hatte.
Dadurch dass ich direkt daneben saß, konnte er ihm direkt an meinem Finger schneidern. Es war total cool. Er wollte 1500 kwatscha dafür haben. Ich habe ihm dann 2000, was 2€ entspricht🤫 gegeben, weil er das so toll gemacht hat, sich so Mühe gegeben hat und jeden meiner Wünsche umgesetzt hat. Er strahlte über beide Ohren, als er das Geld von mir bekam und hörte nicht mehr auf sich zu bedanken.
Dann kam noch eine Gruppe Kinder vorbei, die so wild waren, Fotos mit uns zu machen, sie umzingelten uns, machten Highfive und ließen uns gar nicht mehr ziehen.
Mike unserer schon bekannter Fahrer kam und der Struggle begann.
Ich hatte extra alles für den Rücktransport schon vorher über WhatsApp geklärt, dann plötzlich klappte aber nichts wie besprochen. Es sollte teuer sein, da die Tankstellen kein Benzin haben und sie es vom Schwarzmarkt holen müssen. Unserer zweiter Fahrer tauchte nicht auf. Auch der zweite Transfer mit dem Sammelauto lief einfach unrund. Das Auto hatte glaube ich einfach keine Stossdämpfer mehr. Jeden Huckel auf der Straße spürte man wie einen Schlag durch den ganzen Körper. Ich war die einzige, die einen Gurt hatte. Das war aber Zufall. Erstens quetschen sie da so viele rein, bis es nicht mehr geht. Meist versuchen sie da wo wir sitzen keine Leute oben drauf zu stapeln, als Privileg. Yay.
Dann der Umstieg in den Bus. Wir dachten jetzt gehst weiter – aber nein. Wir standen bei 40 grad in der Sonne, gequetscht im Auto, lauter frisch duftende Menschen um einen herum. Eine mit toten Fischen in der Hand und wir fuhren und fuhren nicht los. Das hatten wir noch nie so. Wir hatten echt das Gefühl falsch zu sein, wurden aber extra zu diesem Bus begleitet. Wir wollten auch nicht mehr aussteigen und in den Schatten gehen. Ich wollte ja schließlich los, aber er fuhr nicht. Ständig stiegen Leute ein, aus, brachten Koffer, Hühner und Co, schleppten sie wieder weg, legten Umschläge rein, redeten auf Chechewa und wir verstanden nichts. Es war brechend heiß. Wir tranken nicht so viel weil dann 6 Stunden lang keine Toilette kommt und dachten wir kollabieren bald. Nach 2 Stunden fuhren wir dann endlich los. Ich total erschöpft nach 4 Stunden Gequetsche und noch 4 Stunden vor sich zu haben. Ja Scherz, wir fuhren 100 Meter – drehten um und hielten an der selben Stelle in anderer Richtung wieder an. Und standen. Und standen und standen, mir fielen sogar die Augen zu vor Erschöpfung. Ich hatte nicht mal Platz meine Beine auf den Boden zu stellen.
Nach über einer Stunde ging es weiter, ich war schon so fertig, dass ich mich kaum freuen konnte. Das Essen war schon weg und ich durch.
Wir planten gehen Mittag zurück zu sein. Jetzt war es schon Nachmittag und es lag noch alles vor uns.
Bei Dunkelheit wollten wir auf keinen Fall unterwegs sein und es bewahrheitete sich auch als guten Grund.
Ab dem Moment als es dämmerte und hier wird es ja so extrem schnell dunkel, wurde es saumässig gefährlich. Wir bretterten schier in einen Unfall rein. Zwei Autos und ein Motorrad auf der Straße. Abgesperrt wird da nichts und beleuchtet ist auch nichts. Das eine Auto stand rechts im Baum, das andere links auf der Straße, die Motorrhaube war nicht mehr vorhanden, das Hinterrad des Motorrads steckte in der Frontscheibe. Ich war schockiert.
Dann Überholmanöver von anderen Autos, sodass neben uns ein LKW fuhr und das Auto uns direkt entgegenfuhr. Ausweichen ging wegen dem LKW nicht mehr. Der Fahrer knallte wieder in die Eisen und mit viel Gehupe klappte auch das.
Das war mir aber echt zu viel. Ich fand es einfach zu krass.
Nicht nur das man hier in Malawi keine Gurte hat. Wenn was passiert könnte dir hier auch echt zeitnah niemand helfen.
Ich fühlte mich nicht mehr sicher und hatte Angst.
Dann, man sah nicht viel, die Scheinwerfer waren für die Dunkelheit zu schwach, erahnte man einen Gegenstand auf der Straße. Der Fahrer wollte ausweichen und alle sahen gleichzeitig, was da vor uns war. Ich schrie auf, weil ich dachte wir würden es nicht mehr rechtzeitig schaffen zu bremsen und würden den auf der Straße liegenden Menschen überfahren. Es war ein Fahrradfahrer, der vermutlich einen Unfall gehabt hatte. Seine Lasten waren auf der Straße verteilt, und er lag mitten drauf da. Der Bus hielt nur cm entfernt an. Ich hatte einen Puls von unmessbar. Und erwartete jedem Moment, dass einer hinten in uns reinkrachte.
Am liebsten wär ich raus, aber das wäre noch gefährlicher. Die Leute laufen einfach auf der Straße, fahren dort mit Rädern und sind komplett unbeleuchtet. Auf der einzigen Verkehrsroute, die es da eben gibt. Sogar Autos sind teilweise unbegleitet. Es ist so irre, einfach totaler Wahnsinn.
Ich hielt mich fest, klammerte mich an Johanna und wir beteten heil anzukommen. Das war die schrecklichste Erfahrung, die wir jeh gemacht haben. Ich hatte noch nie so sehr Angst.
Wir waren tierisch froh, als wir endlich Zuhause waren. Wir brauchten lange, um klar zu kommen, was wir erlebt haben und mit ansehen mussten.

Der Tag lief so anders als geplant, so unvorhersehbar, einfach scheußlich.
Erst am Abend zuvor trafen wir einen Deutschen der meinte Afrika spielt euch eh einen Streich, wenn ihr versucht etwas zu planen und er behielt Recht.
Das war keine schöne Erkenntnis.