Zur Morgenbesprechung war heute ein neuer Arzt da, er sprach noch undeutlicher, als viele andere. Der Slang, wie sie oft englische Wörter betonen ist – sagen wir – schwierig. Selbst einfachste Wörter wie Typhus kann man einfach nicht verstehen.
Plötzlich ging dann es um mich. Ich bekam es sofort mit und wurde hellhörig. Sie sprachen über die Weiße, die ewig ein Kind manuell beamtetet hat, obwohl alle sagten, es reiche, sie könne es lassen. Ich dachte, jetzt gibt es vielleicht einen auf den Löffel, Es hätte mich nicht gewundert. Aber ich musste für meine Überzeugung einstehen, denn ich mir konnte mir in dem Fall keinen medizinischen Grund vorstellen, der gegen meine Weiterversorgung des Babys sprach. Warum sollte man einem Kind einen so einen einfachen Support, wie eine Atemunterstützung, verweigern, wenn es dadurch sterben könnte?
Ich hab es nicht ganz mitbekommen, ob sie jetzt ironisch sprachen oder nicht. Nach dem Meeting sprach ich die Ärztin diesbezüglich nochmal an. Ich war wirklich überrascht, als sie mir erklärte, dass der Fall hätte die Runde gemacht hätte, wobei eine Deutsche gegen das gängige Verfahren handelte. Jedoch das Kind lebe, sei vital und agil und heute entlassen worden. Ich war voller Emotionen – freudig und traurig!
Auf mein Bauchgefühl gehört zu haben, war wirklich das absolut Richtige gewesen. Ich war unendlich froh, erleichtert und stolz. Klingt es jetzt arg abgehoben, wenn ich mir sage, bämmmmmmm du hast diesem Baby wirklich tatsächlich sein Leben gerettet!?!
Ich nehme da viel draus mit, aber auch, dass man hier echt aufpassen muss. Schließlich ist das hier Afrika und nicht Deutschland. Man kann einfach nicht alles tun, was man Zuhause kann. Aber ich nehme auch mit, dass man nicht in den Sumpf von Medizin einsinken darf, nur weil die Mittel begrenzt sind. Es sind schließlich Leben für die man verantwortlich ist. Da sollten nicht einfach Ausreden gefunden werden, um nichts zu tun.
Ich hoffe, dass auch die anderen, die beim Report heute dabei waren, etwas für sich mitnehmen. Eine Entwicklung wäre wirklich schön!
Heute war ich dann in der Ultraschallsprechstunde mit pränatal gefährdeten Babys. Das Retro Ultraschallgerät kam zum Einsatz – solange eben Strom da war.
Ein Arzt machte sich über mich lustig, ob wir überhaupt als Deutsche ein Fetoskop kennen würden. Wir würden ja nur so Hightech Zeug wie Dopplersonografie nutzen, um den fetalen Herzschlag zu beurteilen, anstatt einfach nur unser Ohr an den Bauch der Patientin zu halten. Aber so gut kannte er Deutschland wohl doch nicht 😜
Heute wurden die Kinder nach Größe beurteilt. Die meisten Frauen kannten den Zeitpunkt ihrer letzten Periode nicht, so dass zur Berechnung des Geburtstermins erstmal beurteilt werden musste, wie weit die Frauen waren und ob eventuell eine fetale Entwicklungsverzögerung vorlag.
Eine Frau war erst 17. Eine 23 mit 2.Kind und schon zum zweiten Mal verheiratet.
Ein Clinition kam rein und fragte wie alt ich sei. Er war dann wirklich überrascht, als ich ihm sagte, das sehr viele Frauen in Deutschland erst deutlich später gebären.
Als ich noch kurz über die Kreissäle schlenderte – also der Raum mit den vier trageähnlichen Gebilden, die von einer Plastikfolie bedeckt sind, auf der die Frauen nackt liegen und gebären, durch nichts getrennt und frei sichtbar, vom Rest der Station nur durch einen Vorhand getrennt, bekam ich mit, wie eine Frau zum Kaiserschnitt verlegt werden sollte. Und das nur, weil es gerade keine Hebamme gab, die sie für den Fall einer kindlichen oder mütterlichen Gefährdung kontinuierlich überwachen konnte. Aktuell waren beide stabil und sie befand sich auch in einem kontinuierlichen, progredienten Geburtsprozess. Außer Personalmangel sah ich keine Risikofaktoren. Trotzdem entschied sich der zuständige Arzt, die Verantwortung nicht zu übernehmen und schickte sie lieber ohne Indikation in den OP. Das finde ich schon echt traurig. 😔
In der WG sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Leute richtig krank. Heute waren gleich drei komplett zu Hause geblieben. Eine hat eine Infektion, vier haben sich gestern beim Essen wohl eine Lebensmittelvergiftung zugezogen. Da bin ich mit ab und zu ein bisschen Kopf- und Bauchschmerzen wirklich richtig froh.
Jetzt rückt die Zeit schneller voran und ich denke immer mehr an das Ende der Zeit hier in Afrika. Was man erlebt hat, was man noch unbedingt erleben will, wo man noch hin möchte.
Ich habe mir schon paar Bereiche in der Klinik überlegt, die mitgebrachte medizinische Güter am dringendsten benötigen. Diese möchte ich die Tage noch alle verteilen.
Heute hab ich der Geburtenstation Handschuhe mitgebracht. Als ob ich geahnt hätte, dass gerade die heute leer waren. Kommt wohl schon vor, dass die Vorräte hier einfach ausgehen und die nächste Lieferung noch etwas dauert. Ist scheinbar auch nicht sonderlich schlimm. Ich finde schon!
Aber auf anderen Stationen ist oft noch was vorhanden, aber die reden nicht untereinander. Wir Studenten schaffen oft etwas von A nach B und alle sind tierisch überrascht, wie wir da jetzt rankamen.
Oft werden hier Materialien an Orten gelagert, wo sie keiner braucht. Und umgekehrt fehlen sie dann.

















































