16.Tag

Heute Nacht war eine Luxusnacht. Das Mückennetz war über unsere zwei Betten gespannt, wodurch man richtig Platz hatte und es nicht so schlimm war, dass die Betten in Afrika so kurz sind. Eigentlich makaber, dass das daran liegt, dass die Menschen hier nicht richtig gedeihen wegen dem wenigen Essen. In Deutschland sind die Ärzte eigentlich immer größer und ich brauche einen Podest im Op. Hier stellen sie einem den OP Tisch extra höher ein, damit ich meine bequeme Arbeitshöhe erreiche, unglaublich.
Auf jeden Fall konnte ich mich heute schräg im Bett ausbreiten und das war Luxus.
Zum Frühstück gab es heißen Tee, auch eine Rarität und absolut geschätzt.
Dann ging es los zu einer Insel, Teil des Nationalparks vom Malawisee.
Das Wasser hier ist so super klar, wie ich es noch nie irgendwo gesehen habe,hier schwimmen tiefblaue wunderschöne Fische, an flacheren Stellen kann man bis zum Grund sehen und es glitzert Gold. Unfassbar schön. Die Hüter des Nationalparks, die dann noch vorbei kamen um Eintritt zu verlangen, waren richtig nette Leute. Sie gaben uns noch Tipps für einen guten Weg und für den Umgang mit den Fahrern. Sie erklärten mir auch auf Nachfrage, dass das Goldige im Meer daher kam, dass der Nordwind den Boden aufwühlt und dies zum Vorschein bringt. So eine Schönheit hab ich noch nie gesehen.
Anscheinend ist der See so groß wie die Schweiz. Das kann man sich gar nicht vorstellen.
Ein paar Inseln kann man sehen, es ist bezaubernd.
Gekocht wurde auf der Insel mit Feuer. Ich probierte den absolut bekannten, hier gefischten Fisch. Es war etwas ganz Besonderes und tat so gut richtig satt zu werden, warm und gut zu essen. Und nicht nur Nsima und Bohnen….

Zurück liefen wir noch die lokale Straße, naja der einzige Weg zwischen den zwei Hüttenreihen, ab und schauten uns die lokalen Stände an. Es gab oft dasselbe oder ähnliches. Manche sprachen uns wirklich zu aufdringlich an und bedrängten uns sehr.
Sie sind hier schon sehr in Not.
Mit einem wollte ich dann um einen sehr fairen Preis handeln. Er meinte doch tatsächlich, gib mir einfach was du kannst. Ich nehme egal was du zahlst, Hauptsache ich bekomme Geld, ich brauche es so sehr. Das zerbrach mir mein Herz. Das ist richtig heftig und schwer zu ertragen. Hier sind alle so arm, hier ist es normal. Durch Corona kamen hier, als den Touristen Hotspot, wohl sehr lange keine mehr her und die Locals sind hier schon sehr drauf angewiesen.
Zu sehen, wie sie drum kämpfen, Sachen zu verkaufen ist hart und ich kann ja schlecht hier alle Menschen unterstützen.
Trotzdem kaufte ich ein paar Kleinigkeiten, ein Junge betete aus Dankbarkeit, dass ich für umgerechnet einen Euro bei ihm gekauft hatte. Wir können uns glaube ich nicht vorstellen, was bei denen hier abgeht.
Am Ende des Tages konnten wir doch bestimmt ein paar Leute sehr glücklich machen. Wir besuchten die einheimische neue Bar, also einen Tresen mit Getränken. Wir machten Fotos mit Kindern, die so wild darauf waren, diese danach auf dem Handy anschauen zu können. Mit drei Kindern saßen wir so lange da. Sie waren unfassbar süß und total goldig. Ich holte drei Werters Original raus und fragte sie ob sie was Süßes haben wollten. Sie stürzten sich darauf, als sei es Gold. Ich sagte Moment, es ist für jeden eins. Sie sprangen vor Freude im Kreis und durch die Luft und wedelten ganz stolz damit, es war wirklich göttlich, sie so zum Strahlen gebracht zu haben.
Später am Abend schlichen aber auch Kinder hinter Steinen hervor und bettelten ganz unangenehm nach Geld. Auch das haben wir oft ansehen müssen.
Am Wasser waren viele Einheimischen, sie wuschen Geschirr, Essen und sich selbst am Wasser. Es sah total krass aus, unglaublich, nichts mit Sanitäranlagen oder Küchen.
Der Sonnenuntergang geht hier so so schnell. Es geht etwa um 17.45 Uhr los. Ich habe hier echt kein Zeitgefühl mehr, aber man sieht den roten Feuerball komplett, dann kann man echt bis 5 zählen und ist er weg.
Die Stimmung am Wasser ist da echt klasse und einmalig!

15.Tag

Ausflug nach Capemaclear.
Heute ist Wochenende und es ist mal wieder Zeit, etwas von Leben hier mitzubekommen.
Früh am Morgen stellten wir uns an die Straße und holten uns – schon total geübt – ein Minibus ran. Nach dem üblichem Handeln nahm er uns mit. Die Leute im Bus sagten Muli bwanschi, was so viel heißt wie Wie gehts? Als ich dann auf Chechewa sagte Kaya inu? Und euch? Ist der ganze Bus ausgetickt vor Lachen, Aufjohlen und Freude, das war so eine süße Erfahrung. 5 Floskeln kann ich ja schon, die kommen wohl unglaublich spitze an. Kann man froh sein, dass es meist das selbe ist 😜
Reissäcke unter uns, Körbe auf uns, fremde Arme, Beine und Zuckerwurzel schmatzende Leute neben einem, ist ja schon fast normal, nach der wiederholten Erfahrung der Minibusse. Auch wenn ich immer wieder erstaunt bin, wie viele da noch reingestapelt werden können.
Irgendwann sollten wir umsteigen, er machte irgendwelche Gesten und Johanna und ich waren etwas lost, wo wir jetzt hinzugehen hatten. Natürlich kamen tausende Leute auf uns zu, die uns in ihrem Bus haben wollten. Da wir ja aber schon für die ganze Strecke gezahlt hatten, war es schon relevant in den dafür vorgesehen einzusteigen. Wir suchten ein bekanntes Gesicht aus dem Bus und wurden tatsächlich zum richtigen begleitet.
Auch hier knallern die Knie gegen die Rückbank, Wir schwitzen im Shirt bei offenen Fenstern bei Fahrtwind und der brechenden Hitze. Aber neben einem saßen Menschen mit Daunenjacke oder manche mit Wunterbommelmütze. Das ist hier eh ein Phänomen, das mich staunen lässt. Hier ist es ja im Winter für uns super warm und die Leute tragen echt bei 35 Grad eine Bommelmütze. Ich bin dem Spuck noch nicht ganz auf die Schliche gekommen 😂
Ja dann stiegen halt leider alle aus und wir fühlten uns etwas komisch. Alleine im Bus ist maximal suspekt….wir schauten auf Google Maps, ob wenigstens die Richtung stimmten und vertrauten dem Fahrer.
Wir hielten irgendwo im Nirgendwo und er füllte das Auto mit einer Schulklasse oder ähnlichem und meinte wir müssen nun mit dem Auto weiter. Es bringe uns einer hin, das war so super krass, aufregend, gruselig, und absolut fremd. Wir liefen an den Ständen der Straße, den Grillständen, den verbrennenden Sachen, tummelnden Menschen vielen parkenden Autos vorbei bis wir an dem für uns vorgesehenem ankamen. Es stank so sehr, dass ich ständig husten musste und nach Luft japsen musste. Außerdem wurden wir sooooo extrem angestarrt. Ich hätte mich bei anderen Umständen auch nicht dazu entschieden hier auszusteigen. Ich bin als jemand, der aber auch noch nie weit weg war, einfach super vorsichtig, sehr skeptisch und extrem misstrauisch. Ich lerne hier aber sehr, dass man den Leuten vertrauen muss, dass es anders nicht geht. Man wird unheimlich positiv überrascht, wie manche sich um einen sorgen, oder wie wir z.B. von Bus zu Bus zu Auto gereicht werden und alle darauf achten, dass wir an den richtigen Ort kommen.
Ich lachte und dachte, das sei ein Witz, als ich unser Auto sah.
Ich atmete ein und wir quetschten uns dazu.
Ich saß vorne links, ein anderer saß zu 50% auf meinem Sitz zu 50% auf dem des Fahrers, also auch sein Bein bei ihm. Johanna saß direkt hinter mir, jedoch nicht wie üblich drei in einer Reihe, sondern 4 und einer oben drauf klammerte sich an der Kopfstütze fest, dazu natürlich noch jede Menge Gepäck.
Genau so fährt man durch Polizeikontrollen, es gibt keine Gurte, die Autos sind brechend überfüllt. Das hier total normal. Das ist so unendlich verrückt. Man glaubt, man erlebt es hier nicht wirklich. Alles was ich nie wollte, macht man hier und es ist normal. Und es würde hier nicht anders gehen. Man würde sich sonst nicht fortbewegen können. Auch bei dem Essen, man kann vor Angst vor einer Lebensmittelvegiftung ja nicht nichts essen.
Also verbuchte ich das unter einmalige Erfahrung in meinem Leben und freue mich über alle Momente die mich bereichern oder Eindrücke, die ich sammeln darf und was für ein anderes Leben ich hier kennenlerne.
Unterwegs kam uns eine Hochzeitsgruppe entgegen auf einer Ladefläche stehend das Brautpaar tanzend während der Fahrt. So unglaublich. So unfassbar, das zu sehen 😇
Dann meinte der Fahrer der bis Monkey Bay fuhr, er könne uns auch weiter nach Capemaclear bringen. Vier Stunden waren schon hinter uns, ne knappe halbe fehlte noch. Aber er wollte etwa das 35-fache des üblichen Preises, sodass sogar der Einheimische neben mir mich warnte und meinte, mach das auf keinen Fall.
Er ließ tatsächlich auch überhaupt nicht mit sich handeln, sodass wir ausstiegen.
Angekommen, gleich wieder überrannt, versuchten wir erstmal kurz klarzukommen und hielten Ausschau nach einem freien Auto. Gab es aber keins. Die Leute wollte uns alle mitnehmen aber nicht by car, sondern mit einer Methode die ich zu 100% hier im Vorhinein abgelehnt hatte, mit dem Motorrad.
Sie handelten irre und wir lehnten ab. Aber, sie hatten Recht damit, dass wir wahrscheinlich noch Stunden warten würden, bis ein Auto kommt und hinfährt wo wir hinwollen, denn ab hier gehts nur noch über Sandpiste weiter. Wir waren überfordert von der super bequemen und überhaupt nicht aufregenden Fahrt bis hierher und entschieden uns über unseren Schatten zu springen. Sie handelten anstrengend aggressiv und wir fühlten uns genervt und bedrängt. Wir schafften zwar nicht den erörterten fairen Preis, das war uns dann aber auch egal und wollten eigens zwei Motorräder mit unseren Rucksäcken und nicht auch noch zusammen auf eins,
Die Auserwählten zogen mit uns weg und die anderen waren deprimiert, ein Geschäft verpasst zu haben.
Wir mahnten sie eindrücklich vorsichtig zu fahren und ich war so unendlich positiv überrascht, wie sicher, langsam und umsichtig Justin mein Fahrer fuhr.
Ich kam super nett mit ihm ins Gespräch, fragte ihn über seinen Eindruck von uns in seinem Land aus, erzählte ihm etwas warum wir da sind, dass wir im Krankenhaus arbeiten und wir ehrenamtlich aus Deutschland angereist sind. Er zeigte mir die Krankenstation vor Ort, erklärte mir etwas zur Geschichte der Stadt, zu sich, wie er hier aufgewachsen ist und beantwortete mir viele Fragen zur Destination.
Einmal hielten wir kurz an und machten ein Selfie. Am Ende fuhren wir mitten zwischen Wellblechhäusern und Holzhütten durch den Sand, in einer Geschwindigkeit, dass man gehen konnte. Eine abgefahrene Route, einmalig aber wirklich angenehm vorsichtig. Mehr als alles andere bisher.
Als wir ankamen gab er mir seine Nummer, falls wir nochmal wohin wollen oder er uns noch was vom Land zeigen solle. Alle sehr freundlich und zuvorkommend. Ich war geflasht. Sehr positiv gestimmt und etwas high von den ganzen gigantischen und einmaligen Erfahrungen.
Es war schon super anstrengend, das viele Neue, die vielen Menschenmassen, das ständige Handeln, dann angestarrt werden, es ist hier schon abgefahren.
Aber dann betraten wir erstmal das Paradies. Ungelogen – wir standen an der Lodge und blickten direkt auf den Malawisee. Einfach wahnsinnig schön, unendlich besonders und der maximalste Kontrast zu Ruß, Dreck, Müll, Gestank, Armut.
Wir standen vor dem Meer, Liegestühle auf der Veranda, Boote, Sonne, ein Traum.
Wir wollten erstmal den Sand spüren und feierten diesen paradiesischen Anblick.
Keine drei Sekunden später wurden wir belagert und belabert. Es ist wohl mit der touristischste Ort in Malawi und gerade keine Tourizeit. Deswegen springen sie auf dich wie Affen und lassen dich echt keine Sekunde in Ruhe. Das war so nervig und echt schade.
Wir wollten tatsächlich am nächsten Tag einmal mit dem Boot zur Insel mit rüber fahren, aber das fair zu gestalten war nicht leicht. Sie machten ein Aufriss, unglaublich. Als Weißer gilt man hier automatisch als reich und soll zahlen soll und quasi jeden unterstützen. Mit unserem Projekt im Krankenhaus geben wir hier viel von dem, was wir können. Finanziell ist es nervig, ständig abwimmeln zu müssen und sich die Leidensgeschichten anzuhören. Kinder, Erwachsenen alle betteln dich an.
Ja, in ihren Augen ist man reich, aber sie stellen sich Deutschland auch als Geldoase vor und das macht es hier häufig schwer.
Wenn dann eine Jugend Gruppe vor dir steht und dir auf Ölkisten und mit Treibgut gebauten Instrumenten was vorspielen will ist das so süß, aber gibt man denen was, oder lieber dem der für die ganze Familie das Geld verdienen möchte und dir ein Lagerfeuer und Trommelunterricht anbietet, investiert man in den einheimischen Schneider oder den Fischer. Oder sagt man zu allen nein, dass man fair bleibt.
Wem hilft man, wem nicht. Das ist auch nicht anders, wie im Krankenhaus, wenn man keine Mittel hat, das Baby zu reanimieren. Hier kommt man emotional und sozial oft an seine Grenzen, es zerbricht manchmal einem das Herz, und man ist ratlos und verunsichert wie man sich verhalten soll.
Auch wenn wir uns nach einer wieder unendlich anstrengenden Woche etwas erholen wollten und mal durchschnaufen wollten, ist auch hier wieder viel was durchdacht, abgewägt und ausprobiert werden muss.
Und es ist ein Paradies aber auch dieses kein traumhaftes sondern ein sehr echtes, indem man selten man einen Moment wirklich seine Ruhe hat.
Wir waren froh uns mal etwas zurückzuziehen.
Am Abend gab es zwecks Solaranlagen Strom und Licht und ein sehr günstiges warmes Essen mit gedecktem Tisch. Ich weiß nicht, wann ich mal glücklicher war, da tat so so so so so unfassbar megamässig gut. Für hier ein Luxus und absolut nicht selbstverständlich. Eine Rarität und sogar eine Toilette nur für uns.
Keine 10 anderen Leute die vor einem dran wollen, keine absolute Finsternis ab 18 Uhr, kein trockener Toast zum Abendbrot, nicht mal eine Kakalake heute. Wie unterschiedlich es hier nur sein kann. Auch wenn wir es nur einen Atemzug schnuppern dürfen.
Ich versuche es vollkommen zu genießen und den Struggle drumrum etwas auszublenden.

14.Tag

12.Tag Bilder

12.Tag

Heute war bin ich den ganzen Tag auf der Nursery gewesen. Ich wollte hier jetzt gleich mal ein paar Tage am Stück bleiben, da kann man sich mit den aktuellen Schichten bisschen einspielen und kommt besser rein, als ständig zwischen den Kinderstationen zu hopsen. 

Die zuständige Ärztin, die ich heute zum ersten Mal kennenlernen durfte, hat mir einfach direkt einen Bereich für die Visite zugeteilt. Ganz alleine hab ich das jetzt noch nie gemacht, wollte mich aber unbedingt der Aufgabe stellen. 

Dadurch, dass ich kein Chechewa kann, musste ich mehr auf meine Untersuchung wert legen. Für die ganz wichtigen Fragen, hab ich mir jemand zum Übersetzen gesucht. Nach dem ersten Baby hab ich das kurz besprochen, sie meinte es fehle noch mein Gesmteindruck, die weitere Vorgehensweise und die Anordnungen. 

Puh, dafür dass ich das nicht jeden Tag mache und jetzt noch nicht direkt -haha- Kinderarzt bin, kam ich da etwas ins Straucheln aber als sie mir sagte, das wird nachher in der Übergabe nochmal besprochen, war ich beruhigt und habe mich mutig an das Procedere gemacht. Ich hatte echt alles, von künstlichem  Darmausgang, bis Ateminsuffizient mit CPAP, ein Atemunterstüzungssystem, zu Hüftabszess und Augenentzündung. 

Die Übergabe wurde jedoch nicht – wie gedacht – gegengecheckt, sondern sie ließ sich von mir die Visite berichten und zeichnete es ab. Das war krass. Hätte ich nicht schon so viel Patientenerfahrung hätte ich bestimmt manches auch noch nicht einschätzen können. Nach der Anus OP mit künstlichem Ausgang hab ich auch gefragt, wie man die Durchgängigkeit prüft und ihr das dann weitergegeben, was mir dazu gesagt wurde. Mir wäre es lieber, wenn mehr nochmal gecheckt werden würde. Ich habe oft das Gefühl, die Clinitions, die die Hauptarbeit machen, sind nicht so gut geschult. Aber echte Ärzte – auch wennschon die Clinitions meistens als solche bezeichnet werden -sind rar. Es gibt wohl nur zwei für alle Kinderstationen zusammen. 

Meine Vorschläge wurden fast alle umgesetzt, eine Mikrobiologie von Gelenkpunktat wird aber nicht gemacht, das Warnsignal klar, dass ich mich mit dem Vorschlag aus dem Fenster lehnen würde. Stattdessen wurde, ratet mal, natürlich geröntgt. 

Dann wollte mich noch einer auf Knistergeräusche der Lunge eines kritischen Kindes hinweisen. Nebenan lag ein anderes Kind, welches während ich nebenan abhörte plötzlich reanimationspflichtig wurde. Ich blieb stehen und beobachtete, wie sie vorgingen. Nach den aktuellen Leitlinien wäre ich anders vorgegangen, konnte aber mit der Behandlung mitgehen. Wie genau ich dazu kam weiß ich schon gar nicht mehr genau, aber plötzlich hatte ich Handschuhe an und beamtete das Kind. Bei mir war der Herzschlag kräftig aber die Atmung sistierte komplett. Wie neulich erst in der Rettungsdienst Fortbildung mit Kinderreanimation, versuchte ich so kompetent wie möglich, die Maßnahmen fortzuführen. Nach einer Zeit atmete das Kind wieder. Ich wollte es assistiert weiter beatmen bis es suffizient atmete, aber das verstanden sie vor Ort nicht und rissen mir die Skale weg und meinten Sauerstoff reicht. 

Kurz später durfte ich erneut beatmen. Diesmal blieb ich eisern und wollte unbedingt meinem Bauchgefühl folgen. Die Atmung setzte wieder ein. Ich hatte einfach das Gefühl, das Kind atmet insuffizient und braucht noch Support, aber irgendwie gab es keinen. 

Mir wurde gesagt, ich soll es einfach lassen und das passt dann schon mit nur Sauerstoff. Ich drehte schier durch. 

Ich meinte, kann das Kind nicht einfach auf die Intensive Care, da kann man ja auch zur Not intubierten oder maschinell unterstützen. Sie meinte, ach ja ok dann machen wir das. Wo ist das denn und ich nur what. Das war eine Frage von mir, wo das ist und jetzt weißt du nicht mal, ob ihr das habt und wo? Ich war total panisch. Dann meinte ich, ruf doch einfach mal einem Arzt an, also einen richtigen und kläre das ab. Sie meinte, von so jemand hätte sie keine Telefonnummer. Ich konnte auch nichts tun, denn ich beatmete weiter.

Insgesamt ging das 1,5 Stunden, das Baby animieren und stimulieren, damit es atmete. Phasenweise auch komplett beatmen. Ich war nach der langen Zeit k.o. Weil auch niemand mehr helfen wollte, als die Beatmung einzustellen. Ich war traurig, dass das das einzige Management war. Das Kind war nicht todkrank, es kämpfte und hätte nur Support gebraucht. Aber keiner war fähig und alle meinten im Hintergrund, ich sei eh nicht abzubekommen das weiterzumachen. Ich fand zurecht. Nach 2.5 Stunden bei 40 Grad unter einer Wärmelampe war ich total fertig und das Kind atmete selber dauerhaft. Ich traute mich nicht weg zugehen, hatte das Gefühl keiner würde sich drum kümmern. Ich schreib meinen anderen Studenten, eine kam sofort und half mir. 

Das Kind blieb stabil, wir instruierten die Mutter das Kind zu stimulieren.

Das einzige, was sie gemacht haben, war genervt der Mutter zu erklären was gerade passiert und wie die Aussichten sind. Sie haben das Kainsmal schon aufgegeben. Mir sagten sie nach 20 min Reanimation wird es eingestellt. Diese war jedoch maximal 10 sec, die ganze lange Zeit war Beatmung, das Herz setzte zu keiner Zeit mehr aus. Alleine das nicht zu differenzieren war einfach falsch. Auch meiner Kommilitonin erkären sie, dass ich nicht abzubekommen war weiter zu machen. Sie verstanden es nicht, warum ich das tat. 

Aber danach kam sie auf mich zu und meinte, Hammer Arbeit – das Kind lebt. 

Ich war tief traurig, komplett fertig und den Tränen nah. Ich hatte echt gekämpft aber ohne eine Hilfe und wusste, wie es hier also abgeht. 

Dann kam eine Schwester, die ich noch gar nicht kannte und meinte sie bräuchte von mir dringend Hilfe. Jetzt war ich plötzlich gefragt, obwohl ich echt nicht die super Skills drauf habe, scheint es hier zu reichen, um zu imponieren. 

Während ich einem Frühchen einen Zugang etablieren sollte, waren die anderen auf den anderen Abteilungen der Neugeborenen Station verteilt. 

Als ich zurück kam, ging es meinem Kind immer noch gut. Ich war beruhigt. 

Ich fragte, was sie anderen gerade tun und sie meinten in der Zeit sei jemand aufgefallen dass ein anderes Kind keinen Herzschlag mehr hatte, es sei tot. Ich war schon zerstört, in meinen Kopf kam direkt, dass sie wahrscheinlich nichts gemacht haben, als sie das bemerkt haben. Ich merkte an diesem Tag schmerzhaft, wie es hier läuft. 

Bevor ich hier her gekommen bin, habe ich genau so ein Szenario erwartet und mich darauf eingestellt. Es dann tatsächlich zu erleben ist ganz anders!

Man wünscht sich so sehr, etwas zu bewirken wenn man hier ist. Etwas Gutes zu tun, zu helfen, zu unterstützen und Erfahrungen und Wissen zu teilen oder eben bei der Reanimation bessere Skills zu vermitteln. Aber hier machen sie es, wie sie es immer machen, keiner korrigiert, keiner gibt Tipps. Wie bei der Visite wird das. was die Ärzte – also sagen wir halbe Ärzte (mit 3 Jahres Ausbildung) – machen, nicht gegengeprüft. Medizin ist hier auf so einen anderen Niveau, wird so anders aufgebaut und so anders gelebt. Und wie bei dem Fall, gibt es einfach fast nichts. In Deutschland wären 3 Ärzte am intubieren, reanimieren, beatmen, es gäbe Medikamente, Perfusoren und Beatmungsgeräte Man würde alles machen, hier nicht. Hat es unter diesen Bedingungen hier überhaupt Sinn, high Level Medizin zu betreiben? 

Der Tag heute hat viele Gedanken in mir Geweckt, hat mich viel nachdenken lassen, hat mich verstört, Bodenständig gemacht und relativiert. 

Die zuständige Ärztin heute, ich nenne sie einfach mal zwecks ihres Zustämdigkeitsbereiches doch weiterhin so, hat mich weil ich durchgearbeitet habe dann zum Essen mit ihr eingeladen. Sie hatte selbst gekochtes Essen dabei. Es gab Nsima, Bohnen und sowas wie grünes Gemüse. Es gab kein Besteck und sie lachte mich aus, als ich das vermisste, 

Wir aßen zu viert aus einem Teller mit den Händen. Sie machte mir vor wie. Es war echt schwer und ich stellte mich ziemlich doof an. Sie schafften es, dass ihre Hände sehr sauber blieben ohne Soße, während ich aussah wie ein kleines Ferkel. Das war mal echt eine sehr individuelle Erfahrung. Komplett in das Leben der Einheimischen einzutauchen.  Es war eine Ehre, dazu eingeladen worden zu sein. 

Ich musste grinsen, als ich darüber nachdachte, was ich gerade getan hatte. 

Ich war froh die Hände zu waschen und dachte besser nicht nach, wie unhygienisch das gerade mit den Klinkhänden der Einheimischen gewesen sein musste. Oh my God 🤪

11.Tag

Heute Morgen war wie jeden Dienstag die große Versammlung aller Klinikärzte, mit Gebet vor und nach dem Vortrag einer Abteilung. Heute war die Physiotherapie dran mit einem Vortrag über die Behandlung von Paresen, bzw. Lähmungen nach Schlaganfall. Ziemlich spannend, dass hier die Physio -Abteilung ärztlich besetzt ist 🤗

Auf der Nursery mit den ganz gaaaanz lütten Kindern die absolut frisch geboren sind, lagen heute viele kritischem Kinder. Eins mit Gastroschisis, also frei liegenden inneren Darm-Organen, die quasi neben dem Bauchnabel außen liegen. Es war einfach noch nicht klar, wie und wann es operiert werden kann, die Platiktüte sah etwas arg improvisiert aus und da machte ich mir schon etwas Sorgen, wie es diesbezüglich versorgt wird. Ist halt etwas anderes als etwas ohne Infektionsgefahr. 

Ein Kind ist der Ärztin mit Schwellung der Beine aufgefallen, da hier ja eh immer alles ziemlich zügig geröntgt wurde, war es dieses Mal total indiziert, denn…. Femur, also Oberschenkel beider Beine waren gebrochen. Das Kind lag mit Traktion im Babybettchen. Das sah schon heftig aus. Und die richtig kritisch kranken Kinder hatten starke Infektionen, bzw. eine starke Ateminsuffizienz. Getan werde konnte laut betreuendem Arzt für diese Kinder weiter nichts mehr als die bisherige Therapie. Es hatte Krampfanfälle und konnte nur extrem insuffizient atmen. Es bekam hierfür nur eine Sauerstoffmaske. Unterstütze Beatmung ging wohl nicht, weil das Kind zu schlapp sei. Meine Frage nach Intubation wurde verneint. Das wird hier nicht gemacht. Wenn sie keine Mittel haben – ok… aber sie meinte, ne sie machen das einfach nicht, sondern nur die Ärzte auf Intensivstation und die Kinder seien ja hier. Außerdem gäb es zu wenig Beatmungsgeräte. Das sind hier einfach andere Situationen, die man akzeptieren muss. Man kann es vor Ort schon verstehen, aber krass ist es doch. Krass was man hinnimmt, krass wie es läuft. 

Mit Anna einer andere Studentin, bin ich nochmal kurz auf die Kinderstation nach Feierabend und wollten ein paar Kuscheltiere an die Kinder verteilen. Sie waren so süß und teilweise aber super schüchtern, sodass sie zu Beginn teils gar nicht wussten, ob ihnen das Kuscheltier was tut, sie wollten es schon haben, haben es dann aber vor Schreck fallen lassen 😂

Die Mama beruhigte es aber und später wurde es ihm auf den Rücken gebunden. So wie Eltern ihre Kinder tragen – sah schon super cute aus 😍. 

In der WG ist es mittlerweile heftig zu 10. Es liegen tausende Schuhe im Flur, Stapel an Cornflakespackungen und verstopfte Abflüsse. 

Es ist high Live vor dem einzigen Hahn und dem einzigen Eimer für Duschen, Wäschewaschen und Saubermachen. Es ist nicht immer leicht, so ganz ohne Rückzugsmöglichkeit. 

Die Neuen haben ein paar Tücher mitgebracht, die wir zum Schlafen nutzen können, dann müssen wir nachts ohne Decken und Kissen, außer dem vom Flieger nicht ganz so frösteln. Nachts ist es immer noch eiskalt. 

Heute hatte es sogar tagsüber nur 20 Grad, das ist so ungewöhnlich und hier wo alles offen ist, schon deutlich zu spüren. Ja hier ist es Frühling aber die Einheimischen kamen heute tatsächlich gleich alle mal mit Winterkittel an 😂. Das hatte ich jetzt nicht im Gepäck.

10.Tag

9. Tag

Am Sonntagmorgen bin ich sehr froh, dass alles gut gegangen ist. Ich leuchte alles aus, springe mutig auf und ziehe mich an. Hoffentlich hat der Nebel aus Mückenspray geholfen und die Mücken nicht gestochen. 

Ja – ich schätze, hier gibt es schon eine noch größere Gefahr Malariamücken und vielen anderen zu begegnen, aber darauf bin ich ja gut vorbereitet. 

Es ist nun kurz nach 5 Uhr und noch etwas duster. 

Erstaunlich, wie es tagsüber so unfassbar heiß sein kann und man in der Nacht komplett durchfriert. Gestern yay gab es aber zum Luxus eine Decke und ein Kissen. Das war ein so unfassbarer Komfort, wirklich bezaubernd! 

Die Decken werden zwar vermutlich, so wie sie aussehen und stauben, nie gewaschen, aber diesen Ekel habe ich jetzt mittlerweile überwunden. Wie gesagt, manchmal einfach so hinnehmen. Es ist hier, wie es ist. 

Noch ein Luxus am Morgen, es gibt frisch gebrühten Kaffee, der erste überhaupt. Ein Genuss. 

Als ich sehe, wie sie das kochende Wasser direkt von der Flamme in den Platikbehälter für die Depots eingießen weiß ich, warum das Wasser so furchtbar seltsam schmeckt. Ich verdrehe mal wieder innerlich die Augen. Immerhin habe ich noch 2 Liter Notwasser. Das ist wenigstens nicht pures Gift ☠️

Jetzt um 6 Uhr geht es los mit dem Jeep in den Park. Mein großer Traum ist, mal einem Elefanten zu begegnen. Die anderen afrikanischen Tiere kenne ich zwar auch nicht live, aber ein Löwe wäre schon etwas Besonderes. 

Wir sehen viele Antilopen, Affen und Schweine und nach mehrfachen Hinweisen der Guides und angestrengtem Starren durch Ferngläser Löwen in der Ferne schlafen. Etwas weiter kommen wir – so unendlich unfassbar – an eine Stelle, wo eine Löwin direkt neben einer erlegenen Antilope schläft. Wow! Erst bin ich mir nicht sicher, ob sie lebt, aber sie atmet!

Wir fahren so nah heran. Ich denke, die sind von allen guten Geistern verlassen. Jetzt macht sie die Augen auf und hebt den Kopf. Mir bleibt mein Herz stehen. Das Adrenalin rauscht nur so durch meine Adern. Wir fahren langsam weiter – durchatmen.

Faszinierend, ich war einfach 3 Meter von einem freilebenden Löwen weg gewesen. 

Es ist wohl nicht von Nachteil, dass die Löwin gerade erst gefressen hatte, auch wenn die Guides behaupten, die tun Menschen nichts wenn sie sich nicht falsch verhalten.

Was kann jetzt noch Besonderes passieren? Und ich habe tatsächlich noch das Privileg meinen Elefanten zu sehen. Vor dem See, einigermaßen nah und Nina üüüüüberglücklich.

Als ob es nicht besser hätte werden können, sind wir dann nochmal mit lauter anderen Leuten, die wir alle an diesem Tag zum ersten Mal getroffen hatten ins wahrhaftige Paradies gefahren. 

Ein Fluss, der vom Malawisee abgeht, Natur und Idylle pur. Hippos, Krokodile, und die absolute Krönung nochmal ein Elefant, der verletzt mit vom Krokodil abgefressenem Rüssel, getrennt von seiner Herde, im Schilf frisst 

Der Sonnenuntergang krönt die ganzen besonderen Bilder, die schnaubenden Hippos im Wasser. Der unglaublich liebe Malawi, der uns alles zu den Tieren erklärt und uns lauter Malawi Insider erzählt, erklärt geduldig worauf man hier aufpassen muss. Wir fühlen uns sehr willkommen. Das ist schön! 

Zurück zum Camp. Wir kommen an vielen Einheimischen vorbei und werden sehr skeptisch beäugt. Die Malawis leben hier unfassbar arm. Dagegen ist Zomba noch echt teilweise eine Art Luxuszone, wenn man dieses Wort hier überhaupt nutzen darf.

Egal wie sehr man auf dem Land ist, wie verfallen die Buden sind, an denen man vorbeikommt, überall sieht man Kinder auf der Straße die rennen oder schreien und wie wild winken. Das ist echt super süß. Aber vor allem die super kleinen Knirpse, die gerade so laufen können, sind ein Bild für Götter. 

Manchmal tragen sogar Vierjährige ihre kleinen Säuglingsgeschwister, schon auf den Rücken gebunden, durch die Gegend.

Mein erster Elefant in freier Natur

8.Tag

Erst waren wir 4 Studenten bisher alle aus Deutschland, jetzt sind wir 7, nächste Woche werden wir 10 sein. Ich bin gespannt, wie es wird mit einem Wasserzugang , einer Ablagefläche, keinem Tisch und 4 Platikstühlen für draußen 🤪.

Gestern Abend kamen noch drei neue Studenten, die mitten in die Nachtruhe, also nach 19 Uhr – da geht man in Malawi ja langsam ins Bett, weil es einfach nach 17 Uhr schon duster wird – eintrudelten und noch nicht wussten, wie unfassbar hellhörig das Haus ist. Man hört jedes Geräusch, echt alles, als ob es in deinem Zimmer ist. Hier ist nichts abgedichtet. Die Neuen sind – ebenso wie wir vor einer Woche – total überfordert von den neuen Eindrücken. Auch sie sind mit Stromausfall und bei Dunkelheit einzogen. 

Der Wecker klingelt heute schon um 6 Uhr.

Zum Frühstück gibt es mal wieder trockenes weißes Toastbrot mit Honig. Die Malawies nebenan haben schon laute afrikanische Musik an und beschallen damit jede Ecke. Sie machen damit super Laune und waschen vor dem Haus ihre Wäsche. 

Im Krankenhaus ist heute Samstag tote Hose, fast alle Ärzte haben frei, ich weiß gar nicht wer da ist. Es gibt nix zu tun – schließlich ist ja Wochenende und die Woche endet am Freitag.

Also folgten wir dem Tipp der Einheimischen im Nationalpark vorbeizuschauen und planten das für dieses Wochenende ein. Wenn wir einmal hier sind, möchten Johanna, die andere Dresdner Studentin und ich auch gerne die Natur, Kultur und Besonderheiten des Landes kennenlernen und erkunden.

Ich erfahre hier jeden Moment, jeden Tag so viel Neues, so viel Unerwartetes, so viel Verrücktes. 

Wir laufen mit gepacktem Rucksack, viel Wasser(!) und etwas Essen wie Kartoffeln und Bananen vor zur Straße. 

Wir halten nach einem Minibus Ausschau – das Fortbewegungsmittel hier in Zomba. Der erste Fahrer ist richtig nett und nimmt uns ein paar hundert Meter mit zur anscheinend richtigen Wartestelle und zeigt mir sogar die richtige Seite. 

Als dann der richtige Minibus ankommt, streckt einer sein Kopf aus dem Fenster und hält Ausschau nach Fahrgästen. Er springt schon aus der Seitentür bevor der Bus richtig hält. Leider versuchen sie hier immer mal wieder uns total abziehen. Wir diskutieren etwas rum und er nimmt uns dann mit. 

Ja der Minibus sieht aus wie ein kleiner VW Bus. Nur in super alt. Ungefähr drei Reihen plus Fahrer vorne, also insgesamt ca. zehn Plätze. 

Die Seitentür ist so marode, dass sie nicht richtig zugeht, die Frontscheibe hat viele Sprünge. Sicher ist schon mal ein riesiger Gegenstand draufgeknallt. Also steigen wir ein – nein wir klettern eher hinein.Die Füße auf einen Reissack, die Beine wegklappen, damit die Tür noch zugeht. Und immer weitere Mitfahrer kommen hinzu. Statt zehn waren am Ende etwa 23 Leute in diesem kleinen Bus. 

Eine Mama mit drei gestapelten Kindern wird komplett an die Scheibe gedrückt, alle sitzen schräg. Sowas wie eine feste Sitzzahl mit Gurten, gibt es natürlich nicht 😂

Kurz vor einer der vielen Polizeikontrollpunkte der Strecke wird eine Frau gebeten schon mal vorzulaufen, diese pickt der Bus dann nach der Kontrolle wieder auf. Dabei verstehe ich nicht so richtig, was bei einem komplett überfüllten Bus diese eine Person für einen Unterschied macht.

Wann immer der Bus hält, strecken Verkäufer Bananen oder Mais durch die Fenster, um sie zu verkaufen. Der Afrikaner vor mir toucht alle einmal an und nimmt dann eins 😜.

Die Strecke nach Lilongwe dauert so ungefähr 1,5 Stunden und hat viiiiele Schlaglöcher. Als wir zwischendrin ein Selfie von uns machen schnauzt mich eine Afrikanerin böse an, weil sie im Hintergrund minimal mit drauf sein könnte. Ich stecke mein Handy resigniert zurück. Als später andere hinter uns sitzen, wollten sie direkt unsere Handynummer haben und fragen uns aus. 

Alles in allem eine ziemlich verrückte Reise. Ich schätze mal, diese Erfahrungen sind es echt wert sich so fortzubewegen, wie die Einheimischen. Man hat Reissäcke unter den Füßen, sieht Hühner bei anderen auf dem Schoß und dazwischen liegen noch die ganzen Taschen und Beutel aller Fahrgäste.

Als wir ankommen wartet schon der bestellte Guide des Parks, der uns aufpickt.

Trotzdem werden wir umgarnt von Afrikanern die uns per Motorrad, Fahrrad oder Auto irgendwo hinbringen wollen oder uns etwas zu essen andrehen wollen. 

Angekommen im Camp beziehen wir eine Schlafmöglichkeit in einem, sagen wir mal Gruppenraum, flicken zuerst das löchrige Mückennetz und genießen dann die Aussicht auf der Plattform. 

Als die Dämmerung einsetzt, kommen nochmal mehr Leute an und man glaubt es kaum, wen ich mitten im Nationalpark in Malawie treffe, einen Schwaben mit Jeep und Reutlinger Kennzeichen 😍. Später lauschen wir seinen Reiseerfahrungen.

Am Abend werden überall Kerzen aufgestellt. Strom gibts wieder nicht, lediglich einige Lichter funktionieren mit Solarstrom. Gekocht wird mit Feuer. Die Räume sind alle offen. 

Wenn man irgendwohin gehen möchte kommen immer Guides und begleiten einen mit der Taschenlampe, denn ….

Wenn man irgendwo hin wollte auf eine Platform kamen immer ein paar Guides und begleiteten dich mit Taschenlampe, denn……

….netterweise erzählen sie uns, man sollte doch immer erstmal den Weg ausleuchten, wo man hin möchte, um rechtzeitig den Elefanten oder Löwen zu sehen, der da gerade frisst. 

Erst dachte ich, es ist ein Witz, dass die Tiere bis mitten ins Camp kommen, soll aber erst letzte Nacht passiert sein. 

Also werde ich doch etwas nervös. Doch wieder eine Grenzerfahrung. Lebensmittel dürfen hier nicht gelagert werden, weil sonst die Affen sich hereinquetschen und alles auseinandernehmen. Zähneputzen und dann vorsichtig um die Ecke schauen. Lieber auch im Bett nicht wissen, was für Tiere da alles rumkrabbelen. Ich bin ja jetzt hier schon ein paar ungebetene Gäste gewohnt, aber so sehr in der Natur wie hier, war ich noch nie. 

Es ist alles offen, wunderschön, mit dem Sternenhimmel bei so milden Tempersturen, aber auch sehr sehr gruselig. 

Ich schüttle die Schuhe ab und springe schnell unters Netz. Ich höre die Mosquitos summen und hoffe alle Löcher sind geflickt. Aber auch viele andere Tiere melden sich. 

Ich hoffe auf die Erfahrung der Guys, ich hoffe auf die Sicherheit des Camps, ich versuche keinen Gedanken durchzuspinnen. 

Wo schon kann man nachts von Tieren aufgespürt werden, liegt quasi unter freiem Himmel nur getrennt durch ein Mosquitonetz mitten in Afrika. 

Ich finde es soooo super gruselig, so super aufregend, so super spannend und bin glücklich das mal zu erleben.