Heute war ein ereignisreicher und toller Tag.
Am Morgen hatten wir endlich Strom und es gab einen heißen Tee zu den frischen Morgenstunden.
Als ich zur Übergabe von Neonatologie und Kinderstation kam, dieses Mal 10 min später als angesetzt, war ich das erste mal nicht viel zu früh. 😇
Nach der Besprechung packten die Ärzte plötzlich Mitgebrachtes aus und meinten heute ist Kuchenfreitag. Wir feiern, dass mal wieder eine Woche zu Ende geht – das fand ich ja richtig gut. Es gab Wassermelone und Kuchen, das war für eine hier immer hungrige Nina genau das Richtige.
Danach ging es direkt in den OP. Heute war ich nicht mehr ganz so überrascht und geschockt. Ich wusste ja in etwa, was mich erwarten würde.
Ich schaute in die verschiedenen OP Räume rein und gesellte mich zum Anästhesisten den ich vom Vortag schon kannte.
Er drückte mir sofort sterile Handschuhe in die Hände und meinte, ich solle gleich mal Hand anlegen. Ich spritze dem Kind das Narkotikum und es schlief ein, in Teamwork intubierten wir das Kind, der Arzt war etwas gemütlich, alles was er tat, kannte ich anders. Manche Schritte, die man so kennt, lassen sie hier weg, nach dem Motto – das wird schon so passen. Trotzdem wollte ich das Kind gerne abhören, um sicherzugehen, dass nicht der Magen beatmet wird. Da machte er große Augen, danke mir dafür und vertraute ganz auf mein Urteil. Das ehrt mich, jedoch bin ich schließlich nur Studentin und sollte auch noch Fehler machen dürfen. Aber hier gibt es auch echt wenige richtige Ärzte mit 6 Jahre Studium, die meisten haben die 3 Jahres-Ausbildung und dürfen damit richtig viel eigenständig behandeln.
Der Anästhesist bedankte sich total bei mir, dass ich ihm bei der Narkose geholfen habe. Ich fand das mega lieb, dass er die Arbeit meinerseits so geschätzt hat. Und mich bereichert es, wenn ich wirklich was tun und helfen kann.
Das Kind hatte eine Invagination des Darmes und brauchte eine Colon-Teilresektion mit End-zu-End-Anastomose.
Hier konnte ich nichts mehr tun und bin in den nächsten OP.
Ich stellte mich dem am ehesten als Arzt aussehenden Menschen vor. Er freute sich, mich kennenzulernen und nahm mich direkt mit zum Waschen.
Ja, meine Taktik ist, sich nicht wundern, einfach das so machen, wie sie es hier machen. Also wuschen wir die Hände mit Seife und ja, desinfizierten sie eben nicht. Das macht man nämlich nicht zum Einwaschen. Auch die Zeit wird hier etwas eingekürzt.
Dann gibt es im OP ein Handtuch zum Abtrocknen, auch untypisch, welches man einfach auf den Boden werfen soll. Da zögerte ich schon kurz, aber alle bestärkten mich, also machte ich das so. Der Kittel ist wohl auch steril, bzw autoklaviert, aber staubt ganz schön… dann gibt es sterile Handschuhe und das mal zur Ausnahme andersherum, hier sogar zwei Paar. Das kenne ich so nicht, beruhigte mich aber ungemein.
Ja und dann ging es an den Tisch. Als erste Assistenz.
In Deutschland habe ich operativ bisher nur einmal bei einer Gyn OP und einmal bei einer Abdomen OP assistiert, das macht man üblicherweise als dritte Person. Also war ich gespannt, gerade auch wegen der Sprache und vorfreudig was mich erwartet. Ahja bis dato wusste ich noch gar nicht was für eine OP mich genau erwarten würde. Ich sah nur eine unfassbar große Geschwulst am Fuß.
Die Patientin war wach und bekam alles mit. Sie hatte jedoch eine Spinalanästhesie womit sie an den Beinen nichts spüren konnte. Ich blickte über das Instrumentensieb und wusste schon was passieren würde.
Wir musste nicht mal viel reden, meistens habe ich anhand der Gesten schon erkannt, wie ich unterstützen konnte, ob ich schneiden oder abklemmen sollte.
Wenn er eine Arterie getroffen hatte, drückte ich ab, während er eine Klemme orderte und ich den Faden umlegte, er knotete und ich Abschnitt.
So arbeiteten wir Hand in Hand. In Deutschland darf man nie so viel machen, man stellt sich immer vor, dass man das schon hinkriegen würde, hatte ja auch Kurse im Skills Lab besucht, aber im OP machen das dann trotzdem höher gestellte Ärzte. Hier macht man es einfach und das war einfach toll. Und hat mich medizinisch in meiner Entwicklung total bereichert.
Und dann wurde es etwa rabiater.
Die Muskeln wurden durchtrennt, und der Knochen freigeschabt, der Arzt setzte die Knochensäge an, während ich versuchte das funktionsfähige Bein zu stabilisieren.
Allein den durchtrennten Knochen wegzuhalten und den Röhrenknochen zu spüren, war mal sehr interessant. Auch wie durch den Counter die Muskeln kontrahierten, war spannend.
Ach ja, der Elektrocounter verursachte eine große Verzögerung. Dieser war nämlich zu Anfang einfach kaputt, wer hätte es gedacht, der zweite dann auch. Yay. Erst der dritte, den sie aus dem anderen OP holten, funktionierte. Bis dahin klemmten wir alle Gefäße händisch ab, was einen kleinen Park an Klemmen erzeugte und uns nicht wirklich voran brachte…
Nachdem wir dann die Knochen durchtrennt und den Nerven aufgesucht hatten, sollten eigentlich die Muskeln so gekürzt werden, dass ein schöner Stumpf entstehen kann. Also differenzieren was bleibt, was soll weg.
Ja leider fiel in dem Moment der Strom aus und das Licht war weg. Er machte aber einfach weiter, was ich super mutig fand, weil man echt nicht mehr viel sehen konnte. Ich hätte kurz gewartet, aber ihn juckte das gar nicht. Er machte weiter und zwei Assistenten leuchteten mit ihren Handys, damit er wenigstens nicht radikal daneben kam.
Ich dachte im OP gäbe es Notstromaggregate, aber es dauerte erschreckend lange ohne Strom.
Ich schüttelte innerlich mal wieder den Kopf über das was ich erlebte.
Zum Mittagessen ging ich heute zum ersten Mal ganz alleine als Weiße durch die Stadt. Die Rate, angesprochen zu werden stieg enorm an. Als ich dann Militär bei Hitze die Straße hochrennen sah, die lustig klingende Sachen riefen, machte ich von der anderen Straßenseite ein Foto. Das bereute ich schnell. Plötzlich schrien sie aggressivst los und ich war so überwältigt, was gerade plötzlich abging. Ich war froh, dass mir nichts passierte.
Richtig seltsam, dich fotografieren immer alle, aber die Leute selbst wollen das hier nicht so.
Zurück zu Hause musste ich die Klinik-Kasacks im Hof waschen, damit ich wieder frische Sachen hatte. Ein Graus, dass man das nicht in der Klinik lässt. Auch wieder etwas, worüber man nicht nachdenken darf.
Zum Abendessen gibt es drei Samosas. Diese werden immer in einem Plastikeimer an der Straße vor der Klinik verkauft, erst gab es eins dann zwei, heute drei, ich taste mich langsam ran, möchte nicht wieder meinen Magen riskieren 😝
Jeden Tag, den ich hier bin denke ich daran, wie man woanders auf der Welt sauberes und reichlich Trinkwasser, genug Essen, dauerhaft Strom, warme Duschen uvm. (von Kochplatten, Waschmaschinen und Co fange ich ja gar nicht an) haben kann – im Gegensatz zu hier. Sowie saubere Luft und reine Häuser und man bei einem Mückenstich keine Angst vor Malaria haben muss.
Es ist ein Geschenk zu wissen, wie es anders sein kann und weckt unendliche Dankbarkeit.🙏




















































