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Am Sonntagmorgen bin ich sehr froh, dass alles gut gegangen ist. Ich leuchte alles aus, springe mutig auf und ziehe mich an. Hoffentlich hat der Nebel aus Mückenspray geholfen und die Mücken nicht gestochen.
Ja – ich schätze, hier gibt es schon eine noch größere Gefahr Malariamücken und vielen anderen zu begegnen, aber darauf bin ich ja gut vorbereitet.
Es ist nun kurz nach 5 Uhr und noch etwas duster.
Erstaunlich, wie es tagsüber so unfassbar heiß sein kann und man in der Nacht komplett durchfriert. Gestern yay gab es aber zum Luxus eine Decke und ein Kissen. Das war ein so unfassbarer Komfort, wirklich bezaubernd!
Die Decken werden zwar vermutlich, so wie sie aussehen und stauben, nie gewaschen, aber diesen Ekel habe ich jetzt mittlerweile überwunden. Wie gesagt, manchmal einfach so hinnehmen. Es ist hier, wie es ist.
Noch ein Luxus am Morgen, es gibt frisch gebrühten Kaffee, der erste überhaupt. Ein Genuss.
Als ich sehe, wie sie das kochende Wasser direkt von der Flamme in den Platikbehälter für die Depots eingießen weiß ich, warum das Wasser so furchtbar seltsam schmeckt. Ich verdrehe mal wieder innerlich die Augen. Immerhin habe ich noch 2 Liter Notwasser. Das ist wenigstens nicht pures Gift ☠️
Jetzt um 6 Uhr geht es los mit dem Jeep in den Park. Mein großer Traum ist, mal einem Elefanten zu begegnen. Die anderen afrikanischen Tiere kenne ich zwar auch nicht live, aber ein Löwe wäre schon etwas Besonderes.
Wir sehen viele Antilopen, Affen und Schweine und nach mehrfachen Hinweisen der Guides und angestrengtem Starren durch Ferngläser Löwen in der Ferne schlafen. Etwas weiter kommen wir – so unendlich unfassbar – an eine Stelle, wo eine Löwin direkt neben einer erlegenen Antilope schläft. Wow! Erst bin ich mir nicht sicher, ob sie lebt, aber sie atmet!
Wir fahren so nah heran. Ich denke, die sind von allen guten Geistern verlassen. Jetzt macht sie die Augen auf und hebt den Kopf. Mir bleibt mein Herz stehen. Das Adrenalin rauscht nur so durch meine Adern. Wir fahren langsam weiter – durchatmen.
Faszinierend, ich war einfach 3 Meter von einem freilebenden Löwen weg gewesen.
Es ist wohl nicht von Nachteil, dass die Löwin gerade erst gefressen hatte, auch wenn die Guides behaupten, die tun Menschen nichts wenn sie sich nicht falsch verhalten.
Was kann jetzt noch Besonderes passieren? Und ich habe tatsächlich noch das Privileg meinen Elefanten zu sehen. Vor dem See, einigermaßen nah und Nina üüüüüberglücklich.
Als ob es nicht besser hätte werden können, sind wir dann nochmal mit lauter anderen Leuten, die wir alle an diesem Tag zum ersten Mal getroffen hatten ins wahrhaftige Paradies gefahren.
Ein Fluss, der vom Malawisee abgeht, Natur und Idylle pur. Hippos, Krokodile, und die absolute Krönung nochmal ein Elefant, der verletzt mit vom Krokodil abgefressenem Rüssel, getrennt von seiner Herde, im Schilf frisst
Der Sonnenuntergang krönt die ganzen besonderen Bilder, die schnaubenden Hippos im Wasser. Der unglaublich liebe Malawi, der uns alles zu den Tieren erklärt und uns lauter Malawi Insider erzählt, erklärt geduldig worauf man hier aufpassen muss. Wir fühlen uns sehr willkommen. Das ist schön!
Zurück zum Camp. Wir kommen an vielen Einheimischen vorbei und werden sehr skeptisch beäugt. Die Malawis leben hier unfassbar arm. Dagegen ist Zomba noch echt teilweise eine Art Luxuszone, wenn man dieses Wort hier überhaupt nutzen darf.
Egal wie sehr man auf dem Land ist, wie verfallen die Buden sind, an denen man vorbeikommt, überall sieht man Kinder auf der Straße die rennen oder schreien und wie wild winken. Das ist echt super süß. Aber vor allem die super kleinen Knirpse, die gerade so laufen können, sind ein Bild für Götter.
Manchmal tragen sogar Vierjährige ihre kleinen Säuglingsgeschwister, schon auf den Rücken gebunden, durch die Gegend.











Erst waren wir 4 Studenten bisher alle aus Deutschland, jetzt sind wir 7, nächste Woche werden wir 10 sein. Ich bin gespannt, wie es wird mit einem Wasserzugang , einer Ablagefläche, keinem Tisch und 4 Platikstühlen für draußen 🤪.
Gestern Abend kamen noch drei neue Studenten, die mitten in die Nachtruhe, also nach 19 Uhr – da geht man in Malawi ja langsam ins Bett, weil es einfach nach 17 Uhr schon duster wird – eintrudelten und noch nicht wussten, wie unfassbar hellhörig das Haus ist. Man hört jedes Geräusch, echt alles, als ob es in deinem Zimmer ist. Hier ist nichts abgedichtet. Die Neuen sind – ebenso wie wir vor einer Woche – total überfordert von den neuen Eindrücken. Auch sie sind mit Stromausfall und bei Dunkelheit einzogen.
Der Wecker klingelt heute schon um 6 Uhr.
Zum Frühstück gibt es mal wieder trockenes weißes Toastbrot mit Honig. Die Malawies nebenan haben schon laute afrikanische Musik an und beschallen damit jede Ecke. Sie machen damit super Laune und waschen vor dem Haus ihre Wäsche.
Im Krankenhaus ist heute Samstag tote Hose, fast alle Ärzte haben frei, ich weiß gar nicht wer da ist. Es gibt nix zu tun – schließlich ist ja Wochenende und die Woche endet am Freitag.
Also folgten wir dem Tipp der Einheimischen im Nationalpark vorbeizuschauen und planten das für dieses Wochenende ein. Wenn wir einmal hier sind, möchten Johanna, die andere Dresdner Studentin und ich auch gerne die Natur, Kultur und Besonderheiten des Landes kennenlernen und erkunden.
Ich erfahre hier jeden Moment, jeden Tag so viel Neues, so viel Unerwartetes, so viel Verrücktes.
Wir laufen mit gepacktem Rucksack, viel Wasser(!) und etwas Essen wie Kartoffeln und Bananen vor zur Straße.
Wir halten nach einem Minibus Ausschau – das Fortbewegungsmittel hier in Zomba. Der erste Fahrer ist richtig nett und nimmt uns ein paar hundert Meter mit zur anscheinend richtigen Wartestelle und zeigt mir sogar die richtige Seite.
Als dann der richtige Minibus ankommt, streckt einer sein Kopf aus dem Fenster und hält Ausschau nach Fahrgästen. Er springt schon aus der Seitentür bevor der Bus richtig hält. Leider versuchen sie hier immer mal wieder uns total abziehen. Wir diskutieren etwas rum und er nimmt uns dann mit.
Ja der Minibus sieht aus wie ein kleiner VW Bus. Nur in super alt. Ungefähr drei Reihen plus Fahrer vorne, also insgesamt ca. zehn Plätze.
Die Seitentür ist so marode, dass sie nicht richtig zugeht, die Frontscheibe hat viele Sprünge. Sicher ist schon mal ein riesiger Gegenstand draufgeknallt. Also steigen wir ein – nein wir klettern eher hinein.Die Füße auf einen Reissack, die Beine wegklappen, damit die Tür noch zugeht. Und immer weitere Mitfahrer kommen hinzu. Statt zehn waren am Ende etwa 23 Leute in diesem kleinen Bus.
Eine Mama mit drei gestapelten Kindern wird komplett an die Scheibe gedrückt, alle sitzen schräg. Sowas wie eine feste Sitzzahl mit Gurten, gibt es natürlich nicht 😂
Kurz vor einer der vielen Polizeikontrollpunkte der Strecke wird eine Frau gebeten schon mal vorzulaufen, diese pickt der Bus dann nach der Kontrolle wieder auf. Dabei verstehe ich nicht so richtig, was bei einem komplett überfüllten Bus diese eine Person für einen Unterschied macht.
Wann immer der Bus hält, strecken Verkäufer Bananen oder Mais durch die Fenster, um sie zu verkaufen. Der Afrikaner vor mir toucht alle einmal an und nimmt dann eins 😜.
Die Strecke nach Lilongwe dauert so ungefähr 1,5 Stunden und hat viiiiele Schlaglöcher. Als wir zwischendrin ein Selfie von uns machen schnauzt mich eine Afrikanerin böse an, weil sie im Hintergrund minimal mit drauf sein könnte. Ich stecke mein Handy resigniert zurück. Als später andere hinter uns sitzen, wollten sie direkt unsere Handynummer haben und fragen uns aus.
Alles in allem eine ziemlich verrückte Reise. Ich schätze mal, diese Erfahrungen sind es echt wert sich so fortzubewegen, wie die Einheimischen. Man hat Reissäcke unter den Füßen, sieht Hühner bei anderen auf dem Schoß und dazwischen liegen noch die ganzen Taschen und Beutel aller Fahrgäste.
Als wir ankommen wartet schon der bestellte Guide des Parks, der uns aufpickt.
Trotzdem werden wir umgarnt von Afrikanern die uns per Motorrad, Fahrrad oder Auto irgendwo hinbringen wollen oder uns etwas zu essen andrehen wollen.
Angekommen im Camp beziehen wir eine Schlafmöglichkeit in einem, sagen wir mal Gruppenraum, flicken zuerst das löchrige Mückennetz und genießen dann die Aussicht auf der Plattform.
Als die Dämmerung einsetzt, kommen nochmal mehr Leute an und man glaubt es kaum, wen ich mitten im Nationalpark in Malawie treffe, einen Schwaben mit Jeep und Reutlinger Kennzeichen 😍. Später lauschen wir seinen Reiseerfahrungen.
Am Abend werden überall Kerzen aufgestellt. Strom gibts wieder nicht, lediglich einige Lichter funktionieren mit Solarstrom. Gekocht wird mit Feuer. Die Räume sind alle offen.
Wenn man irgendwohin gehen möchte kommen immer Guides und begleiten einen mit der Taschenlampe, denn ….
Wenn man irgendwo hin wollte auf eine Platform kamen immer ein paar Guides und begleiteten dich mit Taschenlampe, denn……
….netterweise erzählen sie uns, man sollte doch immer erstmal den Weg ausleuchten, wo man hin möchte, um rechtzeitig den Elefanten oder Löwen zu sehen, der da gerade frisst.
Erst dachte ich, es ist ein Witz, dass die Tiere bis mitten ins Camp kommen, soll aber erst letzte Nacht passiert sein.
Also werde ich doch etwas nervös. Doch wieder eine Grenzerfahrung. Lebensmittel dürfen hier nicht gelagert werden, weil sonst die Affen sich hereinquetschen und alles auseinandernehmen. Zähneputzen und dann vorsichtig um die Ecke schauen. Lieber auch im Bett nicht wissen, was für Tiere da alles rumkrabbelen. Ich bin ja jetzt hier schon ein paar ungebetene Gäste gewohnt, aber so sehr in der Natur wie hier, war ich noch nie.
Es ist alles offen, wunderschön, mit dem Sternenhimmel bei so milden Tempersturen, aber auch sehr sehr gruselig.
Ich schüttle die Schuhe ab und springe schnell unters Netz. Ich höre die Mosquitos summen und hoffe alle Löcher sind geflickt. Aber auch viele andere Tiere melden sich.
Ich hoffe auf die Erfahrung der Guys, ich hoffe auf die Sicherheit des Camps, ich versuche keinen Gedanken durchzuspinnen.
Wo schon kann man nachts von Tieren aufgespürt werden, liegt quasi unter freiem Himmel nur getrennt durch ein Mosquitonetz mitten in Afrika.
Ich finde es soooo super gruselig, so super aufregend, so super spannend und bin glücklich das mal zu erleben.









Heute war ein ereignisreicher und toller Tag.
Am Morgen hatten wir endlich Strom und es gab einen heißen Tee zu den frischen Morgenstunden.
Als ich zur Übergabe von Neonatologie und Kinderstation kam, dieses Mal 10 min später als angesetzt, war ich das erste mal nicht viel zu früh. 😇
Nach der Besprechung packten die Ärzte plötzlich Mitgebrachtes aus und meinten heute ist Kuchenfreitag. Wir feiern, dass mal wieder eine Woche zu Ende geht – das fand ich ja richtig gut. Es gab Wassermelone und Kuchen, das war für eine hier immer hungrige Nina genau das Richtige.
Danach ging es direkt in den OP. Heute war ich nicht mehr ganz so überrascht und geschockt. Ich wusste ja in etwa, was mich erwarten würde.
Ich schaute in die verschiedenen OP Räume rein und gesellte mich zum Anästhesisten den ich vom Vortag schon kannte.
Er drückte mir sofort sterile Handschuhe in die Hände und meinte, ich solle gleich mal Hand anlegen. Ich spritze dem Kind das Narkotikum und es schlief ein, in Teamwork intubierten wir das Kind, der Arzt war etwas gemütlich, alles was er tat, kannte ich anders. Manche Schritte, die man so kennt, lassen sie hier weg, nach dem Motto – das wird schon so passen. Trotzdem wollte ich das Kind gerne abhören, um sicherzugehen, dass nicht der Magen beatmet wird. Da machte er große Augen, danke mir dafür und vertraute ganz auf mein Urteil. Das ehrt mich, jedoch bin ich schließlich nur Studentin und sollte auch noch Fehler machen dürfen. Aber hier gibt es auch echt wenige richtige Ärzte mit 6 Jahre Studium, die meisten haben die 3 Jahres-Ausbildung und dürfen damit richtig viel eigenständig behandeln.
Der Anästhesist bedankte sich total bei mir, dass ich ihm bei der Narkose geholfen habe. Ich fand das mega lieb, dass er die Arbeit meinerseits so geschätzt hat. Und mich bereichert es, wenn ich wirklich was tun und helfen kann.
Das Kind hatte eine Invagination des Darmes und brauchte eine Colon-Teilresektion mit End-zu-End-Anastomose.
Hier konnte ich nichts mehr tun und bin in den nächsten OP.
Ich stellte mich dem am ehesten als Arzt aussehenden Menschen vor. Er freute sich, mich kennenzulernen und nahm mich direkt mit zum Waschen.
Ja, meine Taktik ist, sich nicht wundern, einfach das so machen, wie sie es hier machen. Also wuschen wir die Hände mit Seife und ja, desinfizierten sie eben nicht. Das macht man nämlich nicht zum Einwaschen. Auch die Zeit wird hier etwas eingekürzt.
Dann gibt es im OP ein Handtuch zum Abtrocknen, auch untypisch, welches man einfach auf den Boden werfen soll. Da zögerte ich schon kurz, aber alle bestärkten mich, also machte ich das so. Der Kittel ist wohl auch steril, bzw autoklaviert, aber staubt ganz schön… dann gibt es sterile Handschuhe und das mal zur Ausnahme andersherum, hier sogar zwei Paar. Das kenne ich so nicht, beruhigte mich aber ungemein.
Ja und dann ging es an den Tisch. Als erste Assistenz.
In Deutschland habe ich operativ bisher nur einmal bei einer Gyn OP und einmal bei einer Abdomen OP assistiert, das macht man üblicherweise als dritte Person. Also war ich gespannt, gerade auch wegen der Sprache und vorfreudig was mich erwartet. Ahja bis dato wusste ich noch gar nicht was für eine OP mich genau erwarten würde. Ich sah nur eine unfassbar große Geschwulst am Fuß.
Die Patientin war wach und bekam alles mit. Sie hatte jedoch eine Spinalanästhesie womit sie an den Beinen nichts spüren konnte. Ich blickte über das Instrumentensieb und wusste schon was passieren würde.
Wir musste nicht mal viel reden, meistens habe ich anhand der Gesten schon erkannt, wie ich unterstützen konnte, ob ich schneiden oder abklemmen sollte.
Wenn er eine Arterie getroffen hatte, drückte ich ab, während er eine Klemme orderte und ich den Faden umlegte, er knotete und ich Abschnitt.
So arbeiteten wir Hand in Hand. In Deutschland darf man nie so viel machen, man stellt sich immer vor, dass man das schon hinkriegen würde, hatte ja auch Kurse im Skills Lab besucht, aber im OP machen das dann trotzdem höher gestellte Ärzte. Hier macht man es einfach und das war einfach toll. Und hat mich medizinisch in meiner Entwicklung total bereichert.
Und dann wurde es etwa rabiater.
Die Muskeln wurden durchtrennt, und der Knochen freigeschabt, der Arzt setzte die Knochensäge an, während ich versuchte das funktionsfähige Bein zu stabilisieren.
Allein den durchtrennten Knochen wegzuhalten und den Röhrenknochen zu spüren, war mal sehr interessant. Auch wie durch den Counter die Muskeln kontrahierten, war spannend.
Ach ja, der Elektrocounter verursachte eine große Verzögerung. Dieser war nämlich zu Anfang einfach kaputt, wer hätte es gedacht, der zweite dann auch. Yay. Erst der dritte, den sie aus dem anderen OP holten, funktionierte. Bis dahin klemmten wir alle Gefäße händisch ab, was einen kleinen Park an Klemmen erzeugte und uns nicht wirklich voran brachte…
Nachdem wir dann die Knochen durchtrennt und den Nerven aufgesucht hatten, sollten eigentlich die Muskeln so gekürzt werden, dass ein schöner Stumpf entstehen kann. Also differenzieren was bleibt, was soll weg.
Ja leider fiel in dem Moment der Strom aus und das Licht war weg. Er machte aber einfach weiter, was ich super mutig fand, weil man echt nicht mehr viel sehen konnte. Ich hätte kurz gewartet, aber ihn juckte das gar nicht. Er machte weiter und zwei Assistenten leuchteten mit ihren Handys, damit er wenigstens nicht radikal daneben kam.
Ich dachte im OP gäbe es Notstromaggregate, aber es dauerte erschreckend lange ohne Strom.
Ich schüttelte innerlich mal wieder den Kopf über das was ich erlebte.
Zum Mittagessen ging ich heute zum ersten Mal ganz alleine als Weiße durch die Stadt. Die Rate, angesprochen zu werden stieg enorm an. Als ich dann Militär bei Hitze die Straße hochrennen sah, die lustig klingende Sachen riefen, machte ich von der anderen Straßenseite ein Foto. Das bereute ich schnell. Plötzlich schrien sie aggressivst los und ich war so überwältigt, was gerade plötzlich abging. Ich war froh, dass mir nichts passierte.
Richtig seltsam, dich fotografieren immer alle, aber die Leute selbst wollen das hier nicht so.
Zurück zu Hause musste ich die Klinik-Kasacks im Hof waschen, damit ich wieder frische Sachen hatte. Ein Graus, dass man das nicht in der Klinik lässt. Auch wieder etwas, worüber man nicht nachdenken darf.
Zum Abendessen gibt es drei Samosas. Diese werden immer in einem Plastikeimer an der Straße vor der Klinik verkauft, erst gab es eins dann zwei, heute drei, ich taste mich langsam ran, möchte nicht wieder meinen Magen riskieren 😝
Jeden Tag, den ich hier bin denke ich daran, wie man woanders auf der Welt sauberes und reichlich Trinkwasser, genug Essen, dauerhaft Strom, warme Duschen uvm. (von Kochplatten, Waschmaschinen und Co fange ich ja gar nicht an) haben kann – im Gegensatz zu hier. Sowie saubere Luft und reine Häuser und man bei einem Mückenstich keine Angst vor Malaria haben muss.
Es ist ein Geschenk zu wissen, wie es anders sein kann und weckt unendliche Dankbarkeit.🙏





Heute bin ich super früh aufgestanden, mit dickem Pulli wurde draußen gefrühstückt. Dann ging es in die Klinik zur Frühbesprechung heute in der Chirurgie. Die Assistenten der Ärzte oder der Clinicians die quasi nur eine drei Jahres Ausbildung haben, was bei uns vielleicht so PJler sind stellen der Ärztin, was bei uns Ober-oder Chefarzt sind, die Fälle des letzten Tages und der Nacht vor.
Wie schon erwähnt sprechen die Einheimischen ihr Englisch chichewisch aus, was ein Verständnis echt schwer macht. Zudem trauen sie sich kaum etwas zu sagen und werden ständig aufgefordert in die Menge zu sprechen, damit man sie wenigstens etwas versteht 😅
Dann gehts ab in den OP, ach ja die grüne OP Kleidung wurde natürlich schon zu Hause angezogen. Dann werden die Schuhe gewechselt, die Haube aus Deutschland importiert angezogen und der OP betreten. Ich war baff, es war einfach unglaublich, absolut unbeschreiblich. Der OP glich einem unfassbar dreckigem Ort mit extrem herunter gekommenen Inventar. Es gab zwar einzelne moderne Gerätschaften, wie in einem OP ein C-Bogen für intraoperatives Röntgen, jedoch relativierte dies nicht annähernd die Erscheinung dieser Räume. Es gibt keine wirkliche Schleuse in der auf Hygiene geachtet wird. Die Türen der Räume kann man wegen Defekten nicht mehr richtig schließen. Die Operateure haben widerverwendbare Kleidung an oder auch mal statt OP Haube eine Plastiktüte über den Kopf gebunden. Etwas lost habe ich mich einfach einem OP Raum zugewandt und wurde auch sehr herzlich aufgenommen. Mein Namen mögen sie sehr, da er so einfach für sie ist, anscheinend fällt es ihnen sonst schwer ausländische Namen auszusprechen.
Der Patient liegt schon auf dem Tisch, er wird weder fixiert noch liegt er auf einer sauberen Unterlage. Er liegt auf einem Tuch und etwas Plastikfolie, zugedeckt ebenfalls von einem Laken. Als ihn jemand aufdeckt, hätte man durch den Anblick auch mal kurz einen Schock bekommen können, er hatte einen Skrotalabszess der etwa so groß wie eine Wassermelone war. Teilweise schon eröffnet.
Über ihren Kasack ziehen sie – jetzt kommt es – eine Metzgerschürze, keinen sterilen Kittel, die Arme sind also nackt. An den Füßen tragen sie Gummistiefel.
Wenn ich sehe, wie sie arbeiten ist das auch deutlich hygienischer als OP-Clocks.
Der Abszess wird eröffnet, der Patient ist dabei wach und es wird auch nicht abgedeckt, nicht mal eine OP oder Sichtabdeckung. Der Operateur fragt mich, was wir da sehen. Nach viel Gewebeentfernung konnte der Hoden freigelegt werden. Er strecke ein etwa 20cm großes Stück Gewebe in die Luft und meinte hier ein Geschenk. Haha Joke, war alles etwas makaber.
Er fragte wie häufig sowas in Deutschland ist. Ich meinte in diesem Ausmaß wahrscheinlich nie oder extrem selten. Er war überrascht und meinte bei ihm sei dies absoluter Alltag.
Die Wunde wurde mit etwas Verbandartigem zugebunden, operativ verschließen konnte er es anscheinend wegen der Schwellung nicht.
Ab und zu rutschte er ab oder sie spritzten sich gegenseitig etwas an, da schauten sie etwas schockiert und meinten dann upsi. Ich war ziemlich ehrfürchtig davor, da so ein Großteil der Bevölkerung auch HIV hat. Wie banal mit der Hygiene umgegangen wird.
Dann im zweiten OP wurde eine Sectio (Kaiserschnitt) durchgeführt.
Die Operateure waschen sich einen Augenblick mit Wasser und Seife, Desinfektionsmittel wird keines genutzt.
Bei der Spinalen fällt mal eben die Nadel runter, wird aber einfach trotzdem verwendet.
Hier wurde sogar das OP Feld mit autoklavierten Tüchern abgedeckt, die jedoch beim auslegen ohne Ende staubten. Sogar OP Kittel wurden getragen.
Als das unterentwickelte Kind geborgen wurde, brachte es eine Bedienstete direkt in einen Nebenraum. Dies war einfach ein anderer OP mit laufender Operation, wo in einer Ecke ein Wärmebett stand, dieses war aber kalt.
Das neugeborene Kind war schlaff und atmete nicht. Das Kind wurde zwar gerieben und etwas abgetrocknet aber war noch nass und leblos.
Eine holländische Ärztin, die auch gerade da ist und ich stürmten hin, wir etablierten eine Beatmung, sowie Wärme und Sauerstoff. Die Maske die uns gegeben wurde war viel zu groß, die beatmete eher den Bauch als die Lungen. Auch die Wärme konnte nicht angepasst werden, der Sauerstoffvernebler war kaputt. Wären wir nicht eingeschritten, hätte das Kind jetzt nicht überlebt. Die Ärztin musste zur Op und ich machte weiter.
Jedoch nahm sie mir die Beatmungsmaske ab und warf sie schon wieder in einen Desi-Eimer, dabei atmete das Kind lange noch nicht suffizient.
Abgehört wurde es auch nur durch mich, kein anderer hatte ein Stethoskop, Nabelschnurblut, Vitalparameter wie eine Sättigung und Herzfrequenz wurden nicht erhoben. Sowas wie auskultieren, sollte sogar dort möglich sein. Ich improvisierte die Reparatur des O2 Geräts und stopfte etwas Müll an die undichten Stellen, ich hoffte, dass mir das Teil nicht gleich um die Ohren flog und füllte alle Undichtigkeiten. Fürs erste hielt es.
Währenddessen wurde das Kind gefühlt bis in die Brust abgesaugt, etwa brutal und immer wieder.
Ich rubbelte das Kind nochmal ab, es atmete immer noch nicht suffizient. Dann wurde es gewogen und anschließend zu Fuß durch die Zuständige auf Station gebracht. Ich glaubte wirklich nicht, dass das gerade passiert war. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn wir nicht eingeschritten wären. Genauso war ich mit nicht klar darüber, wie die weitere Versorgung wohl ablaufen soll.
Ich war geschockt. Einerseits über die eingeschränkten Möglichkeiten, andererseits über das wenige Wissen und die unzureichenden Fertigkeiten des malawischen Personals. Hier fehlte nicht nur klinisches
Ich war geschockt. Einerseits über die eingeschränkten Möglichkeiten, andererseits über das wenige Wissen und die unzureichenden Fertigkeiten des malawischen Personals. Hier fehlte nicht nur klinisches Wissen und Fertigkeiten sondern auch Notfallmanagement.
Ein absolut kritisches Kind bekommt hier keinen fähigen Kinderarzt, kein Inkubator, keine Erstversorgung. Teilweise wird es auch einfach liegen gelassen. Ob es warm oder kalt ist bemerkt da nicht mal einer.
Es ist wirklich schwer die vielen Eindrücke, die man hier erlebt, genau niederzuschreiben. Es passiert so viel gleichzeitig, die Ereignisse überschlagen sich und man ist jeden Augenblick neu überrascht was gerade passiert.
Man muss immer wieder versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
Aber um alle Naivität auszutreiben, das passiert Tagtäglich so. Wenn ich oder die holländische Ärztin morgen nicht mehr da sind, wird es wieder genauso weiter laufen.
Diese andere Art von Medizin im Krankenhaus kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht miterlebt.






Heute war Visite mit der Chefärztin.
Wir erstbefundeten ein 8 Monate altes Kind mit Atembeschwerden mit Trisomie 21.
Sie fragte uns aus über die erwartbaren Komplikationen und Ausprägungen.
Ich erzähle ihr von einem Herzgeräusch, sie meinte ich solle differenzieren, welche Art von Fehlbildung das Kind habe. Ich dachte über Möglichkeiten nach, musste die meisten jedoch verwerfen, da es hierzu keine Umsetungsmöglichkeiten gab. Kein CT, kein MRT, zwar gibt es Ultraschall aber es kann kaum jemand interpretieren. Eigentlich gibt es nur Gastro-also Endoskopiemöglichkeiten, Röntgen und Blutbilder.
Also entschied sich die Chefärztin für ein Röntgenbild, als einziges diagnostisches Mittel, bevor das Kind wieder entlassen wurde, da es keine kardiologische Abteilung gibt.
Außerdem war ein Kind mit einem Tumor hinter dem Auge, welches im größten Krankenhaus am anderen Ende des Landes Chemotherapie bekommen hatte, da jedoch progredientierte der Tumor leider, das Kind war schon blind und konnte in diesem Krankenhaus leider nur Palliativ behandelt werden. Ein anderes hatte eine Halbseitenlähmung mit Verdacht auf neurologisches Erkrankungsbild. Bei diesem sah man sogar eine prominente Beule an der Stirn. Die Chefärztin meinte, dies sehe man hier oft, dass die Tumore schon sichtbar wären.
Ein Kind lag auf Station mit mit geschätzter 80%iger Verbrennung, es bekam die Augen kaum mehr auf, bekam Opiate und man versuchte leidsame Prozeduren zu vermeiden. Trotz allem war ich schockiert, dass die Verbrennungen nicht einmal steril abgedeckt waren, sondern die Tücher der Familie die Haut berührten.
Auch diesem Kind konnte nur noch Palliativ geholfen werden.
Es sind wirklich teilweise super harte Schicksale. Obwohl es eine Klinik ist ist es einfach nicht selbstverständlich, ob den Kindern geholfen werden kann. Viele Möglichkeiten fehlen, den Kindern noch besser zu helfen oder sie wieder zu heilen.
In Deutschland gibt umfangreiche Möglichkeiten, die statt einer palliativen Versorgung zur kompletten Remission führen könnten.
Sehr sehr gläubig sind alle Einheimischen hier. Vor Frühbesprechungen wird gebetet, und der medizinische Erfolg hängt u.a. maßgeblich von Gottes Plan ab.


Da die Ärzte auf der Kinderstation am Nachmittag meinten, nicht mehr viel Arbeit zu haben, bin ich mit auf die Innere der Erwachsenen gegangen.
Ich hatte Glück, dass mein Patient englisch konnte, so konnte man einfach fragen was für die Anamnese wichtig war und Untersuchungen ankündigen und besprechen. Trotz alledem ist es gar nicht so einfach zu wissen, wie die ganzen Untersuchungen auf Englisch bezeichnet werden, viele Begriffe sind neu, Schwerpunkte anders und die Möglichkeiten begrenzt.
Grundsätzlich habe ich den Eindruck, ist die Medizin um einiges eingeschränkter ist, als in Deutschland, ebenso die fachliche Betreuung und Beurteilung.
Auch in den Besprechungen läuft es meist oberflächlich ab, was man soweit verstehen kann, da viele Untersuchungen, Diagnostik und Therapien hier einfach nicht zur Verfügung stehen.
Sich so einfach zu halten ist ungewohnt. Und ich befürchte, dass durch eingeschränkteres Wissen und Therapien auch schneller auf wenige Krankheitsbilder eingeschränkt wird.
Absoluter Standart ist ein Malariatest bei jedem Patienten. Es ist hier so unglaublich verbreitet und ein gutes Mittel, noch vor schweren Verläufen einzuschreiten.
Wie ich schon sagte, genügt die Hygiene nach meinem Empfinden nicht. Ich bin die einzige, die sich nach Patientenkontakt die Hände desinfiziert. Materialien werden grundsätzlich ohne Reinigung am nächsten Patienten wieder angewendet.
Auch im Krankenhaus ist der Geruch sehr speziell. Auf den Betten und an den Wänden laufen Käfer. Müll muss nicht in Klinikmüll und Restmüll getrennt werden, denn hier wird eh alles verbrannt.
Wenn man nach Hause kommt, ob kurz über Mittag oder nach Dienstende, ist es ein großes Glück Strom zu haben, fast immer ist er aber weg.
D.h. kein Kochen möglich, kein Licht, keine Endgeräte ladbar.
Das mit dem Essen ist gar nicht so einfach, denn da generell ohne Kühlschrank, kann nichts gelagert werden, Milchprodukte sind sowieso unüblich und haltbare kalte Nahrungsmittel für ein ausgewogenes Essen haben wir noch nicht richtig gefunden.
Meist gibt es ungetostetes Toastbrot mit Honig oder 🥑 Guacamole. Aufstriche gibt es keine, von Rohkost die man nicht schälen kann, müssen wir die Finger von lassen.
Also duscht man ohne Strom im Dunkeln mit Taschenlampe, braucht meist eh nicht lange weil es so unfassbar kalt ist. Hier wäscht man in einem Eimer, der für alles da ist, dann auch die Klamotten. Das ist echt unglaublich anstrengend und dauert länger als man denkt. Waschen sollte man früh, so dass es Tags über trocknet, denn die Aufhängungsmöglichkeiten sind beschränkt. Wir leben aus dem Koffer.
Weil es ab etwa 17.30 Uhr kuhnacht ist, beschränkt man sich auf das Wichtigste und geht meist früh schlafen, außer man setzt sich noch bei Kerzenschein vors Haus.
Heute Abend wurden wir von Einheimischen an unserer Unterkunft zum Essen anlässlich eines Geburtstages eingeladen. Wir sollten etwas typisch deutsches mitbringen, der angekünigte Kartoffelsalat wurde nur leider nichts, da nach dem Ansetzen der Strom ausfiel und wir bis zum Abend keinen mehr hatten. Also wurde Guacamole improvisiert und wir wurden mit Reis, Nsima und Hühnchen sowie Würstchen empfangen.
Vor dem Essen geht der Sohn mit einem Bottich herum und lässt dich die Hände waschen.
Als Vegetarier hat sich mein Essen auf Reis und das erstmalige Kosten von Nsima mit Avocado beschränkt.
Nsima schmeckt wirklich sehr speziell, und zwar nach absolut nichts in Puddingform.
Danach hat sich mein Magen leider gedreht und ich hatte eine leidende Nacht.



Innere Station, Schwestern sehen hier super schick aus 🙂
Erster Tag im Krankenhaus.
Die Arbeitsklamotten werden für gewöhnlich schon Zuhause angezogen. Beim Frühstück vor der Tür laufen die Nurses schon los, sie sehen unheimlich adrett aus. Da sehen wir Studenten in unseren Kasacks aus wie noch im Schlafanzug.
Der Weg zur Klinik geht über einen Fluss, seit heute ist die kleine Brücke fertig, bis dato lagen nur zwei Baumstämme zur Überquerung da.
Das Klinikgelände ist schwer zu erkennen. Nicht charakteristisch, sondern sehr ähnlich wie die typischen anderen Gebäude hier auch. Viele einzelstehende Gebäude, alles recht offen gebaut. Zuvor muss man ein Schulgelände und einen angrenzenden Wohnheimsbereich mit kochenden und waschenden Menschen und Wäscheleinen durchqueren.
Die Klinik ist größer als gedacht und es ist gar nicht so einfach bei den gleich aussehenden Eingängen (eigentlich alles offen, ohne Fenster) sich nicht ständig zu verlaufen.
Auf der Kinderstation angekommen zeigt mir die Studentin vor Ort schon mal die drei Abteilungen. Wir schauen uns die ganz lütten Babys an. Uns bemerkt keiner und es sagt auch niemand was, dass man da einfach reinspaziert. Schließlich kannte mich bis dato noch niemand.
Dann haben wir uns bei der Morgenbesprechung eingefunden.
Die zuständigen Ärzte, hier sind es eher Arzthelfer, berichten über die Fälle. Sie nuscheln so leise und reden so schlechtes Englisch vermischt mit Chechewa, dass ich fast nichts verstehe. Ich stelle mich vor, verstehe wieder nichts und schließe mich einfach einer Gruppe an, die zur Station geht. Auch hier wird wieder viel zu mir gesagt, als ich mich vorstelle. Es ist so unheimlich schwer ihre Wörter zu verstehen oder die Aussprache zu deuten, da sie auch noch leise reden.
Wir machten Visite bei den kleinen Mädchen. Diese liegen etwas erhöht mit ihrer Mama auf einem Holzplatea. Jede muss ihre Unterlage und Decken selbst mitbringen, sie warten dann darauf, dass sich jemand kümmert. Sie sind unheimlich geduldig und können fast alle kein Englisch. D.h. Visite ist nur zusammen mit Einheimischen möglich. Vitalparameter können leider fast nicht erhoben werden, da das einzige Gerät entweder nicht geht oder die Batterie leer ist. Manuelle Blutdruck Manschetten gibt es nicht. Körperliche Untersuchungen werden meist eingespart, es wird auf die Anamnese der Eltern gehört. Wenn etwas nicht geht, wird es belassen, meist sucht man nicht nach Lösungen, sondern nimmt es einfach so hin.
Oft haben die Patienten Sepsis, Pneumonie oder Malaria. Jedes Kind bekommt dann grundsätzlich Antibiotika und auch bei Weichteildiagnostik ein Röntgen.
Bis eine Anordnung geschrieben wird (alles händisch, was das Entziffern sehr schwer macht) dauert es schon manchmal zwei Tage. Angemeldet wird zu Fuß, d.h. man läuft in die Radiologie und meldet den Patient selbst an, Telefone werden nicht benutzt.
Die effektive Arbeitszeit ist für mein Empfinden extrem kurz, und sie arbeiten seeeeeeehr gemütlich. Dass sie sich auch mal ne halbe Stunde auf eine Bank setzen ist schon normal. Mittagspause ist heilig, da werden die Untersuchungen halt auch mal auf den nächsten Tag verschoben.
Grundsätzlich kommen die Angehörigen der Kinder nie alleine, sie reisen teilweise von weit an, kommen aus anderen Landesabschnitten, um hier eine medizinische Versorgung zu bekommen. Sie bringen nicht nur alles mit, sondern müssen sich vor Ort auch komplett selbst versorgen. Wenn man morgens ankommt, sitzen sie auf dem Boden vor dem Kindergebäude, mittags kochen sie auf der Wiese hinter dem Gebäude und bringen dann das Essen rein, sodass Mutter und Angehörige versorgt werden. Es liegt dann auch mal ein Kohl auf dem Patientenbett oder man stolpert über Wasserkanister und Töpfe der Angehörigen.
Patienten und Angehörige tragen häufig lange Röcke und wickeln ihre Kinder mit Tüchern um sich rum. Sie tragen dazu meist Ballerinas oder gehen Barfuß. Gegessen wird immer mit den Händen. Absolut traditionell ist Nsima = Reisbrei, häufig wird auch Reis gegessen.






Das Frühstück hat sich heute auf eine halbe Papaya und etwas trockene Cornflakes beschränkt, blieb auch tatsächlich das einzige an Essen, bis wir zum Abend ziemlich überteuert essen gegangen sind. Wir waren schon extrem hungrig und zahlten deswegen diese Preise, Hauptsache endlich etwas im Magen.
Den ganzen Tag brauchten wir für die Organisation unses Gepäcks. Am Telefon sagte man uns, es sei nicht da. Ich bat eine Krankenschwester um Hilfe, die auf Chechewa doch tatsächlich mehr bewirkt hat. Es sei nun da.
Wir machten uns auf die lange Fahrt zum Flughafen auf.
Wieder so viele Eindrücke, so viele Erlebnisse wie von Verkäufern umgarnt zu werden, die dir zwanghaft etwas verkaufen wollen. Du kommst schier nicht mehr weg.
Oder irgendwelche Afrikaner, die dir deinen Koffer aus der Hand reißen und dich unbedingt irgendwo hin fahren wollen. Den dann wieder zu bekommen, ist nicht so leicht wie man glaubt.
Ich war froh, dass das Gepäck da war, den kleinen Schmerz dass der Koffer demoliert, kaputt und aufgebrochen war, musste ich hinnehmen. Ich bin dankbar über den verbliebenen Inhalt, und dass ich nun die Klamotten für die Arbeit morgen im Krankenhaus habe.
Um 19.30 Uhr geht es fix und alle ins Bett.






Ich war sehr froh, dass es gestern kein Strom gab und ich unbesorgt ins Bett gegangen bin. Die Kakalake neben meinem Bett hat mich barfuß dann doch kurz überrascht und ist jetzt wahrlich nicht mein Lieblingstier im Zimmer. Leider war das nicht der einzige ungebetene Gast.
Zum Frühstück gab es noch das einpackte Croissant aus dem Flugzeug und Chlorwasser. Wir saßen dazu bequem auf Plastikstühlen vor dem Haus und haben uns überlegt, was wir nun am dringensten den Tag über organisieren und besorgen müssen.
Es ging zu Fuß über Stock und Stein, an Flüssen mit Tonnen voll Plastikmüll vorbei Richtung Markt. Überall verbrennen die Einheimischen den Müll, es ist sehr staubig und es liegen viele tote Tiere herum. Der Geruch ist schon speziell, etwas zwischen Müll und Cyanidgeruch, frisch atmen ist nicht möglich. Am beschriebenen Fluss waschen Afrikaner Schuhe.
Auf dem Weg zum Markt wird man extrem angeschaut, alle sprechen einen an und fragen wie es geht. Smalltalk ist hier extrem gewünscht und vermittelt ein schönes Gefühl von Offenheit, zudem ist man als Weißer einfach die Attraktion. Kinder aber auch Erwachsene aus Autos winken dir zu.
Am Markt angekommen wird man auch direkt angesprochen… ihr seid doch die Freunde der anderen Weißen, kauft bei mir ein, ich mache den besten Preis, ja ist klar, hier muss man schon bisschen aufpassen, sie wissen was sie an dir verdienen können. Ein normaler Tageslohn ist so bei 1 $, an uns verdienen die jedoch eher ein Vermögen. Man muss etwas aufpassen, handeln und darf sich nicht von allen einwickeln lassen. Alle wollen dir was andrehen, alle sprechen dich an.
Als ich einen Händler gefragt habe, mit ihm ein Foto machen zu dürfen, war er so happy, meinte er möchte bitte auch eins haben, damit er es seinem Freunden zeigen kann, er hat gleich 20 identische gemacht 😂 und hat uns dann eine Riesenavocado geschenkt, weil wir jetzt Freunde sind 😎.
Der Markt ist beeindruckend gewesen, sehr reichhaltig und es gab alles. Obst/Gemüse, Frauen die Erbsen pulen, aber auch Elektrik, Klamotten, Schuhe, Baumaterialien, Stoffe, lebende Tiere, aber auch viele tote Fische auf Holzbänken und Unmengen an Heuschrecken. Auch hier intensive Gerüche und viele Eindrücke und unglaublich liebe Menschen.
Eine Frau hat uns mit der neuen Simkarte geholfen, damit wir uns mal ein Datenpanel kaufen können. Hat eine geschlagene Dreiviertelstunde gedauert bis alles funktionierte und freigeschaltet war. Im Smalltalk bekam sie mit, dass wir vergebens versuchten den Flughafen zu erreichen und rief ein paar Freunde an, um uns zu helfen und zu fragen, wo unser Gepäck abgeblieben war. Sie schickte unsere Anfrage per WhatsApp persönlich durch, bei der Telefonnummer die wir bekommen hatten, ging nur eine automatisierte Antwort los, das der Flughafen wegen Überbeanspruchung nicht mehr erreichbar sei.
Unser Gepäck sei nun da, wir müssten nur noch irgendwie dort hin kommen um es abzuholen. Eine Aufgabe die wir akut nicht angingen.
Wir suchten uns lieber ein Café und aßen erstmal etwas, weil unsere Kraft ausgeschöpft und unser Hunger riesig war.
Man sieht Unmengen an Material und Lebensmittel, das Afrikaner auf dem Kopf oder auf Rädern transportieren, teilweise balancieren sie es sogar steile Berge rauf und runter. Das sieht beeindruckend aus.
Der Verkehr ist wie gesagt extrem abenteuerlich, anscheinend sind Verkehrsunfälle an der Tagesordnung, die Leute fahren aber auch verrückt, man muss schon aufpassen nicht überfahren zu werden 😝
Heute habe ich ein Moped gesehen, auf dem 2 Erwachsene, 3 Kinder darunter ein Baby auf dem Rücken festgebunden saßen, das ca. einjährige Kind wurde einfach in die Mitte der Kinder gesteckt. Festhalten war aufgrund des Alters nicht wirklich möglich und einen Helm hat natürlich keiner auf.
Viele Pickups fahren mit Afrikanern auf der Kante der Ladefläche sitzend herum. Das sieht man ständig und scheint hier der absolute Alltag zu sein.









